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Haldern-Countdown
Ein ganz junger Hoffnungsträger für den Blues

Haldern-Countdown: Ein ganz junger Hoffnungsträger für den Blues
Geldern. Am 13. August beginnt das Haldern-Pop-Festival. RP-Redakteur Sebastian Peters hat sich eine Auswahl der aktuellen Alben der Bands bereits angehört. Hier sein Urteil:

Delta Ray (After It All): Diese Songs kann man sich gut im Nachmittags-Formatradio vorstellen. Das amerikanische Sextett Delta Rae aus Durham / North Carolina hat kraftvolle Folkrock-Songs geschrieben, die im besten Sinne an Fleetwood Mac erinnern. Die 14 Pophymnen (ein Bonus-Track) werden häufig getragen vom kräftigen Gesang der Frontfrau Brittany Hölljes, drei Bandmitglieder sind dann im Hintergrund zu hören. Die erste Single "Scared" bildet hier mit ihrem Pop-Ansatz fast eine Ausnahme. Manchmal aber ist das dann doch eine Nummer zu viel Bosshoss. Sound für: Radio am Nachmittag. Klingt wie: Melissa Etheridge, Haim, Fleetwood Mac. Punkte: 2,5/5

Dan Deacon (Gliss Riffer): Im nächsten Leben wird Dan Deacon als riesige Disco-Kugel zur Welt kommen. Wenn nicht er, wer dann? Was der amerikanische DJ aus Baltimore auf seinem neuen Album "Gliss Riffer" produziert hat, ist mitunter dem Wahnsinn nahe. Der erste Track "Feel The Lightning" hat das Zeug zum Klassiker des Genres Elektro. Du glaubst eine Frau zu hören, und doch ist alles Mr. Deacon himself. Beim großen Rest dieses großen Albums fragt man sich unweigerlich: Ist das Techno, ist das Minimal Music oder doch eine klassische Sinfonie? Deacons Elektro-Hibbel-Pop ist nichts für den entspannten Feierabend, die Songs hier wurden für den Club geschrieben und sollten dann laufen, wenn die Stimmung kurz vor Siedepunkt ist. Deacon gibt Dir dann den Rest. Musik für: Hibbelige. Klingt wie: Caribou, Animal Collective. Punkte: 4,5/5

Benjamin Booker (Benjamin Booker): Hochgelobt kommt der junge US-Bluesmusiker Benjamin Booker an den Niederrhein. Der Rolling Stone sieht in ihm einen Hoffnungsträger des Genres. Sein 2014 erschienenes selbstbetiteltes Album klingt wie Bluespunk aus einer staubigen Garage, und meist auch nach harter Arbeit. Es gibt aber auch Soulmomente und Rock'n'Roll-Parts - dann ist Benjamin Booker in höchstem Maße Tanzanimateur. Chuck Berry und Howling Wolf werden als Referenzen genannt. Wer in ihm einen Erben der White Stripes sieht, liegt auch nicht falsch. Auf den Zettel schreiben, diesen Mann! Musik für: Tanz, Schweiß und Tränen. Klingt nach: White Stripes, Jack White, Alabama Shakes. Punkte: 3,5/5.

Bilderbuch (Schick Schock): Goldkettchenpop aus Wien: Es blinkt und glitzert auf "Schick Schock", dem dritten Album der österreichischen Band Bilderbuch, die sich schon 2005 gründete, aber erst mit ihrem dritten Album auf der Welle des Austropop richtig groß wird. Als Retter der deutschsprachigen Popmusik werden sie gefeiert. Was die drei Mannen um Sänger Maurice Ernst hier fabriziert haben, das ist Unikat, hat im deutschsprachigen Raum kaum Vorbilder: Die mutige Stilmischung von HipHop, Funk & Artrock kann sich international mit der französischen Band Phoenix, mit Prince und sogar dem King Of Pop messen, findet national einen Genossen vielleicht in Falco. Dieser Sound ist schwer gewöhnungsbedürftig, so viel offensiver Kitsch war selten. Doch wer Verse wie "Hey Bambina, komm mach aus mir crushed ice" als das versteht, als das sie zu interpretieren sein sollten, als ironische Brechung mit dem unironischen Popschick, der wird Spaß an Bilderbuch finden. Musik für: Discotizer & Partyrapper. Klingt wie: Prince, Wanda, Falco. Punkte: 4/5

Quelle: RP
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