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Hans Sterbenk
Flüchtlinge brauchen Paten und Fahrräder

Emmerich. Der Emmericher Sozialamtsleiter nimmt Stellung zur aktuellen Situation, zu Dingen die gut laufen und jenen, die besser werden können.

Die weltweiten Flüchtlingswellen zeichneten sich ja bereits seit längerem ab. War denn Anfang des Jahres auch schon absehbar, was das konkret für Emmerich bedeuten würde?

Hans Sterbenk In diesem Ausmaß sicherlich nicht. Wir hatten Anfang des Jahres 110 Flüchtlinge in Emmerich und geschätzt, dass wir bis Ende des Jahres gut 250 haben werden. Derzeit sind es 429, die uns zugewiesen wurden. Darin sind aber noch nicht die 150 enthalten, die normalerweise in der Hansahalle als Notunterkunft untergebracht sind.

Die Flüchtlinge leben ja nicht alle an einer zentralen Stelle. Dafür wurden auch private Unterkünfte in ganz Emmerich von der Stadt angemietet. Gestaltete sich das schwierig?

Sterbenk Der Fachbereich Immobilien hat dafür gut 50 Wohnungen angemietet, in denen ganze Familien oder auch Einzelpersonen untergebracht wurden. Das hat sehr gut geklappt. Wir hatten immer genügend Plätze vorrätig.

Gibt es denn bei der Unterbringung von Flüchtlingen Dinge, die man besonders beachten muss?

Sterbenk Zu allererst Religion und Staatszugehörigkeit, denn es passt eben nicht immer alles gut zusammen. Was uns aber im Zusammenhang mit der Hansahalle zunächst gar nicht so bewusst war, war die Bedeutung von Handy-Ladestationen. Davon haben wir 50 bis 60 installieren lassen und in einem zweiten Schritt für freies WLAN gesorgt. Denn Smartphones stellen für die Flüchtlinge oft die einzige Verbindung in die Heimat dar.

Es gibt in Emmerich und den Ortsteilen sehr viele Ehrenamtler, die sich für die Flüchtlinge einsetzen. Wie läuft hier die Zusammenarbeit?

Sterbenk Das ist enorm, was da geleistet wird. In der Hansahalle sind immer fünf bis sechs Leute mit Materialausgabe beschäftigt, denn die Flüchtlinge kommen ja sehr oft nur mit dem zu uns, was sie am Körper tragen. Es gibt auch viele, die sich um Deutschkurse bemühen, der Einsatz ist vielfältig und groß.

Man könnte manchmal den Eindruck haben, dass Einiges aneinander vorbeiläuft. In Rees wird der Einsatz der Ehrenamtler koordiniert.

Sterbenk Da können wir besser werden. Aber es gibt ja auch eine Stellenausschreibung für genau dieses Feld in Verbindung mit dem Thema Integration. Derzeit versuchen wir das noch im Fachbereich zu koordinieren. Die Sachgebietsleiterin Gisela Kohnen zeichnet sich hier besonders aus. Wir sind durch die Entwicklung personell sehr gebunden. Wir haben reagiert und drei Leute eingestellt, die für Betreuung für Flüchtlinge zuständig sind, und die Wohnungen für sie einrichten.

An welchen Dingen mangelt es den Flüchtlingen noch in Emmerich?

Sterbenk Wir suchen noch Paten für Familien, die den Flüchtlingen zeigen, wie Deutschland funktioniert, sie zum Beispiel bei Behördengängen begleiten. Außerdem werden noch dringend Fahrräder benötigt. Die Stadtwerkstatt im Karl-Kaster-Haus kann auch aus kaputten Fahrrädern wieder taugliche machen. Sie ist hier ein guter Anlaufpunkt.

Wie viele Flüchtlinge werden in einem Jahr in Emmerich leben?

Sterbenk Das ist schwer vorhersagbar. Ich rechne mit einer Zahl von 700 bis 750.

RP-REDAKTEUR MARKUS BALSER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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