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Bordell-Prozess Emmerich
"Fungarden": Zuhälter, Schläge, Betrügereien

Bordell-Prozess Emmerich: "Fungarden": Zuhälter, Schläge, Betrügereien
Der Sauna-Club "Fun Garden" an der Tackenweide. Das Betreiberpaar steht vor Gericht, hunderte Frauen sollen hier Opfer worden sein. FOTO: mvo
Emmerich. Eine einstige Thekenkraft berichtet von Zuhältern, Ohrfeigen, frisierten Unterlagen. Sie selbst habe man zur Prostitution zwingen wollen. Von Ralf Daute

Der Betreiber der Bordelle "Fungarden" und "Villa Auberge" und seine Lebensgefährtin müssen sich vor Gericht verantworten. Die Vorwürfe: Menschenhandel, Steuerhinterziehung, Einschleusung und Urkundenfälschung.

Nina S. ist mittlerweile in der Altenpflege tätig, mit dem Rotlichtmilieu hat sie nichts mehr zu tun. Doch am Dienstag, als Zeugin vor dem Landgericht Kleve, wurde die 40 Jahre alte Frau von ihrer Vergangenheit eingeholt.

2008 arbeitete sie aushilfsweise als Thekenkraft im Emmericher "Fun Garden". Dabei bekam sie die menschenverachtende Seite des Geschäfts mit der Prostitution genau mit. Inklusive einer Erfahrung: Einer der Betreiber des Clubs habe mit Gewalt versucht, sie dazu zu bringen, ebenfalls diesen Beruf nachzugehen, berichtete sie.

"Drei Mann haben mich aufs Zimmer geschleppt, ich sollte als Prostituierte klargemacht werden", sagte sie im Prozess gegen den "Fun Garden"-Betreiber Esed D. (53) und seine Lebensgefährtin Olga G. (40). Weil sie sich heftig wehrte, blieb es beim Versuch. Sie ging davon aus, dass der Angeklagte mit der Aktion seines Compagnons einverstanden war ("versuch's mal") – und wurde nach dem Übergriff offenbar sogar von Olga zum Krankenhaus gefahren.

Ständiger Bedarf an "Frischfleisch"

Danach beendete Nina S. ihre Tätigkeit in dem Lokal, doch von einer Anzeige sah sie ab. Ihre grundsätzliche Einschätzung des Vorfalls zeugt von der Verrohung in der Branche: "Das ist doch Kinderkram."

Als Thekenkraft bekam sie einiges mit. Vor Gericht packte sie nun aus. Sie schilderte, wie der angeklagte Esed D. einen ständigen Bedarf an "Frischfleisch" gehabt habe und wie zahlreiche Frauen dort von Männern, die sie zunächst als ihre "Manager" bezeichnete, abgeliefert wurden. Auf Nachfragen räumte sie ein, dass es sich dabei natürlich um ihre Zuhälter gehandelt habe – und ihrer Einschätzung nach hatten rund 90 Prozent der Frauen, die im "Fun Garden" tätig waren, einen solchen Zuhälter.

Dass für die Vermittlung der Frauen Geld geflossen ist, habe sie mit eigenen Augen nicht miterlebt. Aber als für die Buchführung mit zuständige Thekenkraft konnte sie im so genannten "Schuldenbuch" nachlesen, dass die neuen Prostituierten erst einmal ihre Schulden abarbeiten mussten – 1500 bis 2000 Euro pro Mädchen, so die Zeugin. Einige Sprengkraft lag auch in ihrer Bemerkung, dass die von ihr ausgefüllten Tageszettel mit den Einnahmen später neu geschrieben wurden, und zwar mit deutlich reduzierten Beträgen.

Strafgelder an Prostituierte verteilt

Auch ein rigides Bestrafungsmanagement war Nina S. bekannt. Strafen habe es beispielsweise gegeben, wenn eine Prostituierte zum Dienst eingeteilt und nicht erschienen sei. "Da hat sich der Esed aufgeregt", berichtete Nina S.

Er sei nicht nur verbal aufbrausend gewesen, er habe Strafgelder in Höhe von 10 bis 50 Euro verteilt und sei auch handgreiflich geworden. Dienstpläne, Strafgelder: Solche Details in den Aussagen stützen die Ansicht der Staatsanwaltschaft, dass die Frauen im "Fun Garden" alles Mögliche waren – aber bestimmt nicht selbstständig tätig.

Zu diesem Thema nahm auch ein Beamter aus dem Finanzamt Kleve Stellung. Aus Sicht der Behörden geht es darum, ob der Betrieb tatsächlich als "gewerbliche Zimmervermietung" anzusehen ist. Die Aussage des Beamten zeigte, dass die Finanzbehörden dem Phänomen relativ hilflos gegenüberstehen – auch, wenn sie privat durchaus eigene Ansichten zu dem haben, was da abläuft. "Das ist meine dienstliche Meinung", erläuterte der Beamte in solchen Momenten seine Ausführungen.

Die Zeugenaussage eines Steuerfahnders brachte Einsichten in das bürokratische Rotlicht-Dickicht. Esed D. sei darauf hingewiesen worden, dass sämtliche Einnahmen zu versteuern seien, wenn der Betrieb nach außen geschlossen auftrete.

(RP/top)
 
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