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Emmerich
Filmstadt: Rees wartet auf den großen Wurf

Emmerich: Filmstadt: Rees wartet auf den großen Wurf
Die Stadt Rees wirbt auch mit dem Reeser Meer. FOTO: endermann
Emmerich. Fördergelder machen aus Filmteams nicht selten einen Wanderzirkus. Rees wirbt nicht mit Geld, sondern mit der Promenade, den Kasematten und sogar dem Reeser Meer. Von Michael Scholten

Wenn Filmteams in Xanten, Kleve oder Rees die Kameras laufen lassen, dann tun sie dies nicht allein aus Liebe zum Niederrhein. Auch die Liebe zu geschenktem Geld spielt eine Rolle. 1991 gründeten die Landesregierung Nordrhein-Westfalen und der Westdeutsche Rundfunk die Filmstiftung NRW mit Sitz in Düsseldorf. Sie sollte das Bundesland zu einem attraktiven Standort für deutsche und internationale Filmproduktionen machen. Mittlerweile werden an die Kreativen jährlich circa 32 Millionen Euro ausgeschüttet, um ihre Arbeit zu unterstützen.

Ganz ohne Auflagen dürfen die Filmemacher aber nicht in die öffentlichen Geldtöpfe langen: Für jeden Euro, den sie von der Filmstiftung bekommen, müssen sie 1,50 Euro in Nordrhein-Westfalen ausgeben. Das ist der sogenannte "NRW-Effekt". Viele Projekte werden gleich von mehreren Bundesländern subventioniert, die alle den Ausbau ihrer eigenen Filmwirtschaft im Sinn haben. Die Konsequenz ist nicht selten ein bürokratisch gelenkter Wanderzirkus auf der Suche nach Geldtöpfen.

So entstand "Rennschwein Rudi Rüssel" zu großen Teilen in NRW, weil die Filmstiftung das Projekt mit 600.000 Euro förderte. Da aber auch die Filmförderung Hamburg Geld beisteuerte, musste das Feuerwehrfest, auf dem das Ferkel Rudi verlost wird, an der Elbe gedreht werden. Bei der Komödie "Dumm gelaufen" waren die Auflagen für eine Subvention durch die Filmförderung Hamburg dadurch erfüllt, dass Szenen auf der Vergnügungsmeile in St. Pauli entstanden. Um aber auch in den Genuss von 450.000 Euro aus Düsseldorf zu kommen, wurden die ländlichen Abenteuer des holsteinischen Jungbauern in der platten Niederrhein-Landschaft um Xanten gedreht.

Der vom Disney-Konzern produzierte Märchenfilm "Der Prinz und der Prügelknabe" sollte eine reine US-Produktion werden. Die Amerikaner bekamen aber das Budget von 3,5 Millionen Euro allein nicht zusammen. Die Kölner Produktionsfirma Gemini organisierte eine Million Euro von der Filmstiftung NRW und konnte so das internationale Filmteam auf die Wasserburg Anholt locken. Auch "Das unbezähmbare Herz" und "Aschenputtel" reisten dank der Filmstiftung NRW nach Anholt, und natürlich nahmen auch die Regisseure Christian Görlitz ("Der kleine Vampir", "Das Böse") und Dominik Graf ("Das Gelübde") gern die Fördergelder aus Düsseldorf entgegen.

Auf der Internetseite und in den Katalogen der Filmstiftung NRW tauchen aktuell nur Rees und Kevelaer als offizielle Filmstädte im Kreis Kleve auf. Wer sich um diesen Titel bewirbt, muss nicht zwingend große Filme nachweisen, die dort schon gedreht wurden. Es reicht, die Kommission durch bildstarke Motive zu überzeugen und etwaigen Filmteams jede Art von Unterstützung zuzusagen. Auf "http://www.locationnrw.de/" lockt Kevelaer mit seinen Den-Heyberg-Bunkern, dem Arche-Noah-Brunnen, dem Kapellenplatz und 200 denkmalgeschützten Häusern, Rees will mit Fotos der Rheinpromenade, der Kasematten, der Rheinbrücke und sogar mit dem Morgennebel am Reeser Meer punkten. Ansprechpartner auf Reeser Seite ist Kulturamtsleiter Ludger Beltermann, der weiterhin auf den ganz großen Wurf in Sachen Kino wartet. Dass Rees Filmemachern tolle Motive und große Hilfe bietet, hat schon der Bocholter Amateurfilmer David Lensing erfahren, der 2012 fast alle Außenaufnahmen seines Dramas "Jakobs Weg" in Rees drehte, unter anderem in der Innenstadt, auf dem Sportplatz des SV Rees und auf der "Rääße Pöntje". Auch für die WDR-Kochshow "Lichters Schnitzeljagd" durfte Protagonist Horst Lichter 2013 problemlos mit seinem roten Motorrad samt Beiwagen über die Reeser Rheinpromenade und durch den Skulpturenpark fahren und auf dem Traberhof Scholl in Mehr mit Hausherr Andreas Scholl einen Hasen zubereiten. Auch die Vox-Show "Das perfekte Dinner", an dem Kerstin Hofman 2014 als Kandidatin teilnahm, kam Rees gut weg, auch als das Rheinpark Hotel 2015 an der Vox-Reihe "Mein himmlisches Hotel" teilnahm, sah Rees auf dem Bildschirm großartig aus. Allein: Es fehlt weiterhin das große Hollywoodkino in der ältesten Stadt am Unteren Niederrhein.

Quelle: RP
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