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Emmerich
Emmericher Olympioniken

Emmerich: Emmericher Olympioniken
Hein Driessen hat Olympia-Plakate aufbewahrt. Rechts: die Voltigiergruppe beim Auftritt in München FOTO: rp-Archiv
Emmerich. Morgen enden die Olympischen Spiele in Rio. Vor 44 Jahren sorgten etliche Emmericher dafür, dass die Spiele von München auch einen niederrheinischen Stempel trugen. Von Markus Balser

Wer an die Olympischen Spiele denkt, dem kommt nicht zwangsläufig der Name Hein Driessen in den Sinn. Könnte es aber, denn der Emmericher Künstler stand 1972 im Dienste der Olympischen Idee. Bei den Spielen von München gehörte er zu jenen Betreuern, die sich um die "Jugend der Welt" kümmern sollten. Im Schwarzwald bei Todtmoos war es Driessens Aufgabe, im Vorfeld von Olympia ein dreimonatiges Begegnungslager mit polnischen Jugendlichen zu organisieren. Die Deutsche Gesellschaft für Internationalen Jugendaustausch hatte ihn sogar zum Teamleiter bestimmt. Ein großes Ereignis: Immerhin kamen insgesamt 20.000 junge Menschen zusammen. "Das war eine tolle Zeit", erinnert sich Hein Driessen, denn das Ost-West-Verhältnis war zu dieser Zeit ja nicht gerade das Beste. Der Emmericher Künstler brachte junge Menschen zusammen und half, Grenzen zu überwinden - mit Kunstaktionen, versteht sich.

"Mit den Polen haben wir zusammen Ausstellungen organisiert. Sie hatten vor allem grafisch sehr schön gestaltete Plakate", weiß Driessen noch heute. Lose bestehen die damals aufgebauten Kontakte immer noch. Auch hatte der Emmericher am "Weltwegweiser" mitgearbeitet, der in München anzeigte, wie weit es von dort zu anderen Plätzen in der Welt war. Zu den Höhepunkten zählte aber auch Driessens eigene Olympiateilnahme: Denn als Teamleiter wurde er zur Eröffnungsfeier der Spiele eingeladen und konnte sogar mit dem damaligen Innenminister Hans-Dietrich Genscher anstoßen.

Aber auch am letzten Tag der Spiele von München gab es eine Emmericher Beteiligung: Die Voltigiergruppe des Reitervereins "von Lützow" sollte zum Ende des Athletenfests mit vier weiteren Gruppen die Olympischen Ringe im Stadion darstellen. Ein knappes Dutzend Mädchen aus Emmerich, Elten und Rees im Alter zwischen zehn und 16 Jahren, damals amtierende Deutsche Meister, waren dabei.

Dass das ZDF den Einzug der Voltigiermädchen vom Niederrhein übertragen sollte, hatte schon im Vorfeld für freudige Aufregung gesorgt. Immerhin: Das Olympiastadion war mit 80.000 Zuschauern bis auf den letzten Platz ausverkauft, und die halbe Welt würde vorm Fernseher sitzen. "Achten Sie auf den Olympischen Ring am oberen linken Bildrand. Das werden unsere Mädchen sein", kündigte die RP ihren Lesern an. Und für den modern ausgestatteten Haushalt wurde ergänzt: "Wer einen Farbfernseher hat, soll sich auf den blauen Ring konzentrieren."

"Hasso", das treue Voltigierpferd, war schon vorher nach München gebracht worden. In der Reiterkampfstätte Riem konnten die Mädchen dann proben und erhielten dort sogar Besuch von Prinz Philip von England und Prinzessin Anne.

Als es dann endlich soweit war, müssen die Straßen in Emmerich und Rees wie leer gefegt gewesen sein. Vom damaligen Reeser Bürgermeister Josef Tasch ist überliefert, dass er schnell wie weiland Alwin Schockemöhle mit den Ratsmitgliedern durch eine Sitzung "galoppierte", um noch ja rechtzeitig vorm Fernseher sitzen zu können.

Doch dann die Enttäuschung: Der Sender blendete sich ausgerechnet in dem Moment aus der Übertragung aus, als die Voltigiermädchen ins Stadion kommen sollten. "ZDF unterschlug uns den Auftritt", titelte die RP am nächsten Tag, und auch Robert Lörcks, der damalige Vorsitzende des Reitvereins, konnte es nicht fassen: "Das können die uns doch nicht antun."

Von der Empörung daheim bekamen die Mädchen nichts mit. Ihre achtminütige Kür wurde im Stadion bejubelt. Eine Erfahrung, die allen Beteiligten im Gedächtnis blieb und zeigt: dabei sein ist alles - und in jedem Fall mehr wert als eine Fernsehübertragung.

Quelle: RP
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