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Emmerich
Elisabeth Haase hat viel bewegt in ihrem Leben

Emmerich: Elisabeth Haase hat viel bewegt in ihrem Leben
Elisabeth Haase im Januar 2012. FOTO: Konrad Flintrop
Emmerich. Die Vollblutpädagogin und treibende Kraft von Liemers-Niederrhein ist jetzt im hohen Alter von 91 Jahren in Emmerich gestorben.

Sie gehörte zu den Mitgliedern der ersten Stunde der deutsch-niederländischen Kulturvereinigung Liemers-Niederrhein und hat, als die Dinge zwischen beiden Ländern noch schwierig lagen, viel zur Verständigung und zum Abbau von Grenzen in den Köpfen beigetragen. Wie jetzt bekannt wurde, ist Elisabeth Haase, von 1984 bis 1998 Vorsitzende von Liemers-Niederrhein und Ehrenvorsitzende, am vergangenen Sonntag fast 92-jährig in Emmerich gestorben.

Ihr Vater war Deutscher und ihre Mutter Niederländerin. Das prädestinierte Elisabeth Haase geradezu, Brücken zwischen beiden Ländern zu schlagen und die Wunden zu heilen, die Besatzungszeit und Krieg hinterlassen hatten.

Aber auch ihre Familie hatte unter dem Krieg zu leiden, das Elternhaus wurde im Bombenhagel dem Erdboden gleichgemacht, so dass die Familie evakuiert wurde. Als junges Mädchen hat sie den Krieg miterlebt, reden mochte sie über diese Zeit nicht.

Die Basis für ihr Niederländisch wurde vor allem bei den Besuchen ihres Opas in Oosterbeek gelegt. Sprachkenntnis war für die Emmericherin wichtig, um den anderen wirklich verstehen und Vertrauen aufbauen zu können. Dass sie als Vollblutpädagogin wert auf korrektes Deutsch legte, liegt auf der Hand. 1951 kam Elisabeth Haase als Lehrerin an die Albert-Schweitzer-Schule in Emmerich, 1967 wurde sie Rektorin. Dieses Amt übte sie bis zur Pensionierung 1986 aus.

Elisabeth Haase ist für ihre Verdienste vielfach ausgezeichnet und geehrt worden. Stolz sein durfte sie vor allem über den Alfred-Mozer-Preis, den ihr die Provinz Gelderland verlieh und der ihr am 18. März 1997 durch den Kommissar der Königin, Jan Kamminga, in Arnheim überreicht wurde. Die Jury sah in ihr den "antreibenden Motor" von Liemers-Niederrhein.

Johannes Rau würdigte sie in einem persönlichen Brief als "Pionierin" dieser für ein vereintes Europa so bedeutsamen Vertrauensarbeit. Das Land hatte sie schon 1991 auf Schloss Benrath mit dem NRW-Verdienstorden bedacht. Der Klever Landrat Hans Pickers verlieh ihr im Auftrage des Bundespräsidenten 1984 im Emmericher Rathaus das Bundesverdienstkreuz am Bande.

"Das Leben ist ein Zyklus, auch das Vereinsleben", hat Elisabeth Haase in einem Interview einmal gesagt: "Wenn Liemers-Nieder-rhein sich bewegt und nicht bloß besteht, dann hat der Verein ganz bestimmt eine Zukunft."

Elisabeth Haase, die Grand Dame fruchtbaren deutsch-niederländischen Zusammenwirkens, hat in ihrem langen Leben viel bewegt: charmant, souverän, stilbildend. Sie war ein Glücksfall. Eine Bereicherung für alle, die sie kannten.

Elisabeth Haase wird am Freitag, 14 Uhr, auf dem Friedhof Friedensstraße beigesetzt (anschließend Trauerfeier in der evangelischen Christuskirche am Geistmarkt). Statt um Kränze / Blumen wird um eine Spende für die Hospizbewegung gebeten.

(nk)
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