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Emmerich
Fundstücke aus Eisen werden Kunst in Goch

Emmerich: Fundstücke aus Eisen werden Kunst in Goch
Der Künstler inmitten seiner spannenden Werkgruppe "Die Stützen der Gesellschaft". Reichlich Gelegenheit für Besucher, ins Grübeln zu kommen. FOTO: Stade
Emmerich. Bis zum 20. November sind im Kunstmuseum Goch Arbeiten des Schweizers Paul Wiedmer zu sehen. Er hat den Boden seines Landes "umgebuddelt" und aus den entdeckten Schätzen Objekte gestaltet. Von Anja Settnik

Aus dem Augenwinkel, zwischen Umarmung hier und Händeschütteln dort, könnte man glauben, es mit Relikten einer urigen Schlosserei zu tun zu haben. Lauter Eisen, verbogen und löchrig, mit Rost durchsetzt. Aber was Einlass ins Gocher Museum findet, ist Kunst, deshalb verbietet sich eigentlich solch freches Assoziieren. Paul Wiedmer, 69-jähriger Schweizer, ist Bildhauer und hat sich eisernen Skulpturen und dem Feuer verschrieben. Museumsleiter Dr. Stephan Mann lernte ihn bei einer Italien-Reise kennen - über den Künstlerfreund Pavel Schmidt. Der konnte gestern aus Termingründen nicht in Goch sein, ließ aber per SMS wissen: "Nicht jeder, der nicht anwesend ist, ist deswegen abwesend."

Wenn Wiedmer eine Ausstellung vorbereitet, tut er das mit großem Einsatz: "Schon zwei Wochen ist er bei uns und hat uns sehr geholfen", lobte Gochs Museumschef, der gleich das ganze "Team Wiedmer" vorzustellen hatte, denn der Sohn und dessen Freundin ziehen ebenso mit dem Clan mit wie Publizisten und andere Kulturschaffende vornehmlich aus der Schweiz. Claudia Wissmann, die 2009 mit einer Installation auf dem Gelände der aufgegebenen Reichswaldkaserne Aufmerksamkeit erregte, und Zeichner Ulrich Erben, der in Goch ebenso zuhause ist wie in Düsseldorf, wurden ebenfalls begrüßt. Die Würdigung der Ausstellung mit zum Teil 40 Jahre alten Werken lag bei Res Ingold aus Köln, einem Wegbegleiter des Schweizers, der erst einmal zu erklären hatte, was "Objets boudlés" denn eigentlich sind. Denn selbst mit einigen Französischkenntnissen kommt man darauf nicht unbedingt: Der Begriff ist eine "verhunzte" Version von "Objets trouvez", also "gefundene Gegenstände. Und damit ist auch schon viel erklärt, denn Weidmer hat ganz im Stil von Schatzsuchern Eisenteile aus dem Boden gebuddelt. "Die Idee zu den Werken entstand 1973 auf einer Reise durch Amerika. Paul Wiedmer erinnert sich, dass er dort erstmals Metalldetektoren sah, die ihn animierten, wie ein Schatzsucher selbst auf Forschungsreise durch die Schweiz zu gehen. Und so durchkämmte Wiedmer seit 1974 den Schweizer Boden systematisch, also kantonsweise", erklärt Mann.

Die Fundstücke wurden von Weidmer (tatsächlich gelernter Schlosser) verschraubt oder zusammengeschweißt. Uralte landwirtschaftliche Geräte, Hufeisen, Schürhaken, Wiegemesser und Schraubzwingen sind auszumachen. Auch für die Kinder, die im Rahmen des "Kids' opening" mit dem Sohn des Künstlers umher wanderten, gab es viel zu entdecken.

Was ist heutzutage eine "Stütze der Gesellschaft"? Krankenschwester, Ehrenamtler, Feuerwehrmann? In Anlehnung an das Ibsen-Stück und das bekannte satirische Gemälde von George Grosz ist die gleichnamige Werkgruppe im Saal gegenüber zu bestaunen. Bunt, verziert, heiter und vielschichtig stehen die in der Decke und im Boden fixierten "Stützen" herum. Was sollen sie, die sich nicht bewegen, sich nicht verändern können, für uns tun?

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. November zu sehen.

Quelle: RP
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