| 00.00 Uhr

Emmerich
Farbgewitter hinter Glas

Emmerich. Ein neuer Kunstband stellt Arbeiten des Klever Künstlers Wilfried Grootens vor - eine farbenprächtige, gläserne Welt. Von Matthias Grass

Wilfried Grootens ist nicht nur Glasmaler: Seit Jahren hat der Künstler das Flachglas verlassen, schafft gläserne Kuben, in denen seine abstrakten Figuren zu leben scheinen - schwebend wie unter Wasser, leuchtend wie Anemonen in der Südsee oder plustrig leicht wie eine gerade in der Bewegung eingefangene Pusteblume. Im Gegenlicht gibt's regelrechte Farbexplosionen, wenn die Tentakel der Anemone oder die weißen Flugsamen der Pusteblumen fluoreszierend leuchten und mit der Leichtigkeit des Seins gleich ihr gläsernes Gefängnis verlassen zu scheinen. Doch sie sind fest verankert in diesem gläsernen Würfel.

Wilfried Grootens ist auch Glasmaler: Mit feinem Pinsel bemalt er das Flachglas vor ihm auf dem Schreibtisch. Die Lesebrille tief unten auf der Nase, setzt er konzentriert Punkte und Linien, Striche auf das Glas. Scheibe für Scheibe. Diese vier bis sieben Millimeter dicken Glasscheiden werden aufeinandergesetzt, verklebt, geschliffen, poliert und zu kubischen Kunstwerken, wenn aus den Strichen und Punkten so räumliche Figuren im Inneren der Würfel werden.

Einen Blick auf diese Arbeiten gibt jetzt ein neuer Band über den in Kleve arbeitenden Glaskünstler. Das Buch zeigt in vielen Fotos nicht nur die Kunst, sondern auch die Gegensätze von der Ruhe des stillen Glasmalers im "Atelier" beim Haus am Deich und der "groberen" Arbeit wie Zuschnitt oder Schleifen der Gläser in seinem Atelier in der Klever Bensdorp. 1954 in Uedem geboren, lernte Grootens ganz klassisch die Glasmalerei bei Derix in Kevelaer, machte seinen Meister und hat seit 1989 in der Klever Bensdorp-Kakao-Fabrik sein Atelier - gleich neben dem Stahlbildhauer Günther Zins, der den Strich vom Papier erlöste und im Raum minimalistische Zeichnungen schuf.

Bei Grootens sind die äußeren Formen minimalistisch - einfache Würfel, geschwungene Scheiben. Doch drinnen in den kantigen Kuben können die Farben und Formen überborden oder wie eingefangene Nordlichter wirken. Die Technik erlaubt aber auch, dass dieses Licht- und Farbengewitter verschwindet, wenn man den Würfel um 90 Grad dreht und nur auf die Schnittkanten der einzelnen Glasschichten blickt.

"Mit ihr führt Wilfried Grootens die Glasmalerei in eine neue Dimension", schreibt Sven Hauschke im jetzt über den Klever Glaskünstler erschienenen Buch. Das zeigt auch die fantastischen Arbeiten aus der Serie "Where the Shark Bubbles Blow" mit den Luftblasen des Hais, an deren Beginn Grootens 2011 den Staatspreis NRW bekam.

Where the Shark Bubbles Blow. Kunstbuch, 72 Seiten. 46 Euro.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Emmerich: Farbgewitter hinter Glas


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.