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Haldern-Countdown
Underground-Jazz am Straßenrand

Emmerich. Am 11. August beginnt das Haldern-Pop-Festival. RP-Redakteur Sebastian Peters hat sich die aktuellen Alben der Bands bereits angehört. Hier sein Urteil:

Sean Noonan - Memorable Sticks

In Sachen Trendsetting war Haldern immer ein Trendsetter. Wenn jetzt Künstler wie Sean Noonan auf dem Reitplatz auftreten, dann ist das die Untermauerung der These, dass der Jazz im Pop wieder an Bedeutung gewinnt. Künstler wie Gregory Porter und Kamasi Washington haben den Jazz im Mainstream den Weg gebahnt. Mit Sean Noonan kommt ein Underground-Jazzkünstler nach Haldern, der den Jazz so frei interpretiert, wie man ihn freier kaum interpretieren kann. Sean Noonan versteht seine Aufgabe als die eines Wanderers zwischen den Welten, am Straßenrand Melodien aufsammelnd. Afro-Celtic-Punk-Jazz kann man das nennen. "Memorable Sticks" ist ein Album für Freaks: Weltmusik und Jazz versucht der Ire zu vereinen. Das einzige, das hier vorhersehbar ist, ist die Unvorhersehbarkeit. Oscar Peterson für Punks.

Klingt nach: nichts anderem (ohne Wertung).

Die Nerven - Out Schon den Bandnamen darf man als einen Verweis verstehen. Die Nerven! Die nerven? Ja klar, diese Musik ist in einem hohen Maße zerstörerisch, kracht, lärmt, stört, nervt auch. Das muss aber so. Das haben sich die Jugendlichen selbst ausgedacht. Die Nerven sind eine Punkband aus Stuttgart, für die die Idee von Punk nur den Impetus bildet. Die Songs sind vertrackter, als es das Genre Punk eigentlich zulässt. Die Nerven spielen auf ihrem Drittwerk mit dem Gegensatzpaar von Laut und Leise, Bass und Drums bilden das Kontinuum, die Gitarre leistet sich Ausbrüche. Das clevere Songwriting erinnert nicht selten an Sonic Youth. Textlich geht es um das verlorene Ich in einer ohnehin heillos desorientierten Welt. Vielleicht muss man also den Bandnamen auch als Aussage zu all den anderen verstehen - sie nerven!

Klingt nach: Sonic Youth, Love A, Boxhamsters (Punkte: 4,5/5).

Amber Arcades - Fading Lines Hinter dem Bandnamen Amber Arcades verbirgt sich die niederländische Songwriterin Annelotte de Graaf. Ihre erste EP veröffentlichte sie nach einer Rückkehr aus den Staaten. Mit "Fading Lines" hat sie ein Debütalbum eingespielt, das ihre luftige Stimme, mitunter nur dahingehaucht, in den Mittelpunkt stellt. Bassgitarre und oftmals krautrockig gespielte Gitarren begleiten ihren Gesang im Hintergrund. So wandelt sie stets stilsicher zwischen Indiepop und Folk. In Songs wie "This Time" erinnert sie stimmlich und vom Songwriting-Ansatz her an die Cardigans. Die Lieder schluffen angenehm ziellos vor sich hin. Die perfekte Begleitung für einen arbeitsfreien Wochentag im Liegestuhl.

Klingt nach: Cardigans, Beach House (Punkte: 3,5/5).

Jack Garratt - Phase Zwei Sommer lang galt der Elektropop von Jack Garratt aus Buckinghamshire als der Sound der Zukunft. Die britische BBC handelte ihn als kommenden Superstar, die Vorschusslorbeeren wuchsen in den Himmel. Wohlgemerkt: Es gab damals noch kein Album. Im Februar 2016 erschien "Phase" - und es kam, wie es kommen musste. Plötzlich waren alle Musikmagazine gar nicht mehr so überrascht von diesem Soul-, Folk-, Electroding, das anno 2016 gar nicht mehr so innovativ daherkommt. Garratt ist ein Do-It-Yourself-Künstler, er beherrscht das Spiel mit den Knöpfchen, türmt ein Soundkorsett aus Loops auf. Geduld ist gefragt bei dieser Musik - sie legt sich dem Hörer nicht auf den Teppich. Songs wie "Breathe Life" oder "The Love You're Given" sind eben doch nicht der schnelle Instanthit, als der Garratt noch vor zwei Jahren verkauft wurde. Das wiederum ist eine frohe Botschaft.

Klingt nach: Sohn, James Blake, Frank Ocean Punkte: 4/5

Quelle: RP
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Haldern Pop 2016: LineUp mit Sean Nooan, die Nerven und Amber Arcades


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