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Emmerich
Geschichtsverein stellt Festschmaus nach

Emmerich. Hühner-Pastetchen, Ochsenschwanzsuppe und Rehbraten - so fein haben 58 geladene Gäste bei der Eröffnung des Reeser Amtsgerichtes im Jahr 1909 gegessen. Der Geschichtsverein Ressa will das nun wiederholen und lädt zum Neun-Gänge-Menü ein. Allerdings ist das Festessen nur für Männer. Von Michael Scholten

Als am 29. November 1909 der Neubau des Reeser Amtsgerichts eingeweiht wurde, feierte mancher der 58 geladenen Gäste beim anschließenden Festschmaus im Hotel Deymann etwas zu heftig. So wusste damals eine lokale Zeitung zu berichten, dass sich ein Herr auf dem Heimweg in seinen Zylinder erbrechen musste. Neben solchen pikanten Details sind auch die Original-Einladung mit Speisekarte des Neun-Gänge-Menüs von 1909 erhalten geblieben. Es gab Rehbraten, Rhein-Hecht und viele erlesene Weine. Die Bürgermeister vieler Nachbargemeinden blieben dem Herrenabend fern und schickten nur Glückwunsch-Autogramme. Der Grund: Sie hätten das vier Mark teure Menü aus der eigenen Tasche zahlen müssen.

Helmut Heckmann, Schriftführer und Pressesprecher des Reeser Geschichtsvereins Ressa, referierte Anfang April über das Reeser Amtsgericht und zeigte den Zuhörern im Kolpinghaus auch den Speiseplan von 1909. Dabei kam die Frage auf: Warum lassen wir das Neun-Gänge-Menü nicht 106 Jahre später nachkochen und verspeisen es in einem ähnlich edlen Rahmen wie damals?

Gesagt, getan: Am Sonntag, 29. November, werden sich die männlichen Mitglieder des Geschichtsvereins (die Damen sind – wie schon 1909 – nicht zugelassen) im Rheincafé Rösen die alte Speisenfolge munden lassen. Hausherr Ludger Rösen hat die Speisekarte studiert, wird alle Zutaten organisieren und die Gerichte zubereiten. Nur der Preis ist, inflationsbedingt, von vier Mark auf 44 Euro gestiegen. Auch die Weine und der Champagner sind dann nicht inklusive, und schon gar nicht jene mit Jahrgang 1909.

Der 29. November ist ein verkaufsoffener Sonntag, an dem die Reeser Werbegemeinschaft auf die Adventszeit einstimmen wird. So kommen neben den Reesern auch auswärtige Besucher in den Genuss, die historisch interessierten und im schwarzen Anzug oder Frack gekleideten Vereinsmitglieder beobachten zu können, wie sie vom Amtsgericht zum Rheincafé Rösen marschieren. Im Idealfall sollen sie von Polizisten und Feuerwehrleuten in historischen Kostümen begleitet werden.

"Das Essen ist zunächst nur für Mitglieder des Geschichtsvereins gedacht", sagt Helmut Heckmann. Doch auch der Bürgermeister und die Pastoren werden eine Einladung erhalten. Alle Mitglieder sind per Facebook und E-Mail informiert worden, der Anmeldebogen wird ihnen beizeiten zugestellt.

"Der Clou wird sein, dass jeder der heutigen Teilnehmer den Namen eines Teilnehmers von 1909 bekommt", sagt Heckmann. Wer Mitglied des Geschichtsvereins ist oder werden möchte, kann sich bis zum 1. Oktober für das Festessen anmelden. Helmut Heckmann ist unter Ressa.Schriftfuehrer@t-online.de erreichbar. Einige Wochen vor dem großen Tag wird es ein Treffen geben, um allen Mitwirkenden das Vorhaben genauer zu erläutern.

Quelle: RP
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