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Rees
Erinnerung an dunkelstes Kapitel

Rees: Erinnerung an dunkelstes Kapitel
Bürgermeister Christoph Gerwers (r.) fand während seiner Rede nachdenkliche Zuhörer. FOTO: Michael Scholten
Rees. Gestern wurde der niederländischen Zwangsarbeiter gedacht, die 1944/45 in Arbeitslagern auf Reeser Stadtgebiet litten und starben. Bürgermeister Christoph Gerwers zog Parallelen zu der aktuell aufkeimenden Fremdenfeindlichkeit. Von Michael Scholten

Bürger und Besucher der Stadt Rees erinnerten bei einer Gedenkfeier an die niederländischen Zwangsarbeiter, die im Winter 1944/45 in Arbeitslagern auf Reeser Stadtgebiet litten und starben, sowie an die jüdischen Mitbürger, die zwischen 1933 und 1945 verfolgt und ermordet wurden. Bürgermeister Christoph Gerwers zog Parallelen zwischen dem "dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte" und der aktuell aufkeimenden Fremdenfeindlichkeit, mit der einige Menschen auf die Flüchtlinge in Deutschland und anderen Teilen Europas reagieren. "Die heutige Gedenkveranstaltung ist wichtiger denn je, um die Bedeutung von Demokratie, Freiheit, Menschlichkeit und Nächstenliebe zu unterstreichen", sagte Gerwers.

Auch Steven de Vreeze, stellvertretender Bürgermeister der niederländischen Gemeinde Oude Ijselstreek, forderte: "Was damals geschehen ist, soll eine Lehre für uns alle und für unsere Kinder sein. Das ist die Garantie für einen dauerhaften Frieden."

Arend Disberg von der "Stichting Dwangarbeiders Apeldoorn" erinnerte an das Schicksal der mehr als 3000 niederländischen Zwangsarbeiter, die ab Dezember 1944 für Schanzarbeiten in Rees herangezogen wurden. In den unzureichenden Lagern in Groin und Bienen starb jeder Zehnte an Kälte, Hunger, Krankheit und Erschöpfung. "Früher wäre es nicht denkbar gewesen, dass Deutsche und Niederländer hier gemeinsam der Opfer gedenken", sagte Disberg. Er lud die Reeser zum Gegenbesuch ins Rathaus Apeldorn ein. Dort beginnt am 27. November um 13 Uhr die jährliche Gedenkfeier für die Zwangsarbeiter. Wim Ploeg, dessen Vater am 2. Dezember 1944 als Zwangsarbeiter verschleppt wurde und tags darauf beim Transport nach Rees ums Leben kam, als Jagdbomber den Zug auf Höhe des Werther Bahnhofs beschossen, lobte die Werther Familie Hübers. Diese hätte seinen Vater und andere Schwerverletzte damals nach dem Angriff "mit viel Liebe" in ihrer Scheune gepflegt. Unlängst habe er die inzwischen 80-jährige Schwiegertochter der Helfer getroffen, um ihr für den damaligen Einsatz der Familie Hübers zu danken. Ploeg regte an, in Werth eine Infotafel für die tragischen Ereignisse des Winters 1944 zu installieren.

Der Reeser Bernhard Schäfer sprach das jüdische Totengebet Kaddisch, Pastor Norbert Stephan und Pastoralreferent Ludger Dahmen beteten mit allen Gästen das "Vater unser", bevor die Vertreter der Gemeinden, Vereine und Stiftungen Kränze niederlegten. Beim Zusammensein im Kolpinghaus referierte Bernhard Schäfer später über das Leben und die Flucht der jüdischen Familie Sanders aus Rees. Er erinnerte an den "Pogrommorgen" am 10. November 1938, der das Ende der Reeser Synagoge und des jüdischen Lebens in der Rheinstadt besiegelte.

Quelle: RP
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