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Emmerich
Flüchtlinge werden heute geröntgt

Emmerich: Flüchtlinge werden heute geröntgt
Gestern Morgen an der Hansastraße: Flüchtlinge kommen an. Zwischen der Turnhalle und dem Pausenbereich des Gymnasiums hat die Stadt einen Sichtschutz aufgestellt. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. Die Stadtverwaltung hatte am Freitagmorgen alle Hände voll zu tun. Der Sicherheitsdienst ließ nur noch Befugte in die Turnhalle. Wer spenden will, kann die Sachen am Karl-Kaster-Haus am Groendahlscher Weg abgeben. Von Monika Hartjes

Pause am Willibrord-Gymnasium, die Schüler strömen auf den Schulhof. Dieser hat sich seit einigen Tagen verändert, rund um die Turnhalle der Schule wurde ein Zaun aufgestellt. Neugierig versuchen einige, durch die Öffnungen zu schauen, doch der Sichtschutz aus weißer Folie lässt keinen Blick auf das zu, was dahinter geschieht.

Kurz vor Beginn der Pause, gegen 11.15 Uhr, trafen zwei Doppeldeckerbusse ein, die auf dem Parkplatz hinter dem Zaun parkten. In den Bussen waren etwa 100 Flüchtlinge, die aus Passau kamen. Eigentlich wurden sie bereits am frühen Morgen erwartet, weil sie gegen 21.30 Uhr in Passau starten sollten. In der Nacht kam bereits der erste Bus mit insgesamt 47 Flüchtlingen nach Emmerich.

Hans Sterbenk vom Fachbereich 7 - Arbeit und Soziales - und Dietmar Stalder, Koordinator des Theodor-Brauer-Hauses (TBH), das die Betreuung der Flüchtlinge übernimmt, hatten alle Hände voll zu tun, als die beiden Busse eintrafen. Der Sicherheitsdienst ließ nur noch Befugte wie Mitarbeiter der Stadt, des TBH und des Cateringservices in die Halle. Alle anderen - auch das Kamerateam des WDR - blieben außen vor.

Nach und nach wurden kleine Gruppen oder Familien in Empfang genommen und in die Halle geleitet. Die anderen warteten zunächst noch im Bus. "Die Flüchtlinge werden registriert, ärztlich untersucht und bekommen dann ein Bett in der Turnhalle zugewiesen", hatte Sterbenk das Prozedere erklärt.

Auch Röntgen steht auf dem Programm, die ersten sind für heute im St. Willibrord-Spital dafür angemeldet. Insgesamt eine nicht ganz einfache Aufgabe, weil die wenigsten der Flüchtlinge Deutsch oder Englisch sprechen und verschiedene Dolmetscher zur Verfügung stehen müssen.

Während die über 370 Flüchtlinge, die in Emmerich teilweise in Asylheimen, teilweise auch dezentral in verschiedenen Wohnungen untergebracht sind, länger hier wohnen, verbleiben die Geflüchteten in der Notunterkunft nur kurze Zeit - meist zwischen fünf Tagen bis höchstens drei Wochen - bevor sie weitergeschickt werden. In der Halle stehen dafür 150 Betten zur Verfügung.

Die letzten Betten wurden am Mittwochnachmittag in der Filiale eines Möbeldiscounters in Goch abgeholt. Beim Aufbau halfen Mitarbeiter der Stadt, des TBH, aber auch ehrenamtliche Helfer und Flüchtlinge, die in Emmerich bereits eine Bleibe gefunden haben. Unter jedem Bett steht ein schwarzer Kasten für die persönlichen Sachen. Es ist nicht viel, was die Flüchtlinge mitbringen. Jeder hatte höchstens einen Rucksack oder eine Tasche dabei.

Der "Schlafraum" belegt zwei Drittel der Turnhalle, im restlichen Drittel ist der Aufenthalts- und Speiseraum untergebracht, dort stehen Bierzeltgarnituren. Das Essen kommt von einem externen Catering. Ein Geräteraum wurde für die Essensausgabe leergeräumt und mit einer Theke versehen.

Im Eingangsbereich gibt es Räume mit je zehn Toiletten für Damen und Herren. Auch in den drei Umkleideräumen gibt es einzelne Toiletten und jeweils sechs Duschen, insgesamt also 18. Dazu Waschbecken, so dass man die sanitären Bereiche für Frauen und Männer trennen kann. In einem Abstellraum im Eingangsbereich stehen Waschmaschinen und Trockner.

Wichtig ist, dass die Flüchtlinge jetzt erst mal zur Ruhe kommen können, denn die meisten haben eine lange Tortur hinter sich.

Wenn jemand helfen möchte, sollte er bei der Stadt oder dem Theodor-Brauer-Haus nachfragen. Kleidung kann auch direkt im Karl-Kaster-Haus am Groendahlscher Weg abgegeben werden. Man sollte aber zuerst nachfragen, was gebraucht wird.

Quelle: RP
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