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Interview mit Michael Kiwanuka
"Haldern ist die Zukunft der Musik"

Haldern Pop 2016: "Haldern ist die Zukunft der Musik"
Michael Kiwanuka kommt aus dem Londoner Norden. FOTO: haldern pop bAr
Haldern. Der britische Songwriter Michael Kiwanuka hat in Haldern einen musikalisch mitreißenden Auftritt hingelegt. Viele sehen in ihm einen neuen Pop-Superstar. Im Interview mit unserer Redaktion spricht er über Haldern Pop und sein neues Album "Love And Hate". Von Sebastian Peters

Vom Haldern-Pop-Festival wird immer wieder gesagt, dass es wie ein Gewächshaus für Popstars funktioniert, dass Du hier vom weitgehend unbekannten Künstler zum Star werden kannst. Hast Du von diesem Ruf gehört, und war es ein Grund für Dich, hier zu spielen?

Michael Kiwanuka Ich habe natürlich davon gehört. Und man spürt als Künstler die besondere Atmosphäre. Hier spielen Künstler, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Hier spielt die Zukunft der Musik. Deshalb freue ich mich, in Haldern zu sein. Ich habe vor Monaten in der Haldern-Pop-Bar gespielt, das war sehr schön. So bin ich in Kontakt zu den Festivalmachern gekommen.

Hattest Du die Chance, andere Künstler hier zu sehen?

Kiwanuka Wir sind am Donnerstag angekommen, am Abend vorher hatte ich ein anderes Festival gespielt. Also hatten wir noch Zeit. Ich habe Jack Garratt gesehen, mit dem ich nachher auch gesprochen habe – ein guter Typ. Ich habe mir auch den Beginn von Damien Rice angeschaut. Es ist immer gut, andere Bands zu sehen. Man lernt dazu. Das Gute daran, kein Superstar zu sein, ist, dass man sich auf dem Gelände frei bewegen kann.

Lass uns über Dein Album sprechen. "Love And Hate" ist im Vergleich zum Vorgängeralbum noch einmal ein großer Entwicklungsschritt, es klingt groß, stellenweise bombastisch, auch mutig. Was hast Du diesmal gemacht, was Du vorher nicht gemacht hast?

Kiwanuka Ich habe diesmal viel zu Hause geschrieben, bevor ich ins Studio gegangen bin. Das hat Dinge verändert. Es hat Schranken in meinem Kopf verschwinden lassen. Im Ergebnis hat das Album mehr Kraft. Ich wollte das beste Album erreichen, das möglich war. Ich bin jung, voller Energie. Mein Motto war: "Träume groß".

Wie fühlst Du Dich mit diesem Album – die Kritiken sind sehr gut. Viele prophezeien Dir eine große Karriere.

Kiwanuka Es fühlt sich in der Tat alles sehr gut an derzeit. Dieses Album könnte tatsächlich der entscheidende Schritt in meiner Karriere werden, das fühle ich. Was ich definitiv spüre, ist, dass Leute sich jetzt mehr für meine Musik interessieren. Ich habe den großen Traum, die Songs irgendwann einmal mit großem Orchester zu spielen, vielleicht in der Royal Albert Hall.

Gibt es Menschen, mit denen Du vorher über die Lieder sprichst?

Kiwanuka Natürlich mit den Produzenten, sie sind sehr wichtig für mich. Die meisten Songs auf "Love And Hate" sind von Danger Mouse produziert worden. Er war ein großer Einfluss und ist ein Freund. Wir haben einige Songs zusammen gemacht. Wir saßen mit unseren Gitarren zusammen, haben Songs gehört, uns Alben vorgespielt. Er hat mich getrieben, die Songs zu spielen, wie sie am Ende auf dem Album gelandet sind. Er hat mich angetrieben, härter zu arbeiten. Dass sein Einfluss als Produzent den Songs zu mehr Wucht verhilft, war mir klar. Wir haben aber auch über die Lyrics und Melodien gesprochen.

Was bedeutet der Titel "Love And Hate" für Dich?

Kiwanuka Er klingt wie ein Soultitel. Das war der erste Grund. Es klingt stark. Und es gibt eine tiefere Bedeutung. Wir haben alle Liebe, aber auch manchmal Hass in uns. Und wir müssen lernen, damit umzugehen. Aber natürlich dominiert auch in meinem Herzen die Liebe.

Das Titelstück Love And Hate ist hier zum heimlichen Hit des Festivals geworden. Am Ende haben die Zuschauer das Hauptmotiv des Songs mitgesummt, manche auch, als das Konzert längst zu Ende war. Was bedeutet das Stück Dir persönlich?

Kiwanuka Es ist mein Lieblingsstück auf diesem Album, definitiv. Weil es so simpel ist, und für mich trotzdem komplett klingt. Deshalb bin ich auch so zufrieden damit. Bei diesem Song hatte ich zuerst nur das Hauptmotiv. Babadabadaba (Kiwanuka summt, Anm. d. Red.). Ich habe es dann wieder vergessen. Dann war ich einige Monate später im Studio, arbeitete an einem anderen Song. Der gelang aber nicht. Ich wurde frustriert, aber weil dieser Song die gleichen Akkorde hatte wie Love And Hate, habe ich das alte Motiv Babadabadaba noch einmal gespielt. Mein Produzent fragte: Hey, was ist das denn? Und dann war das Lied plötzlich da. Solche Momente machen einen sehr glücklich.

Das Intro zum Song dauert fünf Minuten, wie überhaupt die Songs sehr lange dauern, sich mitunter sehr lange mit einem Motiv beschäftigen.

Kiwanuka Ich wollte ganz einfach das Gegenteil eines schnellen Hits schreiben.

Es gibt ein anderes Stück auf diesem Album, die erste Single "Black Man In A White World" - Schwarzer Mann in einer weißen Welt. Was hat das Thema Hautfarbe für Dich noch für eine Bedeutung?

Kiwanuka Das ist mein Statement. Es geht im Song um Identität, Aufstehen, mutig sei; akzeptieren, dass man anders ist; keine Angst zu haben.

Du lebst in London, in Amerika gibt es derzeit nahezu täglich Nachrichten von Konflikten zwischen Schwarzen und Weißen. Wie ergeht es Dir in London?

Kiwanuka In London ist das anders. Die Stadt ist bunt, offen, multikulturell. Aber es gibt Gegenden, in denen es auch hier Konflikte gibt. London ist in meinen Augen mehr geprägt von Klassenkonflikten als von Konflikten zwischen Menschen verschiedener Hautfarbe. Als Schwarzer musste ich mir in London dennoch früh meiner Identität bewusst werden. Meine familiärer Hintergrund ist Uganda. Ich war immer der andere.

Welche Bindung hast Du zu Uganda, bist Du dort gewesen. Wie findet dies Widerhall in Deiner Musik?

Kiwanuka Ich bin schon einige Male in Uganda gewesen, es ist ein tolles Land. Der Einfluss auf meine Musik ist nicht zu groß. Man findet Spuren im Song "Black Man In A White World". Aber in erster Linie bin ich Brite.

Welche Bands hatten Einfluss auf dieses Album?

Kiwanuka Pink Floyd, The Who, Isaac Hayes, Neil Young, auch Jimmi Hendrix. Ich liebe Hendrix. Ich habe viele dieser Bands gehört, während ich das Album aufgenommen habe.

Wie verbringst Du die Zeit, wenn Du nicht Musik machst?

Kiwanuka Ich liebe Filme, gehe gerne is Kino. Ich würde gerne mehr Fußball spielen, am liebsten im Verein, aber ich bin dauernd unterwegs. Die Zeit, meinen Lieblingsfußballverein Tottenham Hotspurs zu unterstüzten, nehme ich mir aber immer wieder.

Sebastian Peters führte das Interview

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