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Rees
Festival: Hochkaräter gleich am ersten Tag

Haldern Pop Festival 2016 - Fans reisen an
Rees. Gelungener Auftakt in Haldern: Auftritte mit Gänsehaut-Atmosphäre in gab's in der Kirche, im Spiegelzelt und auf der Hauptbühne. Von Julius Brüntink

Während am Duisburger Hauptbahnhof die ersten Selfies mit Bierdose und Campingrucksack geknipst werden, herrscht am alten Reitplatz das übliche Treiben: Die Autokaravane rollt im Schritttempo gen Campingwiese, Festivalpässe werden an Künstler und Presse vergeben und überhaupt ist das Lindendorf bevölkert von hunderten Musikfans. Die Besucher setzen sich Haldern-typisch sehr vielfältig zusammen: Junge Eltern, Neo-Hippies und Pop-Veteranen sind nur ein kleiner Bruchteil des Publikums.

Gemeinsam ist allen ein Gefühl der Vorfreude auf das 33. Haldern Pop Festival. Dazu mischt sich gespannte Neugierde hinsichtlich der kommenden drei Tage. Denn eines ist allen klar: Das Haldern Pop ist definitiv kein Jagdgrund für popmusikalische Schnäppchenjäger, die auf einen Schlag alle Hype-Acts der Saison mitnehmen wollen.

Übersicht: Diese Künstler treten auf

Die Veranstalter hatten in den vorab veröffentlichten Filmclips keine Sensation parat, stattdessen wird die ambitionierte Strategie der letzten Jahre verfolgt. Ein sorgfältig kuriertes Lineup bietet einen Gegenpol zu den Festival-Mitbewerben in einem durch Internetkultur beschleunigten Indie-Zirkus.

Als dann die ersten lateinischen Verse der Gesangssolistin Gabriele Natrop-Kepser in der St. Georg-Kirche erklingen, wird der Pop-Gemeinde klar, dass ein einzigartiges Wochenende vor ihnen liegt. Heiner Frost, Komponist und gebürtiger Halderner, erntete großen Applaus für seine schwerelose Interpretation des "Magnificat". Mit seiner Frau Anja Speh (Klavier), Esther-Marie Verbücheln und Henning Schmeling (Violine), den Geschwistern Britta und Ole Hansen (Bratsche/Cello) sowie Boris Fisser am Kontrabass verfügte er über eine hervorragende Instrumentalsektion. Die alten Bekannten vom Berliner Chor "Cantus Domus" (Leitung: Ralf Sochaczewski) unterstützen Frosts Ensemble bei jenem Stück, dass den Lobgesang Marias anlässlich der nahenden Geburt Jesu vertont.

Frost, der Komposition bei Robert Schumann studiert hat, wurde allerdings zügig von der Sängerin "ALAN.NI" abgelöst. Die Sängerin schwelgte in der sakralen Atmosphäre und entzündete zunächst ein paar Kerzen, ihr jazziger Scat-Gesang bot allerdings einen deutlichen Kontrast zu den mysthisch-verhaltenen Klängen der Vorgänger, die nach einer knappen Viertelstunde die Bühne räumten. Fast zeitgleich spielten "Whitney" im Spiegelzelt ihren ohrwurmigen Country-Soul. Die sechsköpfige Band um den singenden Schlagzeuger Julien Ehrlich eröffnete ihre Europa-Tournee mit der selben Spielfreude, die sie schon bei ihrem Konzert in der Pop Bar an den Tag legten.

Tolle Atmosphäre in der St.-Georg-Kirche: Die Fans saßen teilweise auf dem Boden. FOTO: Thomas Binn

Doro und Theresa aus Köln machten sich nach dem Kirchenauftritt der aufstrebenden Sängerin "Cloves" auf dem Weg zum Tonstudio Keusgen: "Wir versuchen, das Exklusiv- Konzert von Giant Rooks zu sehen."

Das Regenwetter konnte den gut gerüsteten Haldern-Fans wenig anhaben. Für Erstaunen sorgte nur die ein oder andere Planänderung. Nach einem alkoholgeschwängerten Twitter-Post von "Frightened Rabbit"-Frontmann Scott Hutchison fällt der Auftritt seiner Band erstmal flach. Samm Henshaw verlegte seinen Gig aus "technischen Gründen" von der Kirche in die Pop Bar, die österreichische Sängerin "Soap and Skin" blieb dem Festival aus selbigem Grund gleich vollständig fern.

Zum Trost wurde die Hauptbühne in diesem Jahr bereits gestern geöffnet: Mit "Heißkalt", "Jack Garratt" und "Damien Rice" gab es schon am ersten Tag akustische Hochkaräter.

Quelle: RP
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