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Haldern Countdown
Die Liebe in allen Facetten

Haldern Pop 2017 mit Matt Maltese, Messer, Mammút und Get Well Soon
"Get Well Soon" - im Bild bei einem Auftritt vor sieben Jahren bei "Rock im Saal" - sind in Haldern alte Bekannte. Ihr aktuelles Album ist ein großer Wurf. FOTO: Sebastian Latzel
Emmerich. Am 10. August beginnt das Haldern-Pop-Festival. RP-Redaktionsleiter Sebastian Peters hat sich die aktuellen Alben der Bands bereits angehört. Hier sein Urteil:

Matt Maltese - In A New Bed/Vacant in the 21 Century Die Briten schreiben schon von "Brexit Pop". In Zeiten schwindender Bindungen der Insel zum europäischen Festland sehen sie in Matt Maltese eine kleine Hoffnung. Der Südlondoner Songwriter hat sich im Wahlkampf für einen europäischen Kurs stark gemacht, und wer seine ersten Songs auf Youtube hört, diese oft auf Piano und Gesang reduzierten Balladen, der meint einen jungen Künstler zu entdecken, der ein neues musikalisches Sprachrohr werden kann. Eine Genreverwandtschaft zu Tom Odell besteht ohne Zweifel. Maltese hat die samtigere Stimme, mehr Soul. Und die Songs seiner Debüt-EP "In A New Bed/Vacant In The 21 Century" sind schon jetzt kleine Meisterwerke, wirken gleichsam intim wie für die große Bühne geschrieben. Der Typ hier könnte der Shooting Star des Festivals werden.

Klingt nach: Tom Odell, Keane, Elton John (Punkte: 5/5).

Messer - Die Unsichtbaren Vielleicht ist der Bandname in Anlehnung an die Stimme von Sänger Hendrik Otremba entstanden? Wenn er sprechsingt, dann schneidet diese zackige Stimme ins Ohr. Mit Widerhaken sind bei der Münsteraner Band auch das Gitarrenspiel und das Schlagwerk versehen. Der Bass treibt die Songs stoisch voran, irgendwo ins Nirgendwo. Post-Punk könnte man das nennen - Messer stehen hier in einer Traditionslinie von Surrogat und Tocotronic. Es geht nicht um Wohlklang, jedes Instrument scheint für sich zu musizieren. Es geht um Individualität und Identität in diesem Werk "Die Unsichtbaren", das voll ist mit literarischen Verweisen auf die Kunst, auf Malerei, auf Literatur und Film.

Klingt nach: Joy Division, Tocotronic (Punkte: 3,5/5).

Mammút - Kinder Versions Das isländische Quintett Mammút existiert zwar nicht so lange wie das namensgebende Tierchen, doch mit zwölf Jahren Bandbestehen ist man im Rockzirkus schon fast ein Mammut. Frühere Werke waren krachender, auf "Kinder Versions" ist das Mammùt scheinbar gezähmt. Lieder wie die erste Single "Breathe Into Me" zeigen eine Band, die bewusst das Tempo drosselt, die den einzelnen Instrumenten dafür mehr Raum zum Klang gewährt. Mammút, jetzt auch als Kuscheltier.

Klingt nach: Patti Smith, Heather Nova (Punkte: 3/5).

Get Well Soon - Love Die Liebe also. Konstantin Gropper, Frontmann und Mastermind der Mannheimer Band Get Well Soon, war vor nunmehr neun Jahren schon mal in Haldern zu Gast. "Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon" hieß das Album von 2008, mit dem Gropper zum gefeierten Talent des deutschen Indiepop wurde. Er schrieb seitdem unendlich viele Songs (manche davon auf EPs versteckt), er produzierte das Album "Hinterland" von Casper und stand zum Abschied von Rapper Dendemann beim Neo Magazin Royale auf der Bühne. Er hat jetzt also einen Namen in der deutschen Musikszene. Mit "Love" liegt nun Album Nummer vier vor - und endlich benennt Gropper die Sache auch beim Namen. Es geht hier um Liebe in allen Facetten, auch um die Abartigkeiten, und die Abhängigkeiten. Das wird anhand von Protagonisten erzählt. Manchmal tragisch-komisch geraten die Texte, musikalisch aber ist das der große Wurf. Songs wie das großartige "Eulogy" oder "Marienbad" (Refrain: "All We Have Is Love") stehen in ihrer Erhabenheit für sich, triumphieren mit Bläsern und Mini-Bombast-Chorus. Natürlich ist dies eher Popmusik von der dunklen Sorte, eher (Märchen)-Wald als Lichtung, aber wer sagt denn, dass nicht auch in der Finsternis manchmal Schönes gedeiht? Manchmal sogar die Liebe.

Klingt nach: Arcade Fire, Patrick Watson, Ed Harcourt (Punkte: 5/5).

Quelle: RP
 
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