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Emmerich
Fantasiefiguren und Ameisenstraßen

Emmerich. Sechs Künstler stellen momentan im Kunstverein "Projektraum25" an der Bahnhofstraße in Kleve ihre Werke aus, die alle eines gemeinsam haben: Sie arbeiten grafisch oder zeichnerisch. Von Matthias Grass

Wie tiefschwarze Löcher liegen die ovalen dunklen Farbflächen auf dem Blatt. Sie sind umgeben von einer samttonigen Aura, die flimmernd um das tiefe Schwarz liegt. Fein sind die dunklen Flächen aufs Blatt verteilt, geben ihm Gewicht und Tiefe - überhaupt ziehen diese schwarzen Ovale magisch in ihr dunkles Nichts, als zögen sie irgendwo in den Weiten des Alls alle Materie in sich ein.

Die minimalistischen Blätter Carolin Koenders stehen zentral im zweiten Saal des Kunstvereins Bahnhof25. Die drei Projektraum-Organisatoren um Elisabeth Schink haben sechs Künstler eingeladen, die alle eins gemeinsam haben: Sie arbeiten grafisch oder zeichnerisch.

Gleich neben Koenders Arbeiten hat Patrick Mangnus, Dozent in Enschede, eine Raumecke mit Digital-Drucken eingerichtet, die gleichberechtigt neben Holzschnitten und collageartigen Zeichnungen hängen. Es ist der verwischte, schemenhafte Blick auf eine Industriewelt, auf Fördertürme und Stollen, auf Industrieanlagen, auf Gesichter von Menschen, die Atemschutzgeräte aus längst vergangener Zeit tragen.

Begrüßt wird der Besucher des Projektraums an der Bahnhofstraße 25 von einem Band "krabbelnder" Ameisen, die Marco Henkenjohann auf einen langen Papierstreifen gesetzt hat. Ein Raport von sechs Ameisen als Linoldrucke wird ins schier Endlose vervielfältigt und zieht sich als Ameisenstraße durch alle Räume des Kunstvereins. Die Ameisen und die kleinen Drucke der Insekten blicken auf die großen Frauen des Kölner Künstlers Werner Reuber. Seine Drucke sind Unikate, werden nur einmal von der Platte abgezogen. In Kleve zeigt er ernste, schlanke Frauen auf hohen Formaten. Seine Druckstöcke sind unterschiedlich eingefärbt und werden in einem einzigen Druckvorgang abgezogen. Die Druckstöcke stammen aus Abbruchhäusern, waren einmal Schrankrückwände, Linoleumböden.

Die Ameisenstraße führt auch in den hinteren Raum, in dem Brigitte Gmachreich-Jünemann neue Arbeiten präsentiert. Ihre schmalen Querformate zeigen Farb-Quadrate, denen reliefartig ein anderes Papier gegenübergestellt wurde - gegen das leuchtende Gold des Quadrates liegt ein gleich großes Quadrat Büttenpapier mit horizontalen Linien wie Spiegelungen auf dem Wasser. Diesen schmalen kleinformatigen Blättern hängte sie einen Grafik-Teppich gegenüber, dessen überlappende längliche Rechtecke mit schwarzen Gravuren einen tiefblauen Untergrund freigeben, wenn sie sich im Luftzug bewegen.

Bleiben im vierten Raum jene narrativen Bilder der Haldenerin Astrid Feuser mit ihren Schimären: Affen mit Menschenköpfen, Menschen mit Affenköpfen oder Klauen, Tiere mit Menschenhänden, Bienenköniginnen. "3 extrem gefährliche Mutanten die putzig aussehen es aber faustdick hinter den Ohren haben" heißt beispielsweise ein Blatt mit drei Schimären. "Ich lasse der Fantasie freien Lauf, der Kreativität, wenn ich mich ans Zeichnen setzen", sagt Feuser und füllt ihre Bilder mit überbordenden Geschichten dieser Fantasiefiguren.

Geöffnet Sa. und So. 13 bis 17 Uhr. Bis 13. November.

Quelle: RP
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