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Emmerich
Formenspiele und die Sonne Mallorcas

Emmerich. Am Sonntag präsentiert das PAN zwei Künstler, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ludwig Gebhard und Hein Driessen. Von Markus Balser

Besucher des PAN-Kunstforums werden ab morgen schon gleich hinter dem Eingang von einem besonderen Zeitgenossen in Empfang genommen: von einem einem bunten, kubistischen Kerl, der seine Hand gehoben hat - "Mechanischer Gruß" heißt das Bild, das von Ludwig Gebhard stammt. Die Ausstellung "Wandler zwischen den Künsten" ist seinem Werk gewidmet.

Und dieser Titel ist Programm. Gebhard - geboren 1933, gestorben 2007 - zeichnet sich durch seine Vielfalt aus. Malereien, Lithographien, Radierungen, Zeichnungen, Plastiken - all das scheint dem gebürtigen Bayern mühelos von der Hand gegangen zu sein. Aber nicht nur die Vielzahl der Techniken, sondern vor allem die Stilrichtungen, denen er sich widmete, machen ihn zu einem bemerkenswerten Künstler.

Während die frühen Arbeiten Gebhards aus den 1950er Jahren Einflüsse der kubistischen und surrealen Malerei aufweisen, entwickelt er später eine eigene Formensprache, die überwiegend aus geometrischen Kompositionen bestand. Titel wie "Robotinesse", "Kreisbild" oder "Robo" unterstreichen das deutlich. In den 1980er/90er Jahren wandte er sich der konkreten Kunst zu, die an das Bauhaus erinnert, um dann sich dann doch wieder gegenständlicher oder abstrakter Elemente im Wechselspiel zu bedienen.

Einflüsse von Picasso, Miro und vielen anderen lassen sich kaum bestreiten. Dennoch pflegte Gebhard einen ganz eigenen Stil. Aus seinen intensiven Arbeiten, denen man sich kaum entziehen kann, spricht nicht nur der Sinn für Formen, sondern auch eine gewisse Menschenskepsis. Das wird vor allem bei den "Synthetischen Köpfen" sichtbar, die ohne Sinnesorgane scheinbar geistlos ihr Dasein fristen.

Gebhard beherrscht allerdings auch das Spiel mit den Farben. Besonders eindrucksvoll gelingt ihm das bei seinen Linolschnitten, die von äußerster Präzision sind. "Die sind wirklich meisterhaft", sagt Kuratorin Christiane van Haaren.

Vor drei Jahren war die Witwe des Künstlers, Conradine Gebhard, an sie herangetreten und hatte dem PAN drei Mappen mit Linolschnitt-Plakaten hinterlassen, die selbst schon eine eigene Schau wert wären. Am Sonntag nun wird ein Eindruck aus dem Gesamtwerk Gebhards mit etwa 160 Bildern zu sehen sein. Neben Christiane van Haaren wird auch Conradine Gebhard einführende Worte sprechen.

Aber auch ein weiterer Künstler kommt dann zu Ehren: Hein Driessen, der vor kurzem seinen 83. Geburtstag feierte, wird als verspätetes Geschenk eine Ausstellung im Untergeschoss des Museums gewidmet. Dort sorgt er für "Mallorquinische Impressionen" und damit auch für viel Sonnenschein: 40 Bilder, plus zahlreiche Fotografien und Ausstellungsplakate, darunter auch die beiden ersten, die Driessen geschaffen hatte, sind dort zu finden. Alle stammen aus seiner 40-jährigen Schaffensphase, die er in seinem Atelier auf der Balearen-Insel vollbrachte, auf der er bis vor wenigen Jahren stets "überwinterte".

Und auch hier zeigt sich die Vielfalt eines Vollblut-Künstlers: Rötelzeichnungen, Aquarelle, Ölbilder, Tusche- und Bleistiftzeichnungen - all das beherrscht Driessen aus dem Effeff.

Ursprünglich war die Driessen-Schau als reine Plakatausstellung geplant, doch daraus hat sich mehr entwickelt - auf jeden Fall etwas Sehenswertes.

Die Ausstellungen werden am Sonntag, 18. Oktober, um 14 Uhr eröffnet. Sie werden bis zum 29. Februar 2016 zu sehen sein.

Quelle: RP
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