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Rees
"Haldern ist keine Filiale von Rees"

Rees: "Haldern ist keine Filiale von Rees"
Das Stengeltefest war auch ein Kneipenabend. Wie hier im Gasthhof Tepferdt. Tabea von der Linde serviert hier Stengelmus mit Beilagen. FOTO: Markus van Offern
Rees. Festakt zum 975. Geburtstag des Lindendorfes. 300 Gäste im Saal Tepferdt. Spannender Vortrag von Dr. Christoph Reichmann. Von Michael Scholten

Das ist Musik in den Ohren der Lokalpatrioten: "Haldern ist keine Filiale von Rees", betonte Bürgermeister Christoph Gerwers beim Festakt zum 975. Geburtstag des Lindendorfes. Der in Haldern lebende erste Bürger der Stadt Rees nahm damit Bezug auf die Stunde null der Halderner Zeitrechnung: Denn im Jahr 1040 gründete Irmgard von Aspel ein Marienstift mit großer Kirche in Rees, aber lediglich eine Filialkirche in Haldern. Gerwers lobte den Ortsteil als "außerordentlich lebendiges Dorf", in dem Vereine, Gewerbetreibende und Ehrenamtliche ein reiches sportliches, kulturelles und kirchliches Angebot garantieren. Das Haldern Pop Festival begrüße jedes Jahr Menschen aus aller Welt und sei in Zeiten der aktuellen Flüchtlingskrise ein Vorbild an Willkommenskultur.

Gastredner Dr. Christoph Reichmann verwies die 300 Gäste im Saal des Gasthofs Tepferdt darauf, dass Halderns Geschichte sehr viel älter ist als 975 Jahre. Dies belegte der pensionierte Leiter des Museums Burg Linn in Krefeld, der 1950 in Haldern zur Welt kam, mit Hilfe von Funden aus fränkischen Siedlungen und Gräbern.

Sein eigenes archäologisches Interesse habe 1966 begonnen, als er am Galgenberg eine Pfeilspitze aus Feuerstein fand und dem in Haldern tätigen Archäologen als Grabräuber gemeldet wurde. Dr. Reichmann berichtete von bedeutenden Funden in der Wittenhorster Heide und von unkonventionellen Grabungsmethoden auf Halderner Gebiet, aber auch von "den Hegmännern aus der Isselburger Straße", die als Ausgrabungshelfer nicht zuletzt dadurch auffielen, dass sie plötzlich mit einem neuen Rosenkranz - "ganz aus fränkischen Perlen" - im Halderner Gottesdienst auftauchten.

Mit der jüngeren Dorfgeschichte beschäftigt sich der druckfrische Bildband "Haldern in alten Bildern", den das Führungsduo des Heimatvereins Haldern, Bernhard Uebbing und Clemens Reinders, präsentierte. Auf 140 Seiten erlauben mehr als 250 Fotos einen höchst interessanten Streifzug durch die Jahre 1900 bis 1979. Clemens Reinders hob drei Fotos aus dem zehn Euro teuren Buch exemplarisch hervor. Da ist der Jungbauer Karl Naß, der im Opel Kadett sitzt und vor der Kulisse des väterlichen Hofes die "Frechheit und Freiheit der 70er-Jahre" ausstrahlt. Auf einem schwarzweißen Foto aus den 50er-Jahren steht Hilde Winters mit ihrer Schwester mitten in einem Gemüsebeet. "In der Nachkriegszeit wurde jede Ecke des Gartens ausgenutzt, Sparsamkeit und Selbstversorgung waren wichtig", sagte Reinders, der ein Jahr Arbeit in den neuen Bildband investierte.

Ein Foto vom September 1944 zeigt Karola Reichmann und Agnes Ingenhorst lachend auf einem Rübenfeld. Die dienstverpflichteten Mädchen mussten entlang der Ausfallstraßen Einmanlöcher zum Schutz vor Angriffen der Jagdbomber graben.

Im Rahmen des Festaktes ließen die Halderner Schützen ihren neuen Dorfkaiser Manfred Daleske mit einem dreifachen "Gut Schuss" hochleben. Der Brudermeister der St. Josef-Schützen hatte sich im Juli beim Wettkampf gegen 101 andere ehemalige und amtierende Schützenkönige aus Haldern und Umgebung durchgesetzt. Sein Stellvertreter Helmut Schaffeld verlieh ihm den Orden "Dorfkaiser 2015 bis 2040", denn erst zur 1000-Jahrfeier in einem Vierteljahrhundert wird das Kaiserschießen wiederholt.

Die Haldern Strings und der Pfarrcäcilienchor St. Georg beschlossen den offiziellen Teil des Abends mit Hermann Ludwig Blankenburgs Haldern-Lied, bevor ein Stengelte-Menü serviert wurde und die "Moonlights" die Bühne übernahmen.

Quelle: RP
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