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Rees
Eltern kämpfen für mehr Kinderärzte

Rees: Eltern kämpfen für mehr Kinderärzte
Eine Klever Elterninitiative nimmt die fehlende Nachfolge für die Kinderärztin Dr. Marianne Windmüller zum Anlass, in Rees aktiv zu werden. FOTO: Thorsten Lindekamp
Rees. Dr. Windmüller findet für ihre Kinderarztpraxis keine Nachfolge. Damit bleiben kleine Patienten in Rees unversorgt.

Alle bisherigen Versuche sind gescheitert. Ende September wird Dr. Marianne Windmüller nach gut 25 Jahren ihre Kinder- und Jugendarztpraxis schließen. Die Medizinerin hat sich seit fast vier Jahren um eine Nachfolgeregelung bemüht. "Aber es gab keine ernsthaften Interessenten, obwohl ich die Praxis notfalls verschenkt hätte", so Windmüller enttäuscht. Wieso sich kein Kinderarzt dafür interessiert, sich am Niederrhein niederzulassen, bleibt ihr unerklärlich.

Während ihre Mitarbeiterinnen weitestgehend bei Kollegen einen zukünftigen Arbeitsplatz gefunden haben, sind es die kleinen Patienten, die auf der Strecke bleiben. "In meiner Praxis habe ich sehr viele Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen behandelt, deren Betreuung viel Zeit und Erfahrung erfordert. Besonders für diese Patienten sehe ich große Probleme, in der näheren Umgebung eine Praxis zu finden, die diese Aufgabe übernehmen kann", so die Kinderärztin.

Dabei waren die Probleme lange vorhersehbar. "Seit fünf Jahren haben wir Kinderärzte auf die künftigen Versorgungsprobleme für Kinder in unserer ländlichen Region hingewiesen - praktisch ohne Erfolg. Erst die Gründung der Elterninitiative in diesem Frühjahr hat bei den Entscheidungsträgern der Kassenärztlichen Vereinigung Bewegung und erste Hilfsangebote ausgelöst." Konkret geschehen ist bis heute aber nichts.

Die Sprecherin der Elterninitiative aus Kleve, Katja Beermann, hat mit ihrer Gruppe Kontakte zu den lokalen Politikern aufbauen können und positive Resonanz für das Anliegen bis hin zu sehr konkreter Unterstützung erhalten. So haben Landrat Wolfgang Spreen und die Vorsitzenden fast aller Kreistagsfraktionen die Eltern zu einem Gesprächstermin bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Düsseldorf begleitet. "Wir haben erstmalig von der KV-Spitze die Zusage erhalten, uns in unserem Versuch, die Rahmenbedingungen für die ärztliche Versorgung in unserer ländlichen Region zu verbessern, zu unterstützen", resümiert Katja Beermann. "Rein rechnerisch", ergänzt Dr. Windmüller, "gibt es in unserem KV-Bezirk nämlich ein Überhang an Kinderarzt-Sitzen."

So sehen die Mütter der Elterninitiative in den Planungsvorgaben für die ärztliche Versorgung die Hauptursache für den akut drohenden Versorgungsnotstand. "In Großstädten wie Düsseldorf sind gut 40 Prozent mehr Kinderärzte pro Einwohner vorgesehen als im Kreis Kleve. Da ist es doch ganz selbstverständlich, dass die Praxen hier überfüllt und vor allem keine Reserven vorhanden sind, um die Patienten von schließenden Praxen - wie jetzt von Frau Dr. Windmüller - zu übernehmen", so Katja Beermann. "Wir Eltern lassen uns aber nicht länger verschaukeln: 60 Prozent ärztliche Versorgung für 100 Prozent Krankenkassenbeitrag - das wollen wir für unsere Kinder nicht länger hinnehmen," so die junge Mutter.

Auch Bürgermeister Christoph Gerwers zeigt sich über die Versorgungsprobleme der Kinder sehr betroffen. "Trotz des Termindrucks durch die nahen Kommunalwahlen haben wir uns entschlossen, das Thema jetzt aufzugreifen", so Gerwers, "wir brauchen einfach ganz dringend Hilfe und sind froh, dass die Elterninitiative uns eine Möglichkeit bietet, auf die Benachteiligung unserer Region in der medizinischen Versorgung aufmerksam zu machen und dagegen zu protestieren."

"Wir laden daher alle Bürger herzlich ein zu einem Vortrag zum Thema: 'Die Bedarfsplanung als Ursache für den Ärztemangel in unserer Region'. Und zwar am Mittwoch, 16. September, um 19 Uhr im großen Saal des Bürgerhauses, Markt 1", so Gerwers. Im Anschluss wird genug Zeit für die Diskussion mit dem Referenten, Dr. Brüninghaus, einem Kinderarzt aus Kleve, und den Mitgliedern der Elterninitiative für eine bessere ärztliche Versorgung im Kreis Kleve sein.

"Ich möchte über Hintergründe informieren, denn sachkundige und engagierte Bürger dürften am ehesten in der Lage sein, Verbesserungen der ärztlichen Versorgung zu erreichen", so Dr. Brüninghaus. Wichtig sei, die Eltern aufzurütteln. "Sie sollen ihre Geschichten aufschreiben und ihre Odyssee schildern, nämlich einen Kinderarzt zu finden, der noch freie Kapazitäten hat", rät Dr. Windmüller. Die Elterninitiative bietet Patienten, Eltern und interessierten Bürger eine Plattform, um sich gemeinsam für eine bessere ärztliche Versorgung einzusetzen.

(ha)
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