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Emmerich
Flüchtlinge: Schlüsselzahlen sind Makulatur

Flüchtlinge in Emmerich: Schlüsselzahlen sind Makulatur
Rund 200 Bürger kamen ins Emmericher Stadttheater, um sich über die Unterbringung der Flüchtlinge zu informieren. FOTO: van Offern
Emmerich. Stadt Emmerich informierte Bürger über Situation in Notunterkünften. Kein Unterrichtsausfall durch Turnhallenbelegung. Von Monika Hartjes

384 fest zugewiesene Flüchtlinge lebten in Emmerich noch zu Beginn vergangener Woche. Seit Freitag sind es 385, weil ein Baby geboren wurde. Doch am Donnerstag kamen 147 Flüchtlinge hinzu, untergebacht in der Notunterkunft, die innerhalb von drei Tagen in der Dreifachturnhalle eingerichtet wurde. "Über diese Situation gibt es große Unsicherheit und viele Fragezeichen in der Bevölkerung", hat Bürgermeister Peter Hinze festgestellt. Deshalb lud er für Freitagabend zu einer Informationsveranstaltung ins Stadttheater ein, etwa 200 Bürger kamen.

Nach dem "Königsteiner Schlüssel" würde die Zuweisung für Emmerich insgesamt 410 Flüchtlinge betragen. Doch diese Zahl sei bereits überschritten, man sehe, dass die Schlüsselzahlen Makulatur seien, sagte Hinze. Man habe verschiedene Ideen für eine Notunterkunft gehabt, sich aber für die Turnhalle entschieden, weil hier sanitäre Anlagen vorhanden sind. "Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre das nicht zu stemmen gewesen", sagte Hinze, der sich bei allen Beteiligten bedankte. Die brauche man dringend, weil die Mitarbeiter der Verwaltung an ihre Grenzen stoßen. "Ohne weitere Stellen können wir die Arbeit auf Dauer nicht bewältigen." Schließlich müsse auch die Verwaltungsarbeit weitergehen.

"Ich kann die Sorgen und Nöte der Eltern verstehen", erklärte der Bürgermeister. Viele Fragen habe es an die Schulleitung gegeben, ob etwa der Sportunterricht ganz ausfalle. Inge Hieret-McKay, Leiterin des Willibrord-Gymnasiums, konnte die Eltern beruhigen. "Alle Kinder haben heute einen neuen Stundenplan bekommen. Die Doppelstunde Praxissport findet in den Turnhallen der Europa-, der Gesamt- oder der Realschule statt. Außerdem gibt es zusätzliche Schwimmzeiten im Embricana und Unterricht in Sport-Theorie." Somit würden keine Stunden ausfallen. Sie habe eine große Welle der Unterstützung bei Schülern und Eltern gespürt. Schüler organisieren zurzeit beispielsweise eine Kleidersammlung. "Ich bin froh, dass ich hier als Unbeteiligter sitzen darf und meine Familie nicht in der Turnhalle untergebracht ist mit einer ungewissen Zukunft", sagte ein Bürger. Das sei Grund genug, zu helfen.

Hans Sterbenk, Leiter des Sozialamtes, erklärte, dass die Flüchtlinge registriert, ärztlich untersucht, geimpft und im Willibrordspital geröntgt werden, um TBC auszuschließen. "Auch erkennungsdienstlich werden sie erfasst durch Fingerabdrücke", ergänzte Ulrich Reining, erster Polizeihauptkommissar in Emmerich, der das Sicherheitskonzept erläuterte. "Wir gehören der Kreispolizei Kleve an und verfügen über viel Erfahrung, denn im Kreis Kleve gibt es mittlerweile zehn Notunterkünfte." Man habe verschiedene mögliche Szenarien durchdacht und geübt und wisse, wie zu reagieren sei. Die Polizei wird regelmäßig kontrollieren. Er lobte die Stadt Emmerich: "Unsere Anregungen im Vorfeld wurden alle umgesetzt." Security, Hausmeister und Ansprechpartner der Integra, einer Tochterfirma des Theodor-Braun-Hauses (TBH), die die Betreuung übernahm, seien ständig vor Ort.

Thema an diesem Abend war auch die Frage, ob ein Zaun um die Turnhalle herum nicht gegen die Integration spreche? Für die Notunterkunft sei das kein großes Thema, weil die Flüchtlinge hier nur kurz verbleiben, erklärte der Bürgermeister. Der Zaun soll die Menschen vor Gaffern schützen.

Ein Bürger wollte wissen, ob Flüchtlinge haftpflichtversichert sind, wenn sie in der Stadt unterwegs sind. "Nein", sagte Hans Sterbenk. Peter Hinze fand die Frage so interessant, dass er sie der Bezirksregierung stellen will.

Ein Besucher fragte, wie die Flüchtlinge Dinge bezahlen, die sie für sich persönlich brauchen. Sie bekommen ein Taschengeld, wöchentlich 30 Euro.

"Donnerstag war die erste Auszahlung, und die meisten haben eine Handykarte gekauft. Das Handy ist ihnen wichtig, weil es die einzige Möglichkeit ist, mit anderen Familienmitgliedern Kontakt zu halten", sagte Dietmar Stalder, Koordinator der TBH. Außerdem kaufen sie Hygiene- und Kosmetikartikel, manche auch Zigaretten.

Quelle: RP
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