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Emmerich
Geburtshilfe: Längere Wege ins Spital

Emmerich: Geburtshilfe: Längere Wege ins Spital
Wohin jetzt? Die Emmericher Geburtshilfe ist geschlossen. FOTO: H. Schwarze-Blanke
Emmerich. Emmericher Abteilung geschlossen. Hebammen stellen sich um. Für Gebärende ist die Lage komplizierter. Von Christian Hagemann

Das Klever Krankenhaus fühlt sich gerüstet für mehr Gebärende aus Emmerich und Rees. Zahlen hält das Unternehmen nicht bereit, wohl aber den Hinweis, kurzfristig auf Veränderungen reagieren zu können. Zudem erhöhe sich die Zahl der Beleghebammen in Kleve um zwei weitere Stellen.

Notwendig sind solche Überlegungen auf jeden Fall, denn schließlich ist mit Datum von gestern die Emmericher Geburtshilfe endgültig geschlossen. Die Zahl der Geburten reichte in der Abteilung nicht für eine Kostendeckung aus.

Die Hebammen haben sich auf die neue Situation bereits eingestellt. Die bekannte Hebammenpraxis Emmerich-Rees ist in neue Räume am Rheincenter gezogen und bietet weiterhin die Vor- und Nachsorge für Frauen an. Über weitere Hebammenpraxen in Goch, Kleve und Xanten ist zudem ein Entbindungsteam sichergestellt, das die Frauchen auch während der Geburt betreut. Das "Storchenteam" besteht aus sechs Hebammen, von denen einige den Emmerichern und Reesern bekannt sind. Sie können Paare auch während der Geburt im Weseler Marienhospital betreuen. Das ist ein Angebot, das auf der Hand liegt, weil das Emmericher und das Weseler Krankenhaus gemeinsam die Krankenhaus-Holding "pro homine" bilden.

Weil die rechte und linke Rheinseite in Sachen Krankenhaus allerdings noch lange nicht so weit ist, dass von einer tiefgreifenden Kooperation der Häuser die Rede sein kann, haben Frauen diesen Vorteil nicht, wenn sie sich für eine Geburt im Klever Krankenhaus entscheiden.

Das Klever Antoniushospital arbeitet mit Beleghebammen der "Rundum Hebammenpraxis" aus Kleve und Goch. Andere Hebammen sind für die Entbindung nicht vorgesehen. Zur Begründung erklärt das Klever Krankenhaus: "Als neonataler Schwerpunkt betreuen wir auch komplizierte Schwangerschaften und entbinden Frühchen. Die Hebammen arbeiten wie Ärzte und Pflegepersonal in einem Schichtsystem, betreuen die Gebärenden im Kreißsaal rund um die Uhr. So ist zu jeder Zeit die bestmögliche Versorgung von Müttern und Kindern sichergestellt."

Neonatologie bezeichnet den Zweig der Kinderheilkunde, der sich mit Neugeborenenmedizin (häufig auch Frühgeborenenmedizin) und Neugeborenenvorsorge befasst.

Für werdenende Eltern in Emmerich ergibt sich daraus möglicherweise eine Dilemma: Wer in Kleve entbinden will, weil das näher liegt als Wesel oder Bocholt, muss dort auch seine Vorbereitungskurse absolvieren. Anderenfalls bleibt nur der Weg nach Wesel.

Oder alternativ der Verzicht auf die vertraute Hebamme am Tag der Geburt des Kindes.

In Rees, so die Erfahrung der Krankenhäuser und Hebammen, entscheiden sich einige Gebärende bisher bereits für das Krankenhaus in Bocholt, weil es durch die Anbindung über die B 67 näher liegt als bislang Emmerich. Und in Zukunft auch Kleve oder Wesel.

Apropos Weg: Die Hebammen vermuten, dass durch den Wegfall der Emmericher Geburtshilfe die Fälle zunehmen werden, in denen bei einsetzenden Wehen der Krankenwagen die Frauen ins Krankenhaus fahren wird. Die Alarmfahrt garantiert jedenfalls einen schnelleren Transport der Frau ins Krankenhaus nach Wesel oder Kleve als die private mit zahlreichen Ampeln und möglichen Staus.

Quelle: RP
 
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