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Rees
Haare abschneiden für den guten Zweck

Rees. Zwei junge Frauen haben sich von ihrer Haarpracht verabschiedet. Sie spendeten sie an eine Organisation, die daraus Echthaar-Perücken für Krebskranke herstellt. Die beiden haben den Schritt nicht bereut. Von Julia Latzel

Lange Haare werden von vielen Frauen als Schönheitsideal angesehen und auch bei vielen Männern stehen sie auf der Wunschliste für die Traumfrau. Beim Friseur werden deshalb immer nur die Spitzen geschnitten und auch den wenigen Zentimetern wird wochenlang nachgetrauert. Anders denken da Veronika Hollands aus Esserden und Mirjam Brinkmann aus Mehrhoog. Die beiden Freundinnen haben sich getraut, ihre Haare komplett abzuschneiden. Für den guten Zweck.

Zunächst verabschiedete sich Veronika von ihren Haaren und ließ sich eine Glatze schneiden. Die 22-Jährige studiert in Hamburg Erziehungs- und Bildungswissenschaften sowie Ethnologie. "Haare zu spenden, davon hatte ich schon mal durch Freunde und Bekannte gehört. Sie mir komplett abzuschneiden, das war so ein eigener Gedanke", erinnert sich Veronika.

Sie wollte sich schon immer mal eine Glatze schneiden lassen. Und dachte sich " Wenn nicht jetzt, wann dann? Das war für mich wie ein Bekenntnis, da ich mich nicht mehr hinter den Haaren verstecken kann. Interessant war auch, zu erfahren, wie mein Kopf aussieht, das konnte ich vorher ja nie genau sehen."

Besonders deutlich wurde Veronika der Unterschied, als sie den Friseursalon mit Glatze verließ: "Es war sehr kalt. Ich wusste zwar auch vorher schon, dass der Mensch die meiste Wärme über den Kopf verliert, aber dass der Unterschied so deutlich ist, war überraschend. Die ersten Tage habe ich auch mit Mütze geschlafen. Als dann wieder ein paar Haare gewachsen waren, ging es wieder."

Für ihren Mut hat Veronika sehr viel positives Feedback erhalten. "Ich war sehr überrascht, wie schön ich mich selbst ohne Haare finde", erzählt die 22-Jährige. "Ich finde interessant, was Haare mit den Leuten machen. Hätte ich mir ein Tattoo gestochen, wäre das doch eine viel größere Aktion gewesen, aber da hätte ich bestimmt nicht so viel Interesse für bekommen." Ihre Eltern hatte sie vorsorglich vorgewarnt. Deshalb waren die auf ihre neue Frisur vorbereitet.

Die Haare schickten Veronika und auch Mirjam zur Organisation Rieswick in Velen-Ramsdorf, wo Echthaarperücken gemacht werden, die unter anderem für Krebskranke bestimmt sind. Für eine Perücke sind drei Vollhaarspenden nötig. Ab etwa 25 Zentimetern kann man seine Haare spenden. Es gilt: Je länger, desto besser. Und möglichst gesund und natürlich sollten sie sein. Spendet man seine Haare, erhält man eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 30 Euro, die die meisten an die Krebshilfe Deutschland oder die Kinder-Krebs-Hilfe in der Umgebung weiterleiten.

Durch Veronikas Mut angestoßen, traute sich schließlich auch Mirjam, ihre Haare abzuschneiden. Sie ließ sich allerdings keine komplette Glatze schneiden, sondern ließ an den Seiten sechs Millimeter stehen und oben noch etwas länger. Mirjam studiert Sozial- und Erziehungswissenschaften in Bochum. "Ich wollte meine Haare schon ganz lange spenden, habe mich aber nie getraut. Zudem hatte ich Lust auf kurze Haare und eine Veränderung", erzählt Mirjam.

Sie wollte den Menschen zeigen, dass Frauen auch kurze Haare haben können. "Ich wurde im Bus und der Öffentlichkeit für einen Jungen gehalten oder für lesbisch. Solche Aussagen finde ich unüberlegt. Sie zeugen nicht von Weltoffenheit." Seit sie ihre Haare abgeschnitten hat, fühlt Mirjam sich viel weiblicher. Die Meinungen zu ihrer neuen Frisur gehen auseinander. "Die meisten waren sehr überrascht. Insgesamt habe ich aber mehr positives Feedback erhalten."

Sowohl Mirjam als auch Veronika bereuen ihren Schritt nicht. Sie wollen sich ihre Haare aber beide wieder wachsen lassen. "Aber nicht mit dem Ziel, sie noch einmal zu spenden. Zumindest vorerst nicht", fügt Veronika hinzu. Bis ihre Haare allerdings wieder so lang sind wie vorher, kann es einige Jahre dauern. "Sich die Haare abzuschneiden, ist eine empfehlenswerte Erfahrung, man lernt sich selbst besser kennen", empfiehlt Veronika.

Und Mirjam Brinkmann Fazit lautet: "Du bist doch viel mehr als deine Haare!"

Quelle: RP
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