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Emmerich
FASD: Gregor Hötzel mit neuer Selbsthilfe

Emmerich: FASD: Gregor Hötzel mit neuer Selbsthilfe
Gregor Hötzel zeigt den Erste-Hilfe-Koffer, der vor allem Bilderklärungen für die Kinder liefert. FOTO: Tholi
Emmerich. Trinkt die Mutter in der Schwangerschaft Alkohol, hinterlässt dies oft bleibende Schäden bei den Kindern. Diagnose: FASD.

Schon mal was von FASD gehört? Nicht? So geht es vielen. Fetal Alcohol Spectrum Disorder ist der Überbegriff für das Fetale Alkoholsyndrom (FAS) und deren drei Teilkrankheiten pFAS, ARND und ARBD. Bei all diesen Krankheiten handelt es sich um Folgen des Alkoholkonsums von Schwangeren, deren Kinder ihre Leben lang darunter leiden müssen. Obwohl im Jahr bundesweit rund 4000 Kinder (plus Dunkelziffer) mit so einer Krankheit geboren werden, weiß kaum jemand davon.

Der Eltener Gregor Hötzel startet eine neue FASD-Selbsthilfegruppe. Er und seine Frau Pamela haben zwei Pflege- und Adoptivkinder, bei denen unabhängig voneinander FASD diagnostiziert wurde.

Sie haben viele Hürden überwinden müssen und standen mit ihren Herausforderungen oft alleine da. Sehr gerne würden sie sich mit anderen Austauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Womöglich ahnen viele Eltern noch gar nicht, dass auch ihr Kind betroffen sein könnte.

Als die Hötzels Anfang 2011 ihren ersten Pflegesohn bekamen, bemerkten sie es schon: "Er war sehr dünn, zierlich, der Kopf war recht klein, er war sehr unruhig, schreckhaft, nahm wenig Nahrung zu sich", schildert Gregor Hötzel. "Je älter er wurde, desto mehr fiel es uns auf", ergänzt Pamela Hötzel. Der Klever Kinderarzt Dr. Wolfgang Aschenbrenner war zum Glück sensibilisiert und meinte: Es könnte FASD sein. Meist werden Kinder mit diesen Symptomen in die ADHS-Ecke geschoben: Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom.

Der Alkoholkonsum der Mutter erzeugt irreparable Hirnschäden. "Das Kind kann Informationen nicht verarbeiten, wiederholen und umsetzen", schildert Gregor Hötzel. So ist es auch bei einem ihrer Jungs: "Dass er nicht über die Straße rennen soll, weil ein Auto kommen könnte, manchmal kapiert er es, manchmal nicht."

Einfache Dinge wie das tägliche Händewaschen klappen oft nur, weil an der Wand Bilder hängen, die es Schritt für Schritt erklären. Wenn ihm beim Anziehen nicht einfällt, dass er vorher den Schlafanzug ausziehen soll, dann könnte es wortwörtlich ein heißer Tag werden. Je älter sie werden, desto mehr begreifen diese Kinder, dass sie es nicht hinkriegen.

Wenn einer der Hötzel-Jungs den täglichen Gang zum Kindergarten in Elten nicht schafft, ist er frustriert. "Orientierung ist für ihn ganz schwer", verrät Pamela Hötzel. FASD-Kinder sind zwar schwerbehindert, nicht automatisch dumm.

Typisch für diese Kinder ist eine geringe Geduld. Sie flippen aus, wenn es nicht so klappt, wie wollen. Sie lassen sich schnell ablenken, sind immer laut, klettern überall hoch, ohne Gefahren zu erkennen, empfinden wenig Schmerz, können Konsequenzen nicht abschätzen. Die Hötzels sind froh, wenn die Jungs fürs Kindergartenfoto mal keine Beulen am Kopf haben. Sie seien fröhlich und lieb, aber ohne Medikamente, die sie ruhiger machen, werden sie die Schulbank kaum drücken können.

Für die Eltern ist der stressige Alltag kein leichter. Mit der Selbsthilfegruppe (SHG) möchte Gregor Hötzel auch die Öffentlichkeit sensibilisieren. Und er sagt: "FASD ist zu 100 Prozent vermeidbar. Einfach in der Schwangerschaft keinen Alkohol trinken!"

(mavi)
 
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