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Rees
Gemeinde sammelt Geld für Glocken

Rees: Gemeinde sammelt Geld für Glocken
Die erste von vier Glocken steht bereits im Gemeindezentrum. Pfarrer Erwin Krämer belohnt Spender mit Glöckchen und einer Martin-Luther-Playmobilfigur. FOTO: Michael Scholten
Rees. 1977 wurde die kreisübergreifende evangelische Gemeinde Haffen-Mehr-Mehrhoog gegründet, weil viele Menschen aus dem Ruhrgebiet herzogen. Dort machen etliche Kirchen inzwischen zu - und Mehrhoog übernimmt die alten Glocken. Von Michael Scholten

Das evangelische Gemeindezentrum in Mehrhoog wird pünktlich zum 500. Jahrestag der Reformation 2017 um einen Glockenturm erweitert. Nach den Sommerferien 2016 soll der erste Spatenstich erfolgen, dann wird ein 9,62 Meter hoher Glockenturm nach einem Entwurf des Hamminkelner Architekten Holger Ebbert errichtet. Der Diplom-Ingenieur schätzt die Baukosten auf 165.000 Euro, jedoch ist Pfarrer Erwin Krämer optimistisch, dass sich der Betrag durch Eigenleistungen der Presbyter und der Gemeindemitglieder noch senken lässt.

So soll der neue Glockenturm aussehen. Diplom-Ingenieur Holger Ebbert hat sich von den Dachschrägen des Gemeindezentrums sowie von den abgerundeten Wänden im Innern inspirieren lassen.

Die erste und kleinste von insgesamt vier Glocken ist seit dem ersten Advent in Mehrhoog ausgestellt. Sie stammt von der evangelischen Friedenskirche in Mülheim-Heißen, die geschlossen und in Wohnungen umgewandelt wird. Die Glocke heißt "Hoffnung", wiegt 160 Kilogramm und wurde im Jahr 1929 gegossen. Die weiteren Glocken namens "Liebe" (302 Kilogramm), "Asarja" (255 Kilogramm) und "Glaube" (205 Kilogramm) stammen aus den Jahren 2000 und 2001. Inklusive Glockenstuhl konnte die Kirchengemeinde Haffen-Mehr-Mehrhoog das schwere Quartett für 5000 Euro erwerben.

"Im Ruhrgebiet schließen einige Kirchen, weil die Gemeinden immer weniger Mitglieder haben", erläutert Pfarrer Erwin Krämer. "Deshalb gibt es inzwischen Second-Hand-Kirchenglocken, wovon wir profitieren können." Da die Gemeinde Mehrhoog in den 60er- und 70er-Jahre vor allem durch den Zuzug neuer Bürger aus dem Ruhrgebiet wuchs, gibt es bis heute viele familiäre Verbindungen in jene Region und auch nach Mülheim.

Für den Glockenturm wird die Garage des Gemeindezentrums weichen müssen. Allerdings entsteht zwischen Hauptgebäude und Turm ein größerer Aufbewahrungsbereich für Dokumente, Instrumente und Gartengeräte. Pfarrer Krämer hofft, dass die Bauarbeiten von lokalen Handwerksbetrieben durchgeführt werden: "Es gibt eine öffentliche Ausschreibung, an deren Ende wir uns für den preiswertesten und nicht für den billigsten Bewerber entscheiden wollen." Der Geistliche betont, dass kein anderer Bereich der Gemeindearbeit unter den Ausgaben für den Glockenturm leiden wird.

Vielmehr hofft er auf Spenden und setzt dabei auf Mund-zu-Mund-Propaganda und kleine Geschenke. Wer zehn Euro spendet, erhält zum Dank ein Glöckchen, wer 20 Euro spendet, darf eine Martin-Luther-Playmobilfigur sein Eigen nennen. "Wenn eine Großmutter drei Enkel hat, die alle einen Martin Luther wollen, gewähren wir selbstverständlich Enkelkinder-Sonderpreise", verspricht der Pfarrer. Bald will er auch gezielt die Banken und Geschäftsleute des Ortes um Spenden gegen Quittung bitten.

Durch mehrere Aktionen sowie durch das Gemeindefest im Juni 2016 sollen letzte Lücken der Finanzierung geschlossen werden. Von den 2700 Mitgliedern der Gemeinde Haffen-Mehr-Mehrhoog wohnen circa 2000 in Mehrhoog, doch auch die 700 Protestanten aus den Reeser Ortsteilen Haffen und Mehr nehmen regelmäßig an den Gottesdiensten und Aktionen teil.

Die Gründung erfolgte 1977, weil viele aus dem Ruhrgebiet zugezogene Protestanten Gottesdienste an ihrem neuen Wohnort wünschten. Mit den Glocken erfüllt sich die Gemeinde einen langgehegten Traum.

Quelle: RP
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