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Rees
Gemäldebewertung: Sogar Picasso-Graphik dabei

Rees. Kunst oder Krempel? Schatz oder Schrott? Antworten auf diese Fragen erhofften sich jetzt wieder zahlreiche Besucher des Koenraad Bosman Museums. Der Galerist Heinz Janssen aus Kevelaer begutachtete mehr als 150 Ölgemälde, Aquarelle, Radierungen und Zeichnungen, die sich zum Teil seit mehreren Generationen im Privatbesitz befinden. Das Reeser Kulturamt bietet diesen Service seit neun Jahren an, aber selten war Heinz Janssen so beeindruckt von der mitgebrachten Kunst wie in diesem Jahr: "Es waren ein paar echte Highlights dabei, darunter Zeichnungen von Heinrich Zille, eine Graphik von Pablo Picasso und zwei Ölgemälde, die mehr als 50.000 Euro wert sind."

Andere Besucher kamen dagegen mit überhöhten Erwartungen ins Museum und mussten zuweilen die kleine Enttäuschung hinnehmen, dass ihr Erbstück ein Fall für den Trödelmarkt ist. Leider sind selbst Reeser Kunstgrößen wie Willi Angenendt und Heinz Scholten, deren Rees- und Niederrhein-Bilder Heinz Janssen auch in diesem Jahr wieder in großer Stückzahl begutachtete, eher ein Fall für heimische Wohnzimmer als für die großen Museen der Welt. Aktuell befänden sich darüber hinaus auch die Preise für Klever Kunst und für viele Werke der Düsseldorfer Schule im Keller. Im Zweifelsfall riet Heinz Janssen den Besitzern, die Bilder lieber zu behalten als jetzt zu veräußern.

Die 45 Personen und Paare, die den Wert ihrer Kunstwerke schätzen ließen, zahlten zehn Euro pro Bild-Expertise. Im Dialog mit Heinz Janssen wurde ermittelt, woher die Werke stammen, wie alt und wichtig sie sind und was Kunstsammler heute dafür zahlen würden. In Fällen, in denen die Erinnerung der Besitzer und das Fachwissen des Galeristen nicht ausreichten, halfen Fachliteratur und das Internet weiter.

Rajko und Erika Zmrzlak waren mit vier großen niederländischen Ölgemälden extra aus Moers nach Rees gekommen. Heinz Janssen erkannte schnell, dass die monumentalen Naturbilder einst im Werkstattprinzip gemalt wurden: "Der eine Künstler konnte besonders gut Himmel malen, sein Kollege die Bäume, ein weiterer Kollege war auf Wasser spezialisiert." Zwei Gemälden attestierte er immerhin einen Wert von 1200 und 800 Euro. "Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn sich alle vier Bilder nur für den Trödelmarkt geeignet hätten", sagten die Eheleute Zmrzlak hinterher. Verkaufen wollen sie ihre Bilder eh nicht. Drei von ihnen bleiben an den heimischen Wänden hängen, eines ist der Tochter versprochen, die es ebenfalls bei sich zu Hause aufhängen möchte.

Am Samstag, 21. November, und Sonntag, 22. November, richtet das Koenraad Bosman Museum seine neunte Gemäldebörse aus. Jeweils von 11 bis 17 Uhr können Interessenten ihre Kunstwerke aus Privatbesitz zum Kauf anbieten. Dabei besteht keine Anwesenheitspflicht für die Verkäufer, wohl aber müssen sie zehn Prozent des Verkaufserlös dem Museum überlassen. Anmeldungen für maximal fünf Kunstwerke müssen bis zum 6. November erfolgen. Die Formulare gibt es an der Infothek im Reeser Rathaus sowie online unter www.stadt-rees.de in der Rubrik "Tourismus, Freizeit und Kultur". Auch eine telefonische Anmeldung unter 02851 51187 ist möglich. Am Wochenende der Gemäldebörse ist der Eintritt frei.

(ms)
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