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Emmerich
Eine Testfahrt: 100 Prozent elektrisch

Emmerich: Eine Testfahrt: 100 Prozent elektrisch
FOTO: Ekkehart Malz
Emmerich. Unsere Autorin wagt den absoluten Kontrast. Privat fährt sie einen Golf Diesel, im Test nun einen Twizy, der den Saft aus der Steckdose bekommt. Ihr Fazit: eine echte Alternative. Allerdings nicht für jeden und nur als Zweitwagen. Von Lisa Kreuzmann

Man sagt ja, Hunde haben einen siebten Sinn. Tatsächlich können sich Hunde an elektrischen Strahlen orientieren, was in dem einen oder anderen Moment durchaus überirdisch wirken mag. Zum Beispiel, wenn man in einem "Twizy" durch Wesel düst. Der Boxer, der gerade von seinem Herrchen zum Mittagsspaziergang ausgeführt wird, ist dermaßen irritiert, dass er das Elektro-Mobil schon in weiter Ferne hinter sich wittert, an der Leine zerrt und sich von Twizy deutlich verunsichert zeigt. Da ist der Hund an diesem Tag nicht der einzige: Wer in dem kleinen E-Mobil unterwegs ist, kann sich einer Sache sicher sein: Aufmerksamkeit. Aber reicht das denn? Der Autohersteller Renault hat das Mobil 2012 in Deutschland auf den Markt gebracht. Der Twizy sortiert sich optisch zwischen Kleinwagen und überdachtem Motorrad ein.

Er ist aber per Definition ein Quad. Ein Elektroauto ist Twizy also nicht. Das zeigt sich schon daran, dass die vor wenigen Wochen vom Bund beschlossene E-Auto-Prämie für den Twizy nicht gilt. Auf der Liste der 85 förderfähigen Elektrofahrzeuge ist das E-Quad nicht gelandet. Renault selbst fördert den Kauf mit einer einmaligen Prämie von 2000 Euro. Das ist im Zweifel entscheidend, denn mit bis zu 8680 Euro ist Twizy nicht billig und nicht für jeden lohnt sich die Anschaffung. Das Autohaus Hama in Wesel hat seit 2012 knapp 30 Exemplare verkauft, und das überwiegend an Firmen, die den Twizy zu Werbezwecken nutzen, eben weil er so schön auffällig ist.

Sicherheit (+++) Unsicher fühlt man sich im Twizy jedenfalls nicht. Vermutlich sogar sicherer, als man im Ernstfall wäre, weil es sich doch in Erinnerung rufen muss, nicht auf den Golfplatz zu flitzen, sondern im normalen Straßenverkehr. In der Variante mit Seitentüren fühlt man sich dennoch relativ wohlbehütet, wenn man es mag, der Straße nahe zu sein. Es vermag aber sicherlich Schöneres geben, als in dem etwa 1,30 Meter breitem und 1,40 Meter hohem E-Mobil links und rechts von zwei 40-Tonnern eingekesselt zu werden.

Fahrspaß (+++) Einen Twizy kann man von beiden Seiten besteigen, die Türen öffnen sich nach oben. Ein Hauch von Batmobil, der schnell verfliegt, wenn man etwas auf die Tube drückt: Bei Tempo 80 ist Schluss. Abzug gibt es außerdem für die servolose Lenkung, die zwar präzise anspricht, aber doch etwas mühselig ist. Wichtig aber: Die Deflektoren an den A-Säulen lenken einiges an Wind und Nässe ab, so dass der Twizy - man glaubt es kaum - auch den Härtetest bei Regen besteht.

Praktikabilität (++) In der Großstadt liegen die Vorteile auf der Hand: kurze Strecken, wenige Parkplätze, schlechte Luft. Auf dem Land sieht es da schon anders aus. Für den geregelten Arbeitsweg von etwa 20 Kilometern oder den kleinen Einkauf ist das kleine E-Mobil geeignet. Auf den hinteren Sitz passen Wasserkasten und Einkaufstaschen. Eine Familien- und Reisekutsche ist er sicherlich nicht. Bei Überlandfahrten auf hügeligen Bundesstraßen reicht eine Batterieladung gerade mal für 50 Kilometer. Einmal Schermbeck und zurück geht also gerade so. Allerdings sollte man sich der nächsten Steckdose gewiss sein. Das E-Quad lässt sich zwar per Schuko-Stecker am gewöhnlichen Hausstromnetz aufladen, jedoch setzt das voraus, dass man eine Außensteckdose, oder aber eine Garage zur Verfügung hat. Das Ladekabel misst zwei Meter. Gegenwind und Dunkelheit mindern die Leistung.

Komfort (+++) Genügend Arm- und Beinfreiheit bietet Twizy. Beim Ein- und Aussteigen jedoch, sollte man seine körperlichen Grenzen kennen. Ein wenig krümmen muss man sich schon. Besonders schwierig hat es der Mitfahrer, der seinen Rücken kurzzeitig der Heckbiegung des Quads anpassen muss. Trotz Federung ist man außerdem ein wenig ruckelig unterwegs. Pluspunkte gibt's wiederum beim Parken: An Markttagen rund um den Dom und in älteren Parkhäusern mit engen Schnitten wie unter der Apollo-Passage und unterm Großen Markt findet man mit dem E-Quad sicherlich schneller einen Platz. Ist man länger unterwegs, muss man sich jedoch Gedanken machen, ob das Parkhaus auch eine Steckdose bietet.

Umweltbilanz (+++++) Das zu 100 Prozent elektrisch betriebene Auto rühmt sich mit einem Nullausstoß an CO2-Emissionen.

Preis-Leistung (+++) Twizy verbraucht auf 100 Kilometern 6,3 Kilowattstunden. Greenpeace-Strom kostet derzeit 26,65 Cent pro Kilowattstunde. 100 Kilometer mit Twizy kosten also noch nicht einmal zwei Euro. Langfristig wird's günstiger. Allerdings muss die Batterie zusätzlich angemietet werden. Die Preise sind mit 30 bis 70 Euro im Jahr jedoch übersichtlich.

Info Unsere Autorin hat den Twizy bewertet: fünf Pluszeichen sind ihre beste, ein Plus ist ihre schlechteste Bewertung.

Quelle: RP
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