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Emmerich
Grundstücke in Dornick - das braucht Zeit

Emmerich: Grundstücke in Dornick - das braucht Zeit
Die ehemalige Pionieranlage liegt schon seit Jahren brach. Das bringt nun die BGE auf den Plan. Sie wirft der Stadt vor, 350000 Euro Verlust gemacht zu haben. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. Wann können die Dornicker für ihre Kinder neue Baugrundstücke erwarten? Die Frage ist durch den derzeitigen Bürgermeisterwahlkampf kurzzeitig wieder in den Mittelpunkt gerückt. Von Christian Hagemann

Ausgangspunkt ist eine Beschwerde der Bürgergemeinschaft Emmerich (BGE) beim Landrat. Inhalt: Die Mehrheit im Emmericher Rat hat es abgelehnt, dass die Stadt von ihrem Erstkaufrecht, dass die ehemalige Pionieranlage in Dornick betrifft, Gebrauch macht.

Der Bürgermeister hätte diesen Beschluss anhalten müssen, glaubt die BGE. Denn durch dieses Erstkaufrecht hätte Emmerich wichtige Grundstücke kaufen und mit Gewinn an Bauwillige wieder verkaufen können. In Summe rechnet die BGE einen Verlust für Emmerich von 350 000 Euro vor.

Diese Rechnung sorgt allerdings für Widerspruch. "Die Stadt hat aus gutem Grund von ihrem Erstkaufrecht Abstand genommen", sagt der Beigeordnete im Rathaus, Dr. Stefan Wachs. So gebe es Unklarheiten, welchen Preis die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten überhaupt zugrunde lege. Diese Behörde, kurz Bima genannt, vermarktet die Immobilien der Bundesrepublik Deutschland. Eben auch alte Kasernen, die zu günstigeren Preisen angeboten werden sollen, weil sie durch ihre Beschaffenheit oft schlecht zu vermarkten sind.

Nur aus diesem Grund hat die Stadt Emmerich es im Jahr 2008 auch hinbekommen, dass Dornick überhaupt noch Bauland zugestanden bekam. Denn nach der Landesplanung soll dort nichts Neues mehr gebaut werden. Nur weil man sich in Düsseldorf der Argumentation der Emmericher beugte, die Kaserne falle irgendwie in die Kategorie Brachlandsanierung, erhielt die Stadt die Genehmigung für eine kleine Siedlung auf dem Areal.

Bis zu zehn Grundstücke wären auf 5000 Quadratmetern möglich gewesen. Dazu noch einmal eine Obstwiese mit 8000 Quadratmetern. Eigentlich ein tolles Wohngebiet für Dornicker. Und deshalb bildete sich auch rasch eine Interessengemeinschaft, die das Gelände kaufen wollte.

Doch es taten sich Hindernisse auf. Eins davon war die Immobilienvermarktung des Bundes. "Das dauerte so lange, dass die ersten Interessenten absprangen und woanders kauften", sagt Botho Brouwer. Der Bauunternehmer hatte damals Interesse an einem Kauf. Und weil er für die CDU im Ausschuss für Stadtentwicklung sitzt, ist er auf dem Laufenden. "Das Wertgutachten ist jetzt erst in Arbeit", sagt er.

Zweiter Punkt: die Entwässerung des Areals. Dafür gibt es eine Pumpstation, von der die Bima behauptet, sie könnte noch fünf Jahre ihren Dienst tun. "Ohne die Pumpe säuft das Gelände ab", so Brouwer.

Dritter Punkt: Ein Teil der Gebäude ist in den Deich gebaut und dienst auch als Deichschutz. Die Gebäude dürfen nicht abgerissen werden.

Punkt vier: die Entsiegelung der Fläche und Abbrucharbeiten. Panzerplatten, Rampen und alles, was man für schweres Gerät brauchte, muss weg. Brouwer schätzt, dass das eine halbe Million Euro kosten könnte.

Nicht geschätzt, sondern durchkalkuliert hat die Interessengemeinschaft damals, was sie für die Baugrundstücke hätten bezahlen wollen. "90 Euro sind üblich in Dornick. Mit dem Preis wären wir ins Verfahren gegangen."

Doch dafür sei es einfach (noch) nicht gekommen. "Und wenn die BGE durchrechnet, dass die Stadt Emmerich 350 000 Euro verschenkt hat, dann hätte die Stadt bei einem Weiterverkauf 160 Euro pro Quadratmeter nehmen müssen", sagt Brouwer. "Das ist deutlich über dem ortsüblichen Preis."

Für den Beigeordneten Wachs spricht ein ganz anderes Argument dafür, dass die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch gemacht hat. "Wir können ohnehin lenken, was da gebaut wird", sagt er. "Vermarkten und verkaufen sollen Private machen. Das können die besser als wir."

Fazit: Die Dornicker werden wohl noch länger warten müssen, bis es eines Tages noch ein paar Baugrundstücke für sie gibt. Und diese werden dann vermutlich deutlich über dem ortsüblichen Preis auf den Markt kommen.

Quelle: RP
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