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Emmerich
Erinnerungen an Mutter Teresa

Emmerich. Am 4. September wird die Ordensschwester heilig gesprochen. Der ehemalige Wallfahrtsrektor Richard Schulte-Staade erinnert sich an die Begegnung mit ihr. In Millingen lebte ein junger Mann, der von Mutter Teresa aufgenommen wurde. Von Bianca Mokwa und Sebastian Latzel

Die Begegnung wird Pastor Richard Schulte-Staade seinen Lebtag nicht vergessen. Diese Frau hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es war im September 1987, als er in Kevelaer auf Mutter Teresa traf. Anlass war der Marianisch-Mariologische Weltkongress. "Ich habe mich lange bemüht, den nach Kevelaer zu kriegen. Man muss auch jemanden haben, den man nicht überall findet", sagt der damalige Wallfahrtsrektor über den Wunsch, Mutter Teresa in Kevelaer begrüßen zu können. Das klappte dann auch.

In wenigen Tagen soll die 1997 verstorbene Ordensschwester in Rom heilig gesprochen werden. Spuren am Niederrhein hat sie viele hinterlassen. Etwa bei Christopher Pellengar, der einige Zeit in Rees-Millingen wohnte. Als Baby wurde er von seiner Mutter im Kinderheim der Missionaries of Charity in Kalkutta abgeben.

Dass seine Mutter ihn damals zum Kinderheim brachte und damit eine neue Lebens-Chance gab, war aus Sicht von Christopher Pellengar eine göttliche Fügung. Eine deutsche Apothekerin adoptierte ihn im Alter von vier Jahren. So kam er nach Deutschland und später nach Rees. Eigentlich sollte er in eine Familie nach England kommen, aber Mutter Teresa selbst war es gewesen, die sich dafür ausgesprochen hatte, dass er nach Deutschland kam. Er hatte immer Kontakt zum Orden von Mutter Teresa, und die Zeit mit den Schwestern hatte in tief geprägt - vor allem eben die Begegnungen mit Mutter Teresa. "Jeder Mensch hat eigentlich von Gott die Fähigkeit bekommen, seinen Weg zu gehen. Sie hat das wirklich getan und ist ihrer Berufung gefolgt", hatte Pellengar seinerzeit im RP-Interview gesagt. Ihn hatte im Jahr 2003 sehr gefreut, dass Mutter Teresa selig gesprochen wurde. Er war aber sicher, dass die Ordensfrau so bescheiden gewesen ist, dass sie die Seligsprechung gar nicht gewollt hätte.

In Kevelaer erinnert noch einiges an Mutter Teresa. Auf der ersten Bank in der Basilika ist ein kleines Schild angebracht. Das erinnert an die Worte, die sich wie eine Legende um ihren Besuch in Kevelaer ranken. Als Wallfahrtsrektor hatte Schulte-Staade für ein umfangreiches Programm gesorgt. "Es blieb gerade Zeit zum Mittagessen", beschreibt er die enge Taktung. "Dann ließ mich Mutter Teresa rufen." Und alles wurde über den Haufen geworfen. "Sie korrigierte mich", erinnert sich der ehemalige Wallfahrtsrektor. "You forget, I need my meeting with my Lord", sagte die Ordensfrau zu ihm. "Ich brauche Zeit mit meinem Herrn." Sie erklärte es ihm. "Ohne Beten wird das sonst hohles Tun." Das Schild an der Kirchenbank in der Basilika erinnert an den denkwürdigen Satz, den sich Schulte-Staade selbst immer wieder ins Gedächtnis ruft. "Sie hat in aller Einfachheit neue Wege beschritten", beschreibt der ehemalige Kevelaerer, der jetzt in Wesel lebt, das Tun der Ordensschwester, ihre völlige Hinwendung zu den Armen. "Das war ihre Lebenskonsequenz, wenn man das Evangelium leben will." Wenn er über sie spricht, dann erinnert er sich an ihren "Blick, aus dem nur Verständnis sprach". Eine ganz kleine Person sei sie gewesen. Ihre krumme Haltung, eine Hinwendung zu den Armen.

In der Kevelaerer Beichtkapelle ist eine Reliquie von ihr ausgestellt, erklärt Schulte-Staade. Vorne links, neben der Madonna, ist ein Stück ihres Schleiers ausgelegt. Die typischen blau-weißen Farben ihres Ordens sind zu erkennen. Gerne würde Schulte-Staade unmittelbar dabei sein, wenn Mutter Teresa am 4. September heilig gesprochen wird. "Aber mit 85 Jahren ist das zu gewagt", sagt er - so ganz ohne Sitzplatz in der großen Menschenmenge auf dem Petersplatz.

Quelle: RP
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