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Michael Kiwanuka
"Haldern ist die Zukunft der Musik"

Michael Kiwanuka: "Haldern ist die Zukunft der Musik"
Michael Kiwanuka in Aktion. FOTO: ap
Emmerich. Vor 14 Tagen gehörte er zu den Abräumern beim Haldern Pop. Über das Festival und sein neues Album sprach Michael Kiwanuka mit RP-Redakteur Sebastian Peters.

Vom Haldern-Pop-Festival wird gesagt, dass es wie ein Gewächshaus für Popstars funktioniert, dass du hier vom weitgehend unbekannten Künstler zum Star werden kannst. Hast du von diesem Ruf gehört, und war es ein Grund für dich, hier zu spielen?

Michael Kiwanuka Ich habe natürlich davon gehört. Und man spürt als Künstler die besondere Atmosphäre. Hier spielen Künstler, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Hier spielt die Zukunft der Musik. Ich habe vor Monaten in der Pop Bar gespielt, das war sehr schön. So bin ich in Kontakt zu den Festivalmachern gekommen.

Hattest du die Chance, andere Künstler hier zu sehen?

Kiwanuka Wir sind am Donnerstag angekommen. Also hatten wir noch Zeit. Ich habe Jack Garratt gesehen, mit dem ich nachher auch gesprochen habe - ein guter Typ. Ich habe mir auch den Beginn von Damien Rice angeschaut. Es ist immer gut, andere Bands zu sehen. Man lernt dazu. Das Gute daran, kein Superstar zu sein, ist, dass man sich auf dem Gelände frei bewegen kann.

Lass uns über dein neues Album sprechen. "Love And Hate" ist ein großer Entwicklungsschritt, es klingt groß, stellenweise bombastisch, auch mutig. Was hast du diesmal anders gemacht?

Kiwanuka Ich habe diesmal viel zu Hause geschrieben, bevor ich ins Studio gegangen bin. Das hat Dinge verändert. Es hat Schranken in meinem Kopf verschwinden lassen. Im Ergebnis hat das Album mehr Kraft. Ich wollte das beste Album erreichen, das möglich war. Ich bin jung, voller Energie. Mein Motto war: "Träume groß".

Wie fühlst du dich mit diesem Album - die Kritiken sind sehr gut. Viele prophezeien dir eine große Karriere.

Kiwanuka Es fühlt sich in der Tat alles sehr gut an derzeit. Dieses Album könnte tatsächlich der entscheidende Schritt in meiner Karriere werden, das fühle ich irgendwie. Was ich definitiv spüre, ist, dass die Leute sich jetzt mehr für meine Musik interessieren. Ich habe den großen Traum, die Songs irgendwann einmal mit großem Orchester zu spielen, vielleicht in der Royal Albert Hall.

Das Titelstück Love And Hate ist hier zum heimlichen Hit des Festivals geworden. Am Ende haben die Zuschauer es mitgesummt, auch, als das Konzert längst zu Ende war. Was bedeutet das Stück dir persönlich?

Kiwanuka Es ist mein Lieblingsstück auf diesem Album, definitiv. Weil es so simpel ist und für mich trotzdem komplett klingt. Deshalb bin ich auch so zufrieden damit. Bei diesem Song hatte ich zuerst nur das Hauptmotiv. Babadabadaba (Kiwanuka summt, Anm. d. Red.). Ich habe es dann wieder vergessen. Dann war ich einige Monate später im Studio, arbeitete an einem anderen Song. Der gelang aber nicht. Ich war frustriert, aber weil dieser Song die gleichen Akkorde hatte wie "Love And Hate", habe ich das alte Motiv Babadabadaba noch einmal gespielt. Mein Produzent fragte: Hey, was ist das denn? Und dann war das Lied plötzlich da. Solche Momente machen mich glücklich.

Es gibt ein anderes Stück auf diesem Album, die erste Single "Black Man In A White World" - Schwarzer Mann in einer weißen Welt. Was hat das Thema Hautfarbe für dich noch für eine Bedeutung?

Kiwanuka Das ist mein Statement. Es geht um Identität, Aufstehen, mutig sein; akzeptieren, dass man anders ist; keine Angst zu haben.

Du lebst in London, in Amerika gibt es derzeit nahezu täglich Nachrichten von Konflikten zwischen Schwarzen und Weißen. Wie ergeht es dir?

Kiwanuka In London ist das anders. Die Stadt ist bunt, offen, multikulturell. Aber es gibt Gegenden, in denen es auch hier Konflikte gibt. London ist in meinen Augen mehr geprägt von Klassenkonflikten als von Konflikten zwischen Menschen verschiedener Hautfarbe. Als Schwarzer musste ich mir in London dennoch früh meiner Identität bewusst werden. Meine familiärer Hintergrund ist Uganda. Ich war immer der andere.

Welche Bindung hast du zu Uganda, bist du dort gewesen? Wie findet dies Niederhall in deiner Musik? Es gibt immer mehr Bands, die afrikanische Elemente in ihre Musik einbauen, auf Percussion setzen.

Kiwanuka Ich bin schon einige Male in Uganda gewesen, es ist ein tolles Land. Der Einfluss auf meine Musik ist nicht zu groß. Man findet Spuren in "Black Man In A White World". Aber in erster Linie bin ich Brite.

Welche Bands hatten Einfluss auf dieses Album?

Kiwanuka Pink Floyd, The Who, Isaac Hayes, Neil Young, auch Jimmi Hendrix. Ich liebe Hendrix. Ich habe viele dieser Bands und Musiker ständig gehört, während ich das Album aufgenommen habe.

Quelle: RP
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