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Rees
Große Karriere blieb Isselmann leider verwehrt

Rees. Heute vor 100 Jahren, am 17. März 1916, starb Ernst Isselmann. Dem Maler aus Rees ist im Obergeschoss des Museums Koenraad Bosman ein eigener Raum gewidmet. Eine Annäherung an den Künstler. Von Michael Scholten

"Die Düsseldorfer Kunst hat mit Ernst Isselmann eine ihrer besten Hoffnungen verloren", schrieb Museumsdirektor Ernst Gosebruch in einem Nachruf auf den Reeser Maler, der heute vor 100 Jahren, am 17. März 1916 starb. Ernst Isselmann, am 29. April 1885 in der Rünkelstraße 21 geboren, erlag mit nur 30 Jahren einer schweren Lungenkrankheit. "Hätte er länger gelebt, wäre ihm eine große Karriere beschieden gewesen", betont Ewald Kersten vom Kuratorium der Koenraad-Bosman-Stiftung.

Im Obergeschoss des Reeser Museums ist Isselmann ein eigener Raum gewidmet. Darin sind zehn seiner Werke ausgestellt, darunter Ölgemälde, Aquarelle und Tuschezeichnungen. Auf einem Bild hat sich der Künstler selbst porträtiert.

Isselmann wurde als Sohn des Möbelfabrikanten Conrad Johann Isselmann und seiner Frau Catharina Caroline Auguste Emilie in Rees geboren. Mit 19 Jahren begann er ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, wechselte dann nach Dresden. Professor Carl Bantzer nahm ihn in seine Malklasse auf und reiste mit dem Studenten mehrfach zur Künstlerkolonie Willinghausen nahe Kassel. Dort lernte Isselmann den Neoimpressionismus kennen.

Studienreisen nach Berlin und Paris sowie der Besuch von Museen und Galerien für moderne Kunst beeinflussten seinen Stil ebenfalls stark. Vincent van Gogh (1853-1890), Paul Cézanne (1839-1906) und die pointillistische Malerei hinterließen deutliche Spuren in Isselmanns Bildern jener Jahre. Ein Beleg dafür ist das Ölgemälde "Kühe auf der Weide", das im Koenraad-Bosman-Museum zu sehen ist.

Nach dem Studium zog Isselmann 1908 wieder nach Rees. In seinem Elternhaus richtete er ein Atelier ein. Er malte und zeichnete niederrheinische Landschaften, aber auch Porträts. Viele Aufträge kamen aus der evangelischen Kirchengemeinde, der Ernst Isselmann angehörte. Seine Werke wurden in Düsseldorf und Köln ausgestellt.

Er trat der Künstlervereinigung Cölner Secession bei und freundete sich mit deren Mitbegründer Franz M. Jansen an. Gemeinsam arbeiteten sie von Mai bis September 1913 an einer grafischen Mappe für die Werkleute auf Haus Nyland. Es war die erste von vielen weiteren Auftragsarbeiten für Bilder aus der Industrie- und Arbeitswelt.

Im Winter 1913 war Isselmann Mitbegründer der Rheinischen Künstlervereinigung mit Sitz in Köln. Bald darauf brach er mit dem Expressionisten William Straube nach Tunesien auf. Neben neuen künstlerischen Impulsen erhoffte sich Isselmann in Nordafrika eine Heilung seiner erkrankten Lungen. Die Ärzte hatten bei ihm eine beginnende Schwindsucht diagnostiziert und ihm zu einer Reise in trockene und warme Klimazonen geraten. Erst als seine finanziellen Mittel aufgebraucht waren, verließ Ernst Isselmann im Sommer 1914 Tunesien. Auf der Rückreise besuchte er Rom und seine vielen Museen.

Im August 1914 kehrte er nach Rees zurück. Von seiner Krankheit gezeichnet, vegetierte er im Elternhaus, bis er nach einem Blutsturz schließlich nach Essen in ein Krankenhaus gebracht wurde. Dort kümmerte sich Ernst Gosebruch, der damalige Direktor des Städtischen Museums Essen (heute Museum Folkwang), um den kranken Künstler. Als keine Aussicht auf Heilung mehr bestand, kehrte Isselmann im Frühjahr 1915 nach Rees zurück, wo er am 17. März 1916 im Haus seiner Eltern starb.

Ernst Gosebruch, der einige von Ernst Isselmanns Bildern schon vor dessen Tod für das Essener Museum gekauft hatte, regelte den künstlerischen Nachlass. Vor allem seine farbenfrohen Bilder, die in Tunesien entstanden, haben viele Liebhaber gefunden. Sie sind unter anderem im Kunstmuseum Bonn, im Kunstmuseum Düsseldorf, im Museum Folkwang Essen und eben auch im Reeser Museum Koenraad Bosman zu finden. Dort erfreuen sich vor allem die Darstellungen der Rheinpromenade seiner Heimatstadt großer Beliebtheit.

Die Stadt Rees hat Ernst Isselmann außerdem vor mehreren Jahren den Fußgängerweg zwischen Froschkönigteich und Stadtmauer gewidmet.

Quelle: RP
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