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Emmerich
Nach Tierquälerei: Was macht der Reitverein?

Emmerich: Nach Tierquälerei - was macht der Reitverein?
Bei der Ponyausstellung am Wochenende soll ein Züchter einen Hengst mit einer Peitsche im Genitalbereich geschlagen haben. FOTO: van Offern, Markus (mvo)
Emmerich. Der Fall von Tierquälerei, der sich am Wochenende bei der Welsh-Pony-Schau in Borghees ereignet und den unsere Redaktion öffentlich gemacht hat, sorgt in Emmerich und in den sozialen Netzwerken für Empörung.

Auch bei Tim te Laak. "Wenn dem so war, dann muss von Seiten der Zeugen eine Anzeige gegen den Tierhalter her", hob der 1. Vorsitzende des Reitvereins hervor. Der Klub hatte für das von vier Züchtern organisierte Treffen die Anlage bereitgestellt, dazu die Verpflegung für Starter und rund 300 Zuschauer gewährleistet. Insgesamt 125 Vierbeiner präsentierten sich auf dem Reitplatz.

Zeugen hatten dabei gesehen, wie am frühen Nachmittag ein niederländischer Züchter seinen Hengst schlecht behandelte.

Der Hengst, so schildern es Umstehende, hatte vermutlich eine rossige Stute gewittert. Sein Verhalten war unruhig und nervös. Sein Halter versuchte ihn zu kontrollieren, erreichte sein Ziel jedoch nicht.

Tierquäler-Fälle in NRW FOTO: dpa, Andrea Warnecke

Kurze Zeit später eskalierte die Situation. Der Hengst ging auf die Hinterbeine, die Besucher der Schau suchten schnell das Weite. Das geschah, so Zeugen, zwei Mal. Und es dauerte auch nicht lange, bis sich Augenzeugen meldeten, die eine Erklärung für das Verhalten des Pferdes hatten. Sein Halter habe dem Hengst auf dessen erigiertes Glied geschlagen, berichteten sie.

"Es war ein krasser Fall", betont Anke Stegemann. Die stellvertretende Geschäftsführerin des Reitvereins hatte das Turnier mitorganisiert.

Auf der Vorstandssitzung am Donnerstag wird der Vorfall sicher Thema sein. Und auch die Frage, ob der Reitverein von Lützow 2016 erneut seine Anlage für die Welsh Ponys zur Verfügung stellen mag.

Unbekannter sticht Pferd in den Hals FOTO: Anne Goch

Züchter und Hauptorganisator Frank Megens, der vor Ort auch als Richter im Einsatz war, stellt den Fall so dar: "Ich habe mit den Zeugen gesprochen, den Vorfall selber aber nicht gesehen. Der etwas aufgewühlte Hengst wurde offenbar mit einem Peitschenschlag unter den Bauch korrigiert. Ein bisschen stark vielleicht. Aber das Pferd wurde nicht in den Genitalbereich geschlagen."

Megens‘ Aussage steht im Widerspruch zu den Beobachtungen der Umstehenden. Und lässt sich vielleicht mit der Funktion von Megens als Organisator erklären. Er ist nämlich mit dem Show-Tag in Borghees sehr zufrieden und möchte ihn wohl gerne wiederholen. "Ich gehe auf den Verein zu, um das zu klären. Wir wollen unsere Show sauber halten. Es soll doch ein Spaß für alle sein. Auch für die Pferde", sagt er.

Bei Facebook posteten gestern Tierfreunde, Teilnehmer der Veranstaltung und auch Reiter ihre Meinung zu dem Vorfall. Dass diese Art von Bestrafung eines Tieres absolut nicht akzeptabel ist, war einhellige Meinung.

Korschenbroich: Unbekannte schneiden Pferden Schweif ab FOTO: Ilgner

Es gab auch Stimmen, die wiedergeben, was Reiter ärgert: Dass es bei Turnieren immer wieder Halter von Pferden gibt, die ihre Tiere schlagen und durch aggressives Verhalten auffallen.

Und aggressiv war auch der Züchter in Borghees gegenüber den Menschen, die ihn zur Rede stellen wollten. Als sich eine junge Frau empört an den Halter wandte und ihn mit deutlichen Worten aufforderte, das Tier nicht zu quälen, baute er sich vor der Frau auf und wies sie in harschen Worten zurecht. Das Pferd habe zu hören, er sorge dafür, dass das geschehe.

Die Frau fühlte sich von dem Verhalten des Mannes bedroht, der den Abstand zu ihr während des Wortwechsels auch noch verringerte. Erst das Eingreifen eines anderen Mannes beendete den Vorfall. Er forderte den Mann auf, sich respektvoll zu benehmen.

Der Niederländer entfernte sich darauf hin mit dem Tier vom Ort des Geschehens und nahm an den weiteren Wettbewerbsvorführungen der Schau teil.

Für Verbitterung sorgte in diesem Zusammenhang die Nachricht, dass der Mann mit seinem Pferd später auch noch eine Auszeichnung erhalten haben soll.

(Miry/hg)
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