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Emmerich
Endlich: Joos van Cleve in Kleve

Emmerich. Joos van Cleve gehört zu den bedeutendsten Renaissance-Malern Nordeuropas. Er verband flämische Maltradition mit der Norditaliens. Prof. Kunde ließ das von Guido de Werd ersteigerte Bild "Hieronymus im Gehäuse" restaurieren. Von Matthias Grass

Das Bild war in einem bedauernswerten Zustand: Zerfressen die Farbschichten, beschädigt die hölzerne Tafel auf die es gemalt worden war. Doch unter den Blessuren verbarg sich ein schönes Bild, ein kleiner Schatz für Kleve. Die Tafel wurde unerkannt auf einer Versteigerung des Notarishuis in Arnheim angeboten. "Es war im Katalog ohne Alters- oder Künstlerangabe als "Vadertje Tijd" umschrieben", erinnert sich Kleves ehemaliger Museumsdirektor Guido de Werd, der das Tafelbild entdeckt hatte.

"Vater Zeit" war kein anderer als der Heilige Hieronymus - ein im 16. Jahrhundert sehr beliebtes Motiv. Dürer malte es und aus der Werkstatt des Joos van Cleve sind 13 verschiedene Variationen bekannt. Eine davon gehört jetzt Kleve. "Ikonografisch geht eine große Reihe von Wiederholungen auf den Prototyp von Joos van Cleve zurück, aber auch andere Maler haben sich damit beschäftigt, wie Marinus van Reymerswaele" erklärt de Werd, der erkannt hatte, dass dieses Bild aus der Schule des Joos van Cleve stammt. Ihm war schnell klar, dass das Bild eine Lücke in der Klever Sammlung schließen würde: "Ich habe das Bild damals 2011 mit Hilfe des Freundeskreises gekauft, weil wir nie einen Joos van Cleve kaufen konnten und ich es wichtig fand, dass etwas von seinem bedeutenden Wirken im Museum der Stadt Kleve vorhanden sein sollte", erinnert sich der Kunsthistoriker. Kurz nach dem Ankauf übergab de Werd den Staffelstab des Direktors an seinen Nachfolger Prof. Harald Kunde. Als er den Hieronymus im Bestandskatalog sah, war für Kunde sofort klar: "Das Bild gehört prominent in die von mir neu eingerichtete Schau der Sammlung". Van Cleve gilt nämlich als "Leonardo des Nordens" und endlich, endlich konnte Kleve den bedeutenden Maler des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Renaissance präsentieren. Van Cleves meisterliche Kompositionen greifen Stil und Motive Leonardo da Vincis (1452-1519) auf. Landschaftlich und farblich sind van Cleves Motive flämisch, die weiche Modellierung der Gesichter mit Hilfe braun-grauer Schattierungen ist dagegen der Technik Leonardos geschuldet. "Mit dieser Symbiose wurde Joos van Cleve nicht nur der wichtigste Vertreter des Leonardo-Stils im Norden, er trug maßgeblich zur rasanten Verbreitung der stilistischen Elemente italienischer Renaissance-Malerei in der flämischen Kunst bei", wird van Cleve im Katalog einer Aachener Ausstellung beschrieben.

Doch als Kunde die Bild-Tafel im Depot ansah, wurde er bitter enttäuscht: es war noch nicht restauriert, er konnte es noch nicht in die Präsentation einbinden. "Wir haben sofort die Restaurierung organisiert", blickt er zurück. Unterstützt von der Kulturstiftung der Länder und der Stadt wurde die Aufgabe an die Restauratorin Marita Schlüter vergeben, die das knapp 40 auf 30 Zentimeter große Bild unter ihre Fittiche nahm. Jetzt erstrahlt der Hieronymus wieder in neuem Glanz. "Es ist schon beachtlich, wie gut das teils zerfressene Bild restauriert worden ist", sagt Kunde.

Das Bild zeigt den Kirchenvater Hieronymus, der 340 in Rom auch Cicero und Plato studiert haben soll, und später in Bethlehem ein Kloster und eine Schule gründete. Er übersetzte die Bibel und gilt als einer der wichtigen Kirchenlehrer. 420 stirbt der Heilige in Bethlehem.

Im 15. Jahrhundert kommt die Legende auf, dass Hieronymus als Kardinal sieben Sprachen beherrschte, allezeit las und schrieb und sein Leben als Gelehrter verzehrte. Dürer kombinierte die Löwenlegende (Hieronymus zieht einem hinkenden Löwen einen Dorn aus der Tatze) 1491 mit dem Studierzimmer, 1514 folgt Dürers berühmter Kupferstich von "Hieronymus im Gehäus". Kein Geringerer als Lukas Cranach nahm 1525/26 das Motiv auf, 1521 malte Joos van Cleve seinen "Hieronymus im Gehäus". Es gibt Bildnisse mit und ohne Löwe.

Das Klever Bild kommt ohne das Raubtier aus und konzentriert sich ganz auf den Vergänglichkeits(Vanitas)-Gedanken. Hieronymus ist im roten Kardinalsmantel gekleidet, hat den Kopf in die rechte Hand gestützt, der Kardinalshut liegt auf einem schweren Holztisch. Der Zeigefinger der linken Hand weist nachdenklich auf einen Totenschädel, im Hintergrund zählt eine kostbar verzierte Uhr die Zeit ab. Vor ihm auf dem Tisch liegt ein Buch, daneben steht eine abgebrannte Kerze - weiteres Zeichen für die Endlichkeit des Lebens. Daran erinnert auch die Textzeile an der Wand: "Gedenke an dein Ende und du wirst nicht sündigen". In einem Bord rechts oberhalb des Gelehrten liegen mehrere Bücher, Zettel lugen zwischen den Seiten hervor.

Das Bild, das zur Schule des Joos gerechnet wird, ist eine Bereicherung der Klever Sammlung.

Quelle: RP
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