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Emmerich
Glocken werden zuerst per Hand geläutet

Emmerich: Glocken werden zuerst per Hand geläutet
Der Bau des Glockenturms war eine große Mehrhooger Gemeinschaftsleistung: Hier stehen die Presbyter Torsten Quenter und Gerd Gottzmann auf dem Rohbau. FOTO: EKM
Emmerich. Der Mehrhooger Glockenturm der evangelischen Gemeinde wird passend am Tag des Reformationsjubiläums eingeweiht. Sein Entstehen ist ein Muster für dörfliches Engagement. Von Thomas Hesse

Das Mehrhooger Projekt Glockenturm steht vor der Vollendung, und das wird am Reformationstag, 31. Oktober 2017, pünktlich zum 500. Jubiläum der Reformation gefeiert. Dann wird der Glockenturm am Gemeindezentrum Mehrhoog in einem festlichen Gottesdienst eingeweiht. Dieser findet um 11 Uhr rund um den Glockenturm an der Halderner Straße 35 in Mehrhoog unter Mitwirkung des Posaunenchores und der Chorgemeinschaft statt.

Das gelungene Vorhaben ist ein Muster für dörflichen Zusammenhalt und Engagement. Denn der Slogan "Wir bauen einen Glockenturm" ist wörtlich zu nehmen, da das Gebäude unter der Leitung der Presbyter Gerd Gottzmann und Torsten Quenter fast vollständig in Eigenleistung errichtet wurde. Der rund zehn Meter hohe Turm mit seinen vier Glocken wird nun seiner Bestimmung übergeben. "In der Evangelischen Kirche sprechen wir dabei von einer "Einweihung", da keine Dinge geweiht oder gesegnet werden. Oder ganz einfach: Die Glocken werden in Gebrauch genommen, sie sollen von nun an für Frieden, Verantwortung und Liebe in dieser Welt läuten", sagt Pfarrer Erwin Krämer von der Evangelische Kirchengemeinde Haffen-Mehr-Mehrhoog.

Genaugenommen ist das Projekt nicht ganz fertig. Zur Feier werden die Glocken per Hand geläutet, was von der Konstruktion her kein Problem ist, aber demnächst sorgt ein Antrieb für den Klang. Der muss noch eingebaut werden. "Vier Leute benötigen wir zum ersten Erklingen. Wir läuten mit Gefühl, denn die Glocken sind austariert, und man braucht nur geringe Kraft", sagt der Pfarrer. Thema in der Gemeinde war auch, wann der Glockenklang erschallt. Er erklingt zu Gottesdienstzeiten und am samstags um 18 Uhr, um den Sonntag einzuläuten. Und bei Verstorbenen wird übergeläutet - das heißt die Glocken klingen zum Gedenken am folgenden Werktag nach dem Todesfall um 11 Uhr. "Das ist ländliches Brauchtum und in den Dörfern üblich. In unserer Dorfkirche Mehr, die über Glocken verfügt, war das schon immer so", erklärt Pfarrer Krämer.

Noch legen die Ehrenamtlichen Hand an den Bau. Am Samstag wird er "entrüstet", am Reformationstag ist der Blick auf ihn frei. Innen muss er noch ausgebaut werden, hier entsteht ein Lagerraum. Pfarrer Krämer ist begeistert über das ehrenamtliche Engagement. "Es ist toll, was die Gemeinde auf die Beine gestellt hat. Das ist ein Stück Zusammenhalt, und der Turm ist ein Symbol, wofür wir stehen. Es zeigt Christsein und bringt das Evangelium in die Welt", beschreibt der Geistliche. Die Glocken und ihr Klang seienein Stück Heimat. Ihm ist wichtig zu sagen, dass die Kosten aus dem Topf für kirchliche Immobilien und dem laufenden Haushalt bestritten wurden. Geld dafür wurde nicht etwa von der Gemeinde- oder Jugendarbeit abgeknapst.

Ohnehin hat die für Haffen-Mehr-Mehrhoog zuständige Pfarre die Kosten mustergültig im Griff. Statt der geplanten 175.000 Euro werden am Ende nur 100.000 bis 110.000 Euro fällig geworden sein. Das Geläut samt Glockenstuhl wurde zum Freundschaftspreis von 5000 Euro aus einer geschlossenen Kirche in Mülheim erworben. Ein neuer Glockenguss wäre 25.000 Euro teuer gewesen. Der gemeinsamen Sache schlossen sich auch etliche Mehrhooger Firmen und Private an und stellten vom Gablerstapler bis Bagger Materialien zur Verfügung.

Quelle: RP
 
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