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Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Beim diesjährigen Haldern Pop Festival treten mehr als 60 Bands und Künstler auf (den offiziellen Zeitplan gibt es hier). Wir haben uns alle Musiker vorab angehört und auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet. Unsere ganz subjektiven Rezensionen im Überblick. 

Thees Uhlmann - # 2

Was soll man über diesen Kerl und diese seltsame Verbindung zum Haldern-Pop-Festival noch schreiben? Erst weigerten sich die Haldern-Macher beharrlich, eine Band vom Label Grand Hotel van Cleef nach Haldern zu holen, obwohl gefühlt der halbe Zeltplatz auf dem Höhepunkt der Kettcar-Tomte-Phase danach lechzte. Jetzt, wo das Grand Hotel und mit ihm sein Personal sichtbar altert, kommen mit schöner Regelmäßigkeit Labelkünstler an den Niederrhein, mit Thees Uhlmann nun sogar mal wieder einer der prominentesten Bewohner des Grand Hotel. Dass ihm das Etikett „der deutsche Bruce Springsteen“ verliehen wurde, lässt Thees häufig nicht unerwähnt. In den vergangenen Monaten geisterte der Typ mit seinem Debütroman „Sophia, der Tod und ich“ durch die Feuilletons. Nach Haldern kommt er mit seinem immer noch aktuellen Album „#2“. Es ist textlich wieder eine Ode an die Heimat, an die Freundschaft, wenn man es groß schreiben will: an die Menschheit. Uhlmann traut sich hier mehr, löst sich vom klassischen Rocksong, lässt orgeln wummern, übt sich in catchy Refrains. Nüchterner ehrlicher Befund: Wer die Songs drei Jahre nach dem Erscheinen des Albums noch einmal mit einer gewissen Distanz hört, der spürt: Sie haben nicht die klasse der Tomte-Songs.

Klingt nach: Tomte, Mikroboy, Bruce Springsteen

Punkte: 3,5/5


 

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Glen Hansard – Didn't he ramble

Der Zeitpunkt, als der Ire Glen Hansard auf der Bühne des Haldern-Pop-Festivals steht, eine junge Frau aus dem Publikum nach oben bittet und mit ihr gemeinsam spontan ein herzergreifendes Duett anstimmt – es wird wohl auf ewig einer der besten Festivalmomente der Haldern-Pop-Geschichte sein. Haldern hat Hansard seitdem in sein Herz geschlossen. Diese Vorschusslorbeeren weiß das aktuelle Album „Didn't he ramble“ voll zu erfüllen. War der Vorgänger „Rythm and Response“ von 2012 noch das filigrane Werk eines ehemaligen Straßenmusikers, so ist „Didn't he ramble“ Ausdruck des musikalischen Mutes und vollendeter Reife. Hansard greift öfter zur E-Gitarre, lässt sich von Bläsern begleiten, reduziert seinen Sound nicht auf Britfolk, sondern packt Soul und Country rein. Erhabene Songs sind das, denen das tonnenschwere Pathos niemals die Leichtigkeit nimmt.

Klingt nach: The Swell Season, The Frames, Damien Rice, Tom McRae

Punkte: 5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Jack Garratt – Phase

Zwei Sommer lang galt der Elektropop von Jack Garratt aus Buckinghamshire als der Sound der Zukunft. Die britische BBC handelte ihn als kommenden Superstar, die Vorschusslorbeeren wuchsen in den Himmel. Wohlgemerkt: Es gab damals noch kein Album. Im Februar 2014 erschien „Phase“ - und es kam, wie es kommen musste. Plötzlich waren alle Musikmagazine gar nicht mehr so überrascht von diesem Soul-, Folk-, Electroding, das anno 2016 gar nicht mehr so innovativ daherkommt. Garratt ist ein Do-It-Yourself-Künstler, er beherrscht das Spiel mit den Knöpfchen, türmt ein Soundkorsett aus Loops auf. Geduld ist gefragt bei dieser Musik – sie legt sich dem Hörer nicht auf den Teppich. Songs wie „Breathe Life“ oder „The Love You're Given“ sind eben doch nicht der schnelle Instanthit, als der Garratt noch vor zwei Jahren verkauft wurde. Das wiederum ist eine frohe Botschaft.

Klingt nach: Sohn, James Blake, Frank Ocean

Punkte: 4/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Cloves – Ohne Album

Die Sängerin Cloves aus Melbourne/Australien beliebt offenbar zu scherzen. Bei Facebook gibt sie als ihren Musikstil Scandinavian Soothing Metal. Das ist – um der Wahrheitsfindung zu dienen – eine ausgemachte Lüge. Popballaden singt die junge Frau auf ihrer Debüt-EP „XIII“, und nicht selten muss man hier an Adele und Lana Del Rey denken. Cloves' ist aber noch dringlicher, weniger aufgetakelt, direkt vom Herzen kommend. Das Album darf man mit Spannung erwarten.

Klingt nach: Lana Del Rey

Punkte: 4/5 

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Conner Youngblood – The Generation Of Lift

Als musikalischen Freigeist kann man den Amerikaner Conner Youngblood bezeichnen. Der Dreadlockträger aus Dallas verwebt Elektronik und Folkpop. Musikalisch geht das hier aber weit über das Genre Songwriter hinaus. Bei einem Song wie The Badlands, zu dem es auch ein sehenswertes Video gibt, muss man an Radiohead denken. Andere Songs erinnern an Bon Iver. Seine erste EP The Generation Of Lift machte Conner Youngblood auf Spotify publik, eine Million Mal wurde sie dort geklickt. Youngblood sollte man also auf dem Zettel haben.

Klingt nach: Bon Iver, Patrick Watson

Punkte: 4/5

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The Strypes (IRL) – Little Victories

Einen Innovationspreis werden die jungen Iren von The Strypes mit diesem Album nicht gewinnen. Wobei: Gehört heute schon wieder Mut dazu, sich als Band zu ganz schnödem Rock'n'Roll zu bekennen, diesem simplen Monster aus Riffs und rotzigem Gesang? Auf ihrem Zweitwerk macht die Band, die schon 2013 in Haldern gastierte, insofern vieles richtig. Sie spielt einen bluesgetränkten Rock, der in den Indiediscos der 2000er zwischen den Libertines und den Arctic Monkeys einen Platz gefunden hätte. Eine alte Moderegel sagt: Alles kommt irgendwann wieder. Wer weiß: Vielleicht also werden die Strypes irgendwann für ihre Musik doch noch einen Innovationspreis gewinnen.

Klingt nach: Arctic Monkeys, The Small Faces, The Rolling Stones

Punkte: 3,5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

The Rad Trads – Must We Call Them Rad Trads

Das in New York beheimatete Sextett The Rad Trads übt sich angenehm aus der Zeit gefallen Countryrock mit Jazzelementen und Soulspirit. In ihrer Heimat haben sie sich damit den Ruf einer famosen Liveband erspielt, was wohl nicht zuletzt an der Bläsersektion liegt, die nicht selten im Song wunderbar vor sich hin torkelt. Die Herren machen gar nicht erst den Versuch, neue Weltstars zu werden. So erreicht man zwar Höchstpunktzahlen, aber Sympathien: Man spürt hier förmlich die Lust am Spielen, die Energie und den Enthusiasmus.

Klingt nach: Bob Dylan, Lee Fields

Punkte: 3/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Samm Henshaw – The Sound Experiment (EP)

Wenn das mal keine klassische Soulbiografie ist: Der 1994 geborene Songwriter Samm Henshaw mit familiären Wurzeln in Nigeria hat die Liebe zum Soul und Gospel in der Kirche gefunden. Seine Band besteht immer noch in weiten Teilen aus Freunden seiner frühen Jugend in Südlondon. Musikalisch steht bei diesem smoothen Jazzpop steht D'Angelo Pate, der Vortrag gerät manchmal leider zu schwachbrüstig.

Klingt nach: Frank Ocean, D'Angelo

Punkte: Ohne Wertung

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Jalen N'Gonda – ohne Album

Soulmusik spielen viele in diesen Zeiten, aber auf den Motown-Soul der Sechziger wird sich in letzter Konsequenz nur selten berufen. Der aus den Staaten stammende, jetzt in Liverpool beheimatete Jalen N'Gonda spielt exakt diesen vom klassischen Motown beeinflussten Soul. Mit seinen ersten Songs ragt er jedoch leider musikalisch noch nicht heraus aus der inflationären Anzahl an Künstlern, die der Musik wieder Seele geben wollen.

Klingt nach: Sam Cooke

Punkte: Ohne Wertung

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Loney, Dear – Hulls (Single)

Im Spätsommer 2016 soll das neue Album des schwedischen Singer-Songwriters Emil Svanängen erscheinen. In Haldern ist er mittlerweile Stammgast, musikalisch ist dort der akustisch-melancholischen Zartbitterpop so wohlbekannt wie gut aufgehoben. Mit der ersten Single “Hulls” aus seinem neuen Album “Comma”, das auf Haldern Pop Records erscheinen soll, fügt er seinem Oeuvre eine spannende Komponente hinzu: Tiefschwarz ist die Stimmung, Emils dringliche Stimme liegt hier über einem Teppich aus Synthesizern. Bedrohlich und gleichwohl warm klingt dies. Wir sind gespannt, wie die neue Dunkelheit sich auf die Liveperformance auswirkt.

Klingt nach: Sufjan Stevens, José Gonzáles

Punkte: Ohne Wertung

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Hubert von Goisern – Federn

Die Haldern-Pop-Festivalmacher pflegen neuerdings eine besondere Verbindung nach Österreich und zum Kaltern Pop-Festival. Mit dem oberösterreichischen Liedermacher und Weltmusiker Hubert von Goisern kommt ein Künstler des Genres “Neue Volksmusik” nach Haldern, in dessen Fahrwasser längst Bands wie La Brass Banda oder Monobo Son schwimmen. Das aktuelle Album von 2015 heißt “Federn” - Alpenrock trifft hier wieder auf globale Sounds aller Kontinente. Als Kulturenversteher kann man von Goisern feiern. Man darf gespannt sein, wie die Festivalgemeinde diesen Paradiesvogel aufnimmt.

Klingt nach: Zillertaler Schürzenjäger, Rainhard Fendrich

Punkte: ohne Wertung

 

 

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Michael Kiwanuka – Love & Hate

Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Londoner Retrosouler Michael Kiwanuka mit seinem neuen Album “Love & Hate” der neue Star am Soulhimmel wird. Wehklagen, Jauchzen, Frohlocken – der Typ kann stimmlich einfach alles. Auf seinem Debüt “Home again” orientierte er sich noch am Soul, hier aber wildert Kiwanuka munter in der Fibel des Pop: Gospel und Funk sind zu hören, es gibt herzergreifende Backgroundchöre, satte Streicherparts, mutige Gitarrensoli und die Orgeln dürfen wimmern wummern, dass man nichts mehr anderes hören will als Orgeln. Es wundert nicht, warum Mr. Kiwanuka schon im Vorprogramm von Adele sang. Demnächst wird er der männliche Adele, Pop-Adel! Als Einstiegslied sollte man unbedingt den 7:07 Minuten langen Titeltrack “Love & Hate” hören und sich erfreuen, mit welch einfachen Mitteln auch heute noch ein guter Popsong geboren werden kann. Wir legen uns fest: Kiwanuka wird der Hero dieses Festivals.

Klingt nach: Marvin Gaye, Isaac Hayes, Bill Withers

Punkte: 5/5

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Hothouse Flowers – ohne aktuelles Album

1985 gründeten sich die Hothouse-Flowers und sind damit nur ein Jahr jünger als das Haldern-Pop-Festival selbst. Die erste Single wurde auf dem Label von U2 veröffentlicht, das erste Album kletterte in Irland auf Platz 1, in UK auf Platz 2. Die ganz große Karriere blieb der irischen Band zwar verwehrt. Bei den Machern des Haldern-Pop-Festivals werden die Musiker weiterhin verehrt: 1998 war die irische Soulrockband bereits auf dem Reitplatz zu Gast, damals spielte dort auch eine gewisse Band namens Guano Apes. Die sind längst Geschichte, die Hothouse Flowers machen weiter, ohne neues Album zwar, dafür mit einigen Klassikern wie der Single “Don't go”. Wer sich die noch mal auf Youtube gibt, der verstejt,

Klingt nach: Simply Read, Van Morrison, Crowded House

Punkte: Ohne Wertung

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Wintergatan – Marble Machine

Zum zweiten Mal sind Wintergatan aus Schweden in Haldern auf der Reitwiese zu Gast. Das letzte Album “Wintergatan” von 2013 noch aktuell. Folktronica nennt die Band ihr Genre und man liegt nicht daneben, wenn man das als Kirmesmusik im ursprünglichen Sinne versteht, also quitschbunt und zappelig. Eine Ahnung von der Soundidee verleiht die neue Single “Marble Machine” (2015) mit einem sehenswerten Video. Die Marble Machine ist nämlich eine selbstgebaute Murmelbahn, die Klänge durch Kugeln erzeugt. Unglaublich, sollte man auf Youtube gesehen haben. Große Freude!

Klingt nach: Murmelbahn

Punkte: Ohne Wertung

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Rationale – ohne Album

Der Londoner Produzent Rationale ist als Musiker weithin unbekannt, stand bisher immer hinter den Reglern. Das soll sich ändern – die ersten im Netz erschienenen Tracks deuten an, wohin die Reise geht: Stimmgewaltiger Elektrosoul, wie man ihn derzeit überall hören kann: Man ist leicht verleitet, das eine 08/15-Variante von Pop zu nennen, doch dann sieht man sich den Typen bei Youtube an und versteht, warum da mehr draus werden könnte.

Klingt nach: James Blake

Punkte: Ohne Wertung

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Izzy Bizu – A Moment Of Madness

Soul Power! Die in London geborene Isobel Beardshaw, Wurzeln in Äthiopien, hat keine klassische Zero-To-Hero-Popkarriere hingelegt. Ihre Karriere folgte einem Masterplan: Sie studierte Gesang am British And Irish Modern Music Institute, machte ihr Diplom, nahm an einem Open-Mic-Wettbewerb teil und trat dann im Vorprogramm von Sam Smith und auf dem renommierten Glastonbury-Festival auf. Mit „White Tiger“ landete eine Single in den deutschen Charts. Im Sommer folgt das Debütalbum. „A Moment Of Madness“ ist sommerliche Poptanzmusik, die stellenweise den Vorbildern der Izzy Bizu folgt: Billy Holiday, Amy Winehouse, Fugees. Die Gartenparty, die durch diese Musik nicht zum Tanzen gebracht wird, muss erst noch erfunden werden.

Klingt nach: Lauryn Hill, Rox, Macy Gray

Punkte: 3,5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Gewalt – noch ohne Album

Den Musiker Patrick Wagner, geboren in Österreich, aufgewachsen in Rheinland-Pfalz, kannte man als Frontmann der 2000er-Jahre-Noiserockband Surrogat. Für einen Sommer galten die Typen als wichtig und Wagner als das Großmaul der Rockmusik hierzulande. Danach machte der Mann zwölf Jahre keine öffentliche Musik mehr, gründete stattdessen ein eigenes Label, arbeitete beim Musikmulti Universal. Sein Comeback gibt Wagner mit zwei Mitmusikern unter dem nicht eben quotenträchtigen Namen „Gewalt“ - aufgenommen mit Kassettenrekorder, brachialer Gitarre, Rückkopplungen, dazu ein schonungslos die eigenen Stimmbänder strapazierender Gesang. Hier bahnt sich Gewalt musikalisch ihren Weg. Besser so als anders.

Klingt nach: Fucked Up, Surrogat

Punkte: ohne Wertung 

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Algiers – Algiers

Punk, Funk, Soul - das amerikanische Trio Algiers aus Atlanta wagt sich an eine bis dato ungehörte Fusion dreier Musikstile. Der energiegeladene Rock schöpft seine Kraft aus dem Stimmvolumen von Sänger Franklin James Fisher und aus den textlichen Botschaften: Den Kampf gegen den Rassismus – in der Deutung von Algiers ein Produkt des hegemonialen Kapitalismus – haben sich die Musiker auf die Fahne geschrieben. Man muss diesen Hintergrund kennen – nur so lässt sich dieser wilde Stilmix richtig deuten. Der Soul der Motown-Ära klingt hier ebenso durch wie der Punkrock von MC5, der Industrial von Bands wie Suicide und der Gospel der amerikanischen Südstaatenkirchen. Die Komplexität erschwert manchmal den Zugang zur Musik – aber live klingt das sicherlich wie Urgewalt.

Klingt nach: MC5, Bloc Party, James Brown

Punkte: 3,5/5

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The Graveltones – Love Lies Dying

Der Bluesrock ist zurück – seit längerem schon ist eine Rückbesinnung vieler Rockbands auf die Wurzeln im Blues erkennbar. Die Londoner Band The Graveltones geht den Weg weiter, den Bands wie The Black Keys schon vor ihr gegangen sind. Ihr Zweitwerk „Love Lies Dying“ präsentiert eine knochentrockene Spielart des Bluesrock – nur dass Gerippe aus Gitarrenriffs, Bass und Schlagzeug wird vor dem Hörer ausgebreitet. Sänger Jimmy O, wie sein Bandkumpel Mikey Sorbello gebürtig aus Australien, zetert und schimpft dazu. Wohlwollend kann man ihm das als Gesang auslegen, nicht selten klingen die Worte auch wie ausgespuckt. Für diese Rockmusik sei hiermit das Adjektiv „kraftmeierisch“ in den Duden aufgenommen.

Klingt nach: White Stripes, The Black Keys

Punkte: 4/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Sara Hartman – Satellite (EP)

Alle gehen nach Berlin, jetzt sogar die New Yorker: Sara Hartmann kam 2014 von Hamptons/New York in die Bundeshauptstadt, um professionelle Musikerin zu werden. Stimmlich könnte das gelingen: Die erste EP „Satellite“ mit vier Tracks gibt eine Ahnung vom Talent der jungen Frau, die einer Mischung von warmen Analogsounds und elektronischem Unterbau vertraut. Das ist das Futter für ihr warm-wohligen Popsongs, die nicht unter die Haut, aber immerhin ins Ohr gehen.

Klingt nach: The XX, Boy, Marina & The Diamonds

Punkte: 3/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Ala.ni – You & I

Die Londoner Chanteuse mit dem Künstlernamen Ala.ni singt, als würde eine Schallplattenaufnahme der Fünfziger Jahre imitieren. Die Songs ihres Debüts „You & I“ klingen wie ein Nostalgietrip in das Amerika der Fünfziger. Eine junge Frau erzählt hier lieblich und unbeschwert von der Liebe – von leichten Küssen und Lippen wie Frühling. Ala.ni war einst Backgroundsängerin von Andrea Bocelli und Mary J. Blidge. Jetzt schiebt sie ihre Stimme selbst in die erste Reihe. Wer hier an den smoothen Jazz einer Billy Holiday denkt, liegt nicht allzu fern. Manchmal plätschert das allerdings zu sehr, um wirklich zu begeistern.

Klingt nach: Billy Holiday, Judy Garland

Punkte: 3/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Jambinai – A Heritage

Manchmal muss eben nur alles anders machen: Die südkoreanische Band Jambinai hatte die Idee auf klassischen koreanischen Instrumenten Rockmusik zu spielen. Mit elektronischen Einsprengseln ist daraus eine eklektische Musik geworden, die Jazz, Weltmusik und Postrock in einem ist. Jambinai scheinen sich gegenseitig zu pushen, die Songs schwillen mit jedem Ton an, türmen sich in Loops auf, münden in kräftigen Riffs. Natürlich ist das spezielle Musik, sie erfordert Zugang. Gelobt sei aber jeder Künstler, der sich entschließt, ausgetretene Pfade zu meiden.

Klingt nach: Tortoise, Goodspeed You Black Emperor!

Punkte: 3/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Julia Holter – Have You In My Wilderness

Julia Holter führt mit ihrem aktuellen Album “Have You In My Wilderness” in die tiefe Nacht. Ihr Ambient-Folk deutet eine Struktur zunächst immer nur an, er flutet erst mal den Raum, und glaubt man ihn begriffen zu haben, hat Holter schon wieder eine neue Idee. Großartig ist dieses Dream-Pop-Werk, weil die in L. A. geborene Amerikanerin diesmal dennoch immer wieder den rechten Weg findet, weil sie hiermit nicht mehr nur Kritikerlieblingsmusik geschaffen hat, sondern Eingangstüren für jeden Pophörer bietet. Kate Bush gefällt das!

Klingt nach: Kate Bush, Joanna Newsom

Punkte: 4,5/5

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Soap & Skin – Narrow

Große Nachtmusik – was die Österreicherin Anja Plaschg alias Soap & Skin mit „Narrow“ geschaffen hat, legt einen schwarzen Schleier über alle Gedanken. Soap & Skin macht düstere Weltverlorenheitsklänge. Das eröffnende Klavierstück „Vater“ ist der musikalische Grabstein für den verstorbenen Papa. „Wo immer ich aufschlage, finde ich Dich/ Du fällst im Schatten der Tage, als Stille und Stich“. Wer hernach noch atmen will, der verirrt sich auch im restlichen Wald der Schwermut nicht.

Klingt nach: Nico, Björk

Punkte: 4/5

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The Angelcy – Exit Inside

Schöner Bandname: The Angelcy, frei übersetzt mit „Agentur für Engel“. Das Sextett aus Tel Aviv hat in der Heimat Israel schon viele Freunde gefunden und obwohl ihr beschwingter Folk Antikriegsmusik ist, für ein anderes Israel plädiert, wird diese Musik selbst vom Armeesender gespielt. Das liegt an der musikalischen Leichtigkeit, mit der The Angelcy die frohe Botschaft übertragen. Es klingt mit den Sehnsuchtsbläsern manchmal wie Balkanfolk, dann wieder wie ein wehmütiger orientalischer Blues. Am Ende wird es wohl Weltmusik im besten Sinne sein – überall auf der Welt zu Hause. Es ist kein Grund zu erkennen, warum The Angelcy nicht auch hierzulande gespielt werden sollten.

Klingt nach: Cristobal And The Sea

Punkte: 4/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

The Vryll Society – Coshh (EP)

Aus Liverpool, Heimatstadt der Beatles, kommt das Quintett The Vryll Society, das seit geraumer Zeit als heiß gehandelter Act auf der Insel gilt. Die vorliegende EP verleiht eine Ahnung davon, warum die Hoffnung besteht, dass diese Herren den Talentstatus dereinst hinter sich lassen können. Der treibende Rock erinnert an britische Popmusik im Stile von The Verve – auch Einflüsse des Krautrock (The Vryll Society mögen NEU!) lassen sich nicht leugnen. Liverpudlians, die sich von Krautrock inspirieren lassen: Das ist bei den Beatles ja schon einmal ganz gut gelungen.

Klingt nach: The Verve, The Charlatans

Punkte: 3,5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Alex Vargas – Giving Up The Ghost (EP)

Meist ist es kein schlechtes Zeichen, wenn man nur schwerlich eine Schublade für einen Künstler findet. Im Falle des Dänen Alexander Vargas Blay, Künstlername: Alex Vargas, ist es wahrlich schwer. Die Songs sind zu dezent produziert, um echte Elektrosongs zu sein, haben zu wenig musikalische Seele, um als Soul durchzugehen, und warum manche Journalisten ihn im Genre Songwriter verorten, erschließt sich nach dem Hören der EP „Giving Up The Ghost“ nicht. Mr. Vargas irrt manchmal noch zu ziellos umher – dabei zeigt ein Song wie „Shackled Up“, das er es eigentlich kann.

Klingt nach: The Weeknd, James Blake

Punkte: 3/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Albin Lee Meldau – Lovers

Mr. Meldau ist ein junger Songwriter aus der Stadt Gothenburg in Schweden. Auf der EP „Lovers“ deutet der Kerl an, warum das Label Universal ihn unter Vertrag nahm. Der Endzwanziger, der lange Mitglied der schwedischen Band Magnolia war, beherrscht die Kunst, gefühlvolle Soulfolksongs nicht zu überfrachten mit Pathos. Es fehlt allerdings auch etwas an Tiefe, Ecken und Kanten bei dieser Musik.

Klingt wie: Hozier, Tom Odell

Punkte: 3/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Jason Isbell – Something More Than Free

Songwriter Jason Isbell war früher Mitglied der Americana-Country-Band The Drive-By Truckers. Als Soloartist ist „Something More Than Free“ sein nunmehr fünftes Werk. Deutlich fröhlicher als das frühere Schaffen klingt diese Americana-Music. Der Typ ist auf seinem Rappen früher verlässlich von Krise zu Krise geritten, und tat wenig gegen das Image eines lonesome cowboys. Mit Songs wie „How To Forget“ erreicht Isbell ein neues Niveau und sammelte gar Grammys und weitere Preise ein. Wie singt die Band Aeronauten so schön? Mit dem Alter fängt man an, sich für Countrymusik zu interessieren.

Klingt nach: Ryan Adams,Wilco, Drive-By Truckers

Punkte: 4/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

The Besnard Lakes – A Coliseum Complex Museum

Die 2001 gegründete kanadische Band The Besnard Lakes besteht im Kern aus dem Ehepaar Jace Lasek and Olga Goreas. Ihre Heimat ist Montreal, das Paar benannte die Band nach dem Besnard See, wo sie sich lieben gelernt haben. Auf ihrem nunmehr fünften Album setzen die Kanadier, die sich live und im Studio durch Musiker anderer Bands wie Godspeed You Black Emperor! oder Stars begleiten lassen, auf getragenen Space-Dream-Rock, zweistimmig intoniert., selten unter der Fünf-Minuten-Grenze. An Liebhaber abzugeben.

Klingt nach: Stars, Beach House

Punkte 3/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Sean Noonan – Memorable Sticks

In Sachen Trendsetting war Haldern immer ein Trendsetter. Wenn jetzt Künstler wie Sean Noonan auf dem Reitplatz auftreten, dann ist das die Untermauerung der These, dass der Jazz im Pop wieder an Bedeutung gewinnt. Künstler wie Gregory Porter und Kamasi Washington haben den Jazz im Mainstream den Weg gebahnt. Mit Sean Noonan kommt ein Underground-Jazzkünstler nach Haldern, der den Jazz so frei interpretiert, wie man ihn freier kaum interpretieren kann. Sean Noonan versteht seine Aufgabe als die eines Wanderers zwischen den Welten, am Straßenrand Melodien aufsammelnd. Afro-Celtic-Punk-Jazz kann man das nennen. „Memorable Sticks“ ist ein Album für Freaks: Weltmusik und Jazz versucht der Ire zu vereinen. Das einzige, das hier vorhersehbar ist, ist die Unvorhersehbarkeit. Oscar Peterson für Punks.

Klingt nach: nichts anderem

Punkte: ohne Wertung

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Daughter – Not To Disappear

Das Londoner Trio Daughter hat mit seinem neuen Album „Not To Disappear“ einen Satz gemacht – dominierte auf dem allseits bejubelten Debüt „If You Leave“ von 2013 noch der Indiefolk, so bewegen sich drei nun in Richtung Dreampop. Dass hier eine Gitarre für die Grundarchitektur sorgt, ist immer noch erkennbar. Synthies und Keyboard bilden hier aber die warme Decke, die flauschig jeden Song umhüllt Elena Todra hat die Stimme einer Elfe, die durch den Wald huscht. Songs für die blaue Stunde hört man hier, zwischen Tag und Nacht, warm und doch so gebrechlich. Daughter schaffen es mit diesem Album, aus dem Schatten der coolen Elektroniker von The XX zu hüpfen.

Klingt nach: The XX, Sigur Ros, Under Byen

Punkte: 4/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Die Nerven – Out

Schon den Bandnamen darf man als einen Verweis verstehen. Die Nerven! Die nerven? Ja klar, diese Musik ist in einem hohen Maße zerstörerisch, kracht, lärmt, stört, nervt auch. Das muss aber so. Das haben sich die Jugendlichen selbst ausgedacht. Die Nerven sind eine Punkband aus Stuttgart, für die die Idee von Punk nur den Impetus bildet. Die Songs sind vertrackter, als es das Genre Punk eigentlich zulässt. Die Nerven spielen auf ihrem Drittwerk mit dem Gegensatzpaar von Laut und Leise, Bass und Drums bilden das Kontinuum, die Gitarre leistet sich Ausbrüche. Das clevere Songwriting erinnert nicht selten an Sonic Youth. Textlich geht es um das verlorene Ich in einer ohnehin heillos desorientierten Welt. Vielleicht muss man also den Bandnamen auch als Aussage zu all den anderen verstehen – sie nerven!

Klingt nach: Sonic Youth, Love A, Boxhamsters

Punkte: 4,5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

The Lyctics – Hold On EP

Die kanadische Rapformation The Lyctics ist ein Familiending – die Brüder Andrew, Alex und Anthony Sannie machen mit ihrem Cousin Mungala Londe gemeinsame Sache. Die Truppe aus Winnipeg spielt eine lebensbejahende Variante des HipHop, die nicht selten an A Tribe Called Quest und The Roots erinnert. Hier geht es nicht um HipHop als BlingBling-Veranstaltung, dicke Ringe, dicke Autos. Familie Lyctics scheint es spürbar auch an die Laune an der Melodie zu gehen. Wie heißt es hier so schön im Song „Legendary“ - „We got Hits“. Was zu beweisen wäre. Die erste EP macht Laune.

Klingt nach: The Roots, Spooks

Punkte: 4/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Amber Arcades – Fading Lines

Hinter dem Bandnamen Amber Arcades verbirgt sich die niederländische Songwriterin Annelotte de Graaf. Ihre erste EP veröffentlichte sie nach einer Rückkehr aus den Staaten. Mit Fading Lines hat sie ein Debütalbum eingespielt, das ihre luftige Stimme, mitunter nur dahingehaucht, in den Mittelpunkt stellt. Bassgitarre und oftmals krautrockig gespielte Gitarren begleiten ihren Gesang im Hintergrund. So wandelt sie stets stilsicher zwischen Indiepop und Folk. In Songs wie „This Time“ erinnert sie stimmlich und vom Songwriting-Ansatz her an die Cardigans. Die Lieder schluffen angenehm ziellos vor sich hin. Die perfekte Begleitung für einen arbeitsfreien Wochentag im Liegestuhl.

Klingt nach: Cardigans, Beach House

Punkte: 3,5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

This Is The Kit – Bashed Out

Vor einem Jahr ist dieses Album veröffentlicht wurden und Kate Stables, Sängerin und Mastergenius von This Is The Kit, wurde von der Musikjournallie das Lob zuteil, mit diesem Album ihren Durchbruch forciert zu haben. Wieder hatte Aaron Dessner (The National) die Finger im Spiel. The National gilt als Förderer von This Is The Kit. Der große Karrrieresprung, so viel sei vorausgesagt, ist immer noch nicht geschehen. Verdient hätte es die Frau, denn die Songs auf „Bashed Out“ sind allesamt kleine Entdeckungen. Die oft nur dahingehauchten Liedchen wirken unscheinbar und fragil, aber je öfter man sie hört, desto mehr Details meint man zu erkennen. Hier ein Banjo, dort ein Synthiesound – wer Parallelen zu Belle & Sebastian entdeckt, liegt nicht falsch. Und wer weiß: Vielleicht wird man nach dem Festival sagen können: This Is The Durchbruch.

Klingt nach: Sufjan Stevens, Belle & Sebastian

Punkte: 4/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Trevor Sensor – Texas Girls And Jesus Christ

Alle fünf Jahre ein neuer Bob Dylan: So nahe wie der Amerikaner Trevor Sensor (22) ist His Bobness schon lange kein Songwriter mehr gekommen. Auf seiner famosen EP „Texas Girls And Jesus Christ“ frönt der junge Mann aus Illinois dem Hillybilly-Folk, krächzt sich mit der stimmlichen Energie einer Legehenne kurz vor dem Ableben durch die rauen Songs. Wir prophezeien ihm eine große Zukunft und wünschen uns den Kerl dereinst auf der Hauptbühne- Ganz allein, nur mit Gitarre, und einem großen Lagerfeuer im Hintergrund.

Klingt nach: Bob Dylan, The Tallest Man On Earth

Punkte: 5/5


 

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Fai Baba – The Savage Dreamer

Der Züricher Musiker Fai Baba heißt mit bürgerlichem Namen Fabian Sigmund und ist Teil einer neuen Bluesbewegung in der Schweiz. Er interpretiert den Blues frei, als Höllenritt durch die Stile. Da dürfen überraschende Soli erklingen, das Keyboard darf wummern. Die Songs folgen keiner direkten Logik. Mal klingt das wie rotziger Rockmusik im Stile der White Stripes oder Jimi Hendrix, dann wieder introvertiert und leidend wie B. B. King.

Klingt wie: White Stripes, B. B. King

Punkte: 3,5/5


 

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

 Ben Caplan & The Casual Smokers – Birds With Broken Wings

Jetzt gibt es kein Halten mehr: Auf seinem Debütalbum gab Ben Caplan noch den zurückhaltenden Crooner. Die Songs klangen wie ein alter Klepper, den man viele Jahre zu stramm am Zügel gezogen hatte. Das zweite Album von Ben Caplan aus dem kanadischen Halifax hingegen ist ein tollkühner Gaul, der sich auf keinen Reitstil einlassen will. Ben Caplan, der Mann mit dem riesigen Bart und dem Weirdo-Auftreten, traut sich hier was: Klezmer-Musik, Soul, Folk, Gospel – eine Vielzahl von Instrumenten begleitet ihn. Atemberaubend gut ist das Songwriting. Mancher wird an Tom Waits denken. Man muss nur „I Got Me A Woman“ hören, diesen Saloon-Schunkler, um zu wissen, dass Caplan Säle zu unterhalten weiß.

Klingt wie: Tom Waits, Beirut

Punkte: 4,5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Frightened Rabbit – Painting Of A Panic Attack

Die Schroffheit früherer Alben hat die schottische Band Frightened Rabbit abgelegt. Ihr neues Werk „Painting Of A Panic Attack“ wurde von Aaron Dessner (The National) produziert; und man darf urteilen: Diese Zusammenarbeit hat Eindruck hinterlassen. Frightened Rabbit klingen jetzt epischer, die Songs haben mehr Dramatik, büßen aber dafür leider auch an Indiecharme ein. Das Album erschien unter besonderen Bedingungen: Frontmann Scott Hutchinson, von Berufs wegen Melancholiker, zog der Liebe wegen von Glasgow ins sonnige Los Angeles – und schrieb Songs, in denen er sich mit Heimweg an sein altes Schottland erinnerte. Mit seiner Band daheim erarbeitete er die Songs per Mail. Dieser technische Ansatz führt manchmal zu mehr Glattheit, schafft aber auch großartige Monumente der Einsamkeit wie das finale „“Die Like A Rich Boy“. Eine Erkenntnis nach dem Hören des Albums: Du kannst wohnen, wo Du willst - Du bekommst den Schotten nicht aus Dir raus.

Klingt nach: Buffalo Tom, The National

Punkte: 3,5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Me + Marie – One Eyed Love

Seit 2012 schreiben Maria de Val aus Südtirol und Roland Scandella aus Graubünden gemeinsam an Songs. Das Duo hat mittlerweile in München eine Heimat gefunden, klingt aber international. Die Folkrocksongs auf „One Eyed Love“ erinnern an Bands wie Angus & Julia Stone und Dear Reader. Me + Marie wollen mit ihrer Musik nicht aufwühlen, sondern den Hörer leicht umschmeicheln. Dies geht manchmal auf Kosten der Spannung. Wäre der Begriff Kuschelrock nicht musikhistorisch vorbelastet, würde man ihn hier anwenden wollen.

Klingt nach: Angus & Julia Stone, Dear Reader

Punkte: 3/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Elias – Revolution (EP)

Der 19-jährige Schwede mit dem Künstlernamen Elias hat bisher nur Eps veröffentlicht. Die aktuelle heißt „Revolution Zu hören ist elektronischer Soul, allerdings nicht in der James-Blake-Jammervariante, sondern mit einer durchaus hoffnungsvollen Note. Davon zeugen Titel wie „Revolution“ oder „Makin Me Happy“. Aufgemotzt wird dieser Sound mit Streichern und Geigen. Wer dem Burschen mehr Zeit gibt als die handelsüblichen drei Minuten, wer die Songs immer wieder hört, der bemerkt großes Talent. Im Herbst soll das Debütalbum erscheinen. Elias – bald auch in Ihrem Radio.

Klingt nach: Hozier

Punkte: 3,5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Money – Suicide Songs

Na klar, der Albumtitel klingt nicht nach Polonaise. Und logisch: Wer auch nur eine Minute des Albums „Suicide Songs“ der Band Money aus Manchester gehört hat, der weiß, dass diese Musik auf den Autoselbstfahranlagen dieser Republik niemals gespielt werden wird. Zu akustischer Gitarre wird hier herzergreifend in die ewige Wehklage über die Tücken des Lebens eingestimmt. Die grundlegenden Fragen halt: Wer bin ich und wenn ja: Wie lange? Vieles erinnert hier an The Smiths, nur klingt Sänger Jamie Lees Stimme brüchiger. Und im Gegensatz zu den Smiths fehlt hier der Hit, der catchy Zugriff. Aber wahrscheinlich wollen die das auch gar nicht. "A cocaine Christmas and an alcoholic's New Year" heißt das letzte Lied. Womit ihnen zum Schluss vielleicht doch noch eine Polonaise gesichert wird.

Klingt nach: Andrew Bird, The Smiths

Punkte: 3,5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Minor Victories – Minor Victories

„Supergroup“ ist der Musikjournalist schnell zu urteilen geneigt, wenn sich Musiker mehrerer bekannter Bands zusammenschließen. Der Ertrag eines solchen Zusammenschlusses ist selten gewinnbringend. Im Falle der Minor Victories ist das Etikett „Supergroup“ zwar übertrieben – hier haben sich schließlich nur Mitglieder von Bands wie Slowdive, Mogwai und den Editors zusammengeschlossen. Herausragend ist aber der Ergebnis: Das Songwriting der Editors vereint sich mit dem dramatischen Rock von Mogwai und der Shoegazing-Rock von Slowdive. Postrock kann man dieses Amalgam wohl nennen. Die Songs klingen stets wie das Gewitter kurz vor dem Ausbruch. Sängerin Rachel Goswell (Slowdive) gibt dem Projekt die Stimme, sie flüstert und fleht – zusammen mit Streichern und kräftig bearbeitenden Drums wird hier eine spannende Atmosphäre erzeugt. Super zwar, aber zum Glück nicht Superband.

Klingt nach: Muse, Slowdive, Mogwai

Punkte: 5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Walking On Cars – Everything This Way

“Emotional” ist in Bezug auf Plattenrezensionen zumeist ein sehr unpassendes Wort. Es umschreibt oft nur die Mühe des Autors, nach Worten für das zu suchen, was er da gerade hört. Die irische Band Walking On Cars ist eine Band, die man schnell mit dem Wort „emotional“ zu umschreiben versucht ist. Warum? Weil die Songs auf dem Debütalbum „Everything This Way“ zwar sehr schnell das Formatradion erreicht haben, allerdings von seltsamer Konturlosigkeit sind. Das Quintett kommt aus der irischen Küstenstadt Dingle, landete mit dem Album in Irland auf Platz 1 der Charts, in Deutschland mit der Single „Speeding Cars“ auf Platz 18 der Singlecharts. Man kann sich das leicht erklären, wenn man die Musik hört. Das hier ist vor sich hin plätschernder Alternativepop, der so glattgeschliffen ist, dass er aus der Hand rutscht. Nicht jedermanns Sache.

 Punkte: 2/5

Klingt nach: Nickelback, Maroon5, Reamon

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

 Husky – Ruckers Hill

Das australische Duo Husky könnte eine der großen Entdeckungen dieses Festivals werden. Auf ihrem Zweitwerk „Ruckers Hill“ spielen die beiden Herren den Songwriter-Folk so ehrlich und charmant, wie man es seit den Fleet Foxes nicht mehr gehört hat. Wenn man mal kein Streichholz zur Hand hat, sollte dieser Sound das Lagerfeuer selbst zu Brennen bringen. Der Albumtitel ist eine Hommage an den australischen Berg, an dessen Fuß die Band wohnte. Diese Kulisse prägt: Die Songs erzählen von der Magie der Landschaft, die man vom Gipfel des Ruckers Hill aus sieht. Sänger Husky Gawenda hat eine mitreißend schöne Stimme, die Songs sind von großer Eingängigkeit – es gibt kaum Ausfälle auf diesem Album, das bereits im Oktober 2014 erschien, international aber noch viel zu wenig Beachtung fand. Natürlich erinnert hier vieles an Simon & Garfunkel, der Falsettgesang, die wohlige Kuscheligkeit in den Songs. Aber jeder Hörer kann seinen ganz eigenen Lieblingsteil Musikgeschichte entdecken.

Klingt nach: Fleet Foxes, Crosby Stills Nash & Young, Simon & Garfunkel

Punkte: 5/5


 

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Lea – Vakuum

Im Alter von 15 Jahren veröffentlichte Sängerin Lea aus Hannover erste Songs im Videoportal Youtube. Dieser Publikationsweg führte die Künstlerin letztlich zum Label Four Music, wo im Frühling dieses Jahres das Album „Vakuum“ erschien. Irgendwie unentschieden klingt diese Musik, die zu introspektiv ist, um völlig Pop zu sein, aber produktionstechnisch viel zu aufgeplustert, um wirklich unter die Haut zu gehen. Die Songs haben durchaus Format, aber hier konnte sich ein Produzent nicht entschieden, ob Frau Lea jetzt die deutsche The XX oder die neue Hildegard Knef werden soll. Überall pluckert und knarzt es, der Bass wummert, glockenhell dazu Leas Stimme. Als Monolog, als ständige Selbstsuche und der Versuch des Auslotens eigener Gefühle soll dieses Album gelesen werden. Man will das ja glauben, hat aber das Gefühl, dass diese Kunst in eine musikalische Hülle gepackt wurde, der am Ende auch der Sängerin selbst nicht gefällt.

Punkte: 2,5/5

Klingt nach: MIA, The XX

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Melanie di Biasio – No Deal

Als belgische Billy Holiday wird Melanie di Biasio manchmal bezeichnet. Wer die Songs des Albums „No Deal“ aus dem Jahr 2013 hört, der findet Belege für diesen Vergleich. Tatsächlich ist das Jazzmusik, die so schwarz so schwarz ist, dass es einen stellenweise schaudert. Frau di Biasio singt mit sanftem Timbre, dem Piano werden hier stets nur die nötigsten Klänge entlockt. Und das Schlagwerk kommt als Rhythmusmaschine nur dezent zum Einsatz. Natürlich ist das Jazzmusik, aber keine vogelfreie, sondern eine, der Anleihen nimmt bei Blues und Klassik. Stellenweise stehen hier Mark Hollis von Talk Talk, Beth Gibbons von Portishead und Andrea Schröder Pate. Großes Album, dem mit „Blackened City“, einem 24-minütigen morbiden Teufelsritt, direkt das nächste Glanzwerk folgt.

Klingt nach: Portishead, Talk Talk, Billy Holiday, Nina Simone

Punkte: 4,5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Gogo Penguin – Man Made Object

Für eine Popband sind sie zu klassisch, für eine Rockband zu verkopft. Ja, was sind Gogo Penguin, dieses überaus entdeckungswürdige Trio aus Manchester, denn jetzt? Vielleicht ist es am Ende Electronic Jazz, den die drei Herren, Bassist, Pianist und Drummer, da kreieren. Erschienen ist das Album „Man Made Object“ auf dem Jazzlabel schlechthin: Blue Note. Tanzbar ist ihre akustisch-elektronische Musik, die fiebert, die hektisch wirbelt, nie zur Ruhe kommt. Da wird ein Pianostruktur, wie sie auch Debussy spielen könnte, von einem Schlagzeug getrieben, das an einen Drumcomputer erinnert. Gogo Penguin holen den Jazz in die Neuzeit. Akustische Elektronik. Langweilig ist anders.

Klingt nach: Brandt Brauer Frick

Punkte 4,5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Låpsley – Long Way Home

Mit der Britin Låpsley, bürgerlich: Holly Låpsley Fletcher, kommt eine der ganz großen Musikhoffnungen dieser Zeit nach Haldern. Schon im vergangenen Jahr war sie auf dem Festival zu sehen noch ohne Albumveröffentlichung im Gepäck. Das nun vorliegende Debüt „Long Way Home“ ist ein ganz großer Wurf. Die watteweichen Elektropopsongs gefallen schon beim ersten Hören. Frau Flechters musikalische Artgenossen heißen James Blake und Massive Attack. Man muss nur den Song „Falling Shortly“ mit seinem Pianolauf und dieser flirrenden Elektronik hören, um zu verstehen, warum hier etwas ganz Großes entstanden ist. Låpsley trägt nie dick auf, sie lässt ihre Stimme wirken und fügt doch immer exakt so viel Elektronik bei, dass sich der Sound nicht in Langeweile verliert. Über allem schwebt eine tieftraurige Grundstimmung. Eine besondere Künstlerin, nicht nur wegen dem Kringel über dem a.

Klingt wie: James Blake, Massive Attack Adele

Punkte: 5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Martin Kohlstedt – Nacht

Der 1988 in Breitenworbis (Thüringen) geborene Martin Kohlstedt macht am Piano Musik auf der Grenze von Klassik zu Neuer Musik und Electro. Die Songs seines aktuellen Albums „Nacht“ muss man als Komplementärwerk zum davor erschienenen Album „Tag“ verstehen. Die Musik ist reduziert auf Klaviertöne und man spürt, dass Kohlstedt auch Filmsounds macht, Stimmungen und Emotionen zu inszenieren weiß. Am besten funktioniert dieses Album, wenn man sich zu den Liedern die verschiedenen Stimmungen von Nacht hinzudenkt. Mal erklingt eine freudige Nacht, dann wieder eine tiefdunkle traurige – Kohlstedt weiß mit der Kraft der zehn Finger den Aufbruch ebenso zu vertonen wie den Niederschlag. Gute Nacht!

Klingt wie: Ólafur Arnalds, Yann Tiersen,

 Punkte: 3,5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Monobo Son - Jambo 

Kleine Oden auf den Müßiggang hat die 2011 gegründete bayrische Band Monobo Son aus München für ihr Album „Jambo“ geschrieben. Die Band stammt aus dem Umfeld der Pop-Blasmusiker von LaBrassBanda. Deren Posaunist Manuel Winbeck gründete Monobo Son. Stilistisch werden hier Brass, Jazz, Klassik, Elektronik und Reggae aufs Herrlichste vermischt. Zu dieser Musik will man im Unterhemd auf der Alm liegen, mit einem Grashalm im Mund und einem Weißbier auf der Picknickdecke. Auf Genregrenzen wird gepfiffen. Gesungen wird in bairischer Mundart und für Verse wie „Jetzt ess ma noch a Eierspeis, dann kümmert’s Euch um Euren Scheiß“ muss man die Band feiern. Monobo Son haben keinen zwar keinen Überhit geschrieben und mancher Instrumentalsong wirkt beim ersten Hören wie Füllmaterial. Ziellos mäandert die Blasmusik manchmal umher. Je öfter man dieses Album hört, desto mehr Gefallen findet man aber an diesem Freaksound. Toll! 

Punkte: 4/5

Klingt nach: LaBrassBanda, Eels, Biermösl Blosn

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Heisskalt – Vom Wissen und Wollen

Die 2010 gegründete Band Heisskalt aus Sindelfingen wagt sich an ein Genre, das doch eigentlich schon abgeschrieben schien. Auf ihrem Zweitwerk „Vom Wissen und Wollen“ vollbringen sie das Kunststück, lupenreinen Emocore zu spielen, der dennoch Anleihen bei populären Sprechsängern wie Casper und Kraftclub nimmt. Mit ihrem Debüt „Vom Stehen und Fallen“ erreichte das Quartett Platz 29 der deutschen Charts, spielte im Vorprogramm der damals noch populären Jennifer Rostock. Doch während sich letztere in Richtung Charts orientierte, entwickelten Heisskalt einen eigenen Stil, einen hitzigen Postpunk. Songs wie „Absorber“, „Angst“ oder „Euphoria“ sind voll von Energie, von Wut, von Leidenschaft. Heisskalt dürfen jetzt nicht aufhören, sie werden mit jedem Album weiter wachsen. 

Punkte: 4/5

Klingt nach: Kraftclub, Casper, Rise Against

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Roo Panes – Paperweights

Bei Andre „Roo“ Panes handelt es sich um einen britischen Songwriter, dessen eingeschobener Spitzname „Roo“ deshalb zustande kam, weil Mr. Panes als kleines Kind in einen Fluss fiel – ähnlich wie der Charakter Roo in einer Winnie-The-Pooh-Geschichte. „Paperweights“ ist das zweite Album des 27-Jährigen, dessen Musik nicht selten an Mumford & Sons erinnert. Getragen werden die zehn Songs von akustischer Gitarre und dieser kratzig-warmen Stimme. Überhaupt klingt hier alles mehr nach Band als nach Solokünstler. Backgroundchöre setzen ein, Banjos begleiten die Gitarre. Herausragend ist der Song „Lullaby Love“. Und wenn Roo Panes „Stay With Me“ singt, dann ist das nicht das weinerliche Soulflehen eines Sam Smith, sondern ein ehrliches Angebot an jeden, der diese Stimme genauso schätzt wie wir.

Klingt wie: Mumford & Sons, Ben Caplan & The Casual Smokers

Punkte: 4/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Woman – Fever

Eine spannende Spielart des Electrosoul liefert die Band Woman aus Köln mit ihrer EP „Fever“. Hier erklärt sich, warum das Trio seit Jahren heiß gehandelt wird. Bisher verzichteten die Herren aber darauf, sich näher zu erklären, geschweige denn, echte Songs zu veröffentlichen. Manchmal lohnt Warten: Die Songs dieser EP schwitzen und zappeln, sie atmen den Geist von Curtis Mayfield, übersetzen aber den Soul in die Neuzeit. Andere erkennen gar Anleihen bei Daft Punk und Santana. Das Fieber steigt.

Klingt wie: Curtis Mayfield, Marvin Gaye, Jamie Lidell

Punkte: 4/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Drangsal – Hariescharm

Die neuen Joy Division aus der Pfalz? Der Mann, der sich hinter dem Künstlernamen Drangsal verbirgt, ist Max Gruber, benannt haben soll er sich nach einem Bestattungsinstitut in der Nähe seines Heimatortes Herkheim und in seinem ersten Musikvideo zur Single „Allan Align“ küsst er Jenny Elvertz. Es scheint, als schmeiße da jemand mit aller Macht den Hype-Turbo an. Und tatsächlich feiern die Musikmagazine Drangsal für seinen lupenreinen 80er-Synthesizer-Pop, sehen in ihm wahlweise die neuen The Cure, die neuen Joy Division oder eine Reinkarnation der Neuen Deutschen Welle. Textlich spielt er mit dem Ambivalenzfeld von Gewalt und Unterwürfigkeit, musikalisch treiben Bass und Schlagzeug den Sound. Zum Beweis sollte man etwa „Will ich nur Dich“ hören, jenen von einem Saxophon überlagerten Song, in dem viel Haarspray und Kajal-Stift klebt. Nach zehn Songs bleibt die Frage: Wie lange kann man das Konzept Drangsal authentisch durchhalten?

Klingt wie Ultravox, Joy Division, The Cure

Punkte: 4/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

YAK – Alas Salvation

Grunge, Garage, Rock – das Londoner Trio YAK hat für sein Debüt nicht allzu tief in die Trickkiste gegriffen, sondern setzt auf das bewährte Mittel der Popmusikgeschichte. Ein treibender Bass, ein rumpelndes Schlagzeug und rotziger Gesang: Das reicht, um auf der Insel als nächstes großes Ding gefeiert zu werden. Die erste EP wurde auf dem Label von Jack White (White Stripes) veröffentlicht, YAK spielten im Vorprogramm der Last Shadow Puppets und holten sich als Produzenten den Pulp-Bassisten Steve Mackey ins Boot. Der sorgt dafür, dass hier nicht alles in roher musikalischer Gewalt zerfließt, sondern mit Midtempo-Pop wie in „Please don't wait for me“ und zwei „Interludes“ die Handbremse gezogen wird.

Klingt nach Babyshambles, Pixies, Arcade Fire

Punkte: 3,5/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Arthur Beatrice – Keeping The Peace

 Bei Arthur Beatrice handelt es sich um ein britisches Indie-Pop-Quartett, bei dem nur Eingeweihte die Namensanspielung an die britische Schauspielerin Beatrice Arthur (Golden Girls) erkennen dürften. Schon 2011 handelte der britische Guardian die Londoner Truppe als heißes Ding. Es mussten aber noch ein paar Monate vergehen, bis sie ihr Debüt „Working Out“ im Jahr 2014 veröffentlichten. Jetzt ist Keeping The Peace erschienen. Das Album wurde  koproduziert von Matt Wiggins, der schon mit Adele, Paul McCartney und Lana Del Rey gearbeitet hat. Wer Elektronik im Stile von The XX oder London Grammar schätzt, wird sich schnell mit Arthur Beatrice anfreunden können. Es gibt dennoch Alleinstellungsmerkmale: den mitunter opernhaften Gesang von Frontfrau Ella Girardot und eine leichte Beschwingheit, keine tonnenschwere Melancholie.

 Klingt nach: The XX, Daughter, London Grammar

 Punkte 4/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

St. Paul & Broken Bones – Half The City

 Retro, Baby! Was die amerikanische Band St. Paul & Broken Bones auf ihrem Album „Half The City“ veranstaltet, ist die Fusion von Gospel und Soul in Perfektion. Sänger Paul Janeway hat ein dermaßen mitreißendes Organ, dass der gute alte James Brown entspannt im Himmel zuschauen kann. Es gibt einen stimmlichen Nachlassverwalter auf Erden. Die Songs des Sextetts aus Alabama ölen und schwitzen, sie strotzen vor Energie. Janeway leidet am Mikrofon, er schreit sich den Soul aus der Seele und die coolen Bläser triumphen so entspannt auf, als verhöhnten sie das Jammern ihres Chefs. Die Orgel bettet den Sound.  Dass eine Soulband nach Haldern kommt, hat seit einigen Jahren Tradition – Charles Bradley, Lee Fields und Alabama Shakes waren schon dort. St. Paul & Broken Bones setzen dem Ganzen die Krone auf.  

Klingt nach: James Brown, Otis Redding, Charles Bradley

Punkte: 5/5

 

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

 Damien Rice – My Favourite Faded Fantasy

Acht Jahre hat sich der irische Songwriter Damien Rice für „My Favourite Faded Fantasy“ Zeit gelassen. Mit seinem Debüt „O“ war er zum Role Model der Songwriterbewegung geworden, das nachfolgende Album „9“ schlug in die gleiche Kerbe. Mit seinem dritten Album, Ende 2014 erschienen, macht der nunmehr 40-jährige Rice nun ebenda weiter. Stimmlich erinnert der Falsettgesang nicht selten an einen besänftigten Jeff Buckley, musikalisch sind die Songs dafür diesmal weniger geschliffen, erlauben sich Stimmungswechsel, neue Tempi, Interruption. Es gibt Songs auf diesem Album, deren einzige Konstante ist die Inkonstanz, wenn Rice etwa in „It Takes A Lot To Know“ ab Minute vier für fünfeinhalb Minuten nur noch das Orchester spielen lässt. Ein Album als Trip – nehmen Sie sich diese Zeit.

Klingt nach Jeff Buckley, Jose Gonzales, Glen Hansard, Nick Drake

Punkte: 4/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Liima – ii

Haldern-Festivalgängern ist die dänische Band Efterklang noch ein Begriff. Sie unternahmen den musikalischen Versuch, den Großmannspop von Coldplay mit der Weltverlorenheit von Sigur Ros paaren. Damit erreichten die Musiker leider nie das Niveau, das ihnen allerorten beigemessen und zugetraut wurde. Nachdem sich Efterklang aufgelöst hatten, taten sich drei Mitglieder der Band mit dem finnischen Percussionisten Tatu Rönkkö zusammen und nannten sich Liima. Dass Liima das finnische Wort für Leim und Klebstoff ist, kann man wissen, hilft einem aber beim Begreifen dieser Musik, diesem sperrigen Sound mit Beats und Field Recordings, auch nur bedingt weiter. Die Elektronik will einfach nicht mit der seelenlosen Stimme von Sänger Casper Clausen zusammenkommen. Den Status des Projekthaften verlassen die Musiker hier nicht.

Klingt nach: Efterklang, Hot Chip 

Punkte 2/5

Diese Künstler treten beim Haldern Pop Festival 2016 auf

Ebbot Lundberg & The Indigo Children – For The Ages To Come

Vier Jahre ist es her, dass sich die schwedische Superband The Soundtrack Of Our Lives um Mastermind Ebbot Lundberg aufgelöst hat – in Haldern waren sie Stammgast, und mancher (Autor eingeschlossen) merkte es zum Ende, welch traurige Nachricht das Ende dieser Band bedeutete. Jetzt kommt der Trost: Mit seiner neuen Truppe The Indigo Children schafft Mr. Lundberg nun unerwartet mindestens ebenso Großes: Ähnlich wie bei seiner Vorgängerband spezialisiert er sich wieder auf die große Geste, auf Psychedelic-Rock-Hymnen. Songs wie „To Be Continued“ oder „I See Forever“ sind kraftvoll und intensiv. In den Instrumentalpassagen erinnert das Werk teilweise an die Doves. Lundberg kann aber auch mal vom Gas gehen wie in „In Subliminal Clouds“. Man ahnt hier, warum Noel Gallagher von Oasis diesen Typen so schätzt. Ebbot Lundberg ist hiermit nicht nur der voluminöseste und bärtigste Songwriter Schwedens – er ist hiermit auch der größte.

Klingt nach: The Soundtrack Of Our Lives, Union Carbride Productions

Punkte: 5/5

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Whitney – Light Upon The Lake

Whitney – der Name ist ja musikhistorisch vorbelastet. Im Falle des amerikanischen Duos dieses Namens geht es nicht um immerwährende Liebe der Whitney Houston, sondern um Countryfolk mit spannenden Beigaben. Der Name entstand, weil beide Protagonisten mit ihrem Bandnamen ausdrücken wollten, dass sie im Herzen eins sind. Die zehn Songs des Debüts dieser beiden Herren trotzen nur so vor herrlicher Schluffigkeit. Mit Kopfstimme brilliert, die Gitarre wird schön twangy gespielt, also scharf. Gelernt haben Whitney ihr Handwerk in Band wie Smith Westerns und Unknown Mortal Orchestra. Und natürlich denkt man zunächst an Neil Young, wenn man diesen Landeierfolk hört. Doch dann kommt immer wieder die fast jazzig gespielte Trompete ins Spiel wie im tollen „No Woman“ und man weiß, dass Whitney ganz sie selbst sind.

Klingt nach: Neil Young, Fleet Foxes

Punkte 4/5


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