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Bands des Haldern Pop im Check
Hitziger Punk und ein ehrliches Angebot

Zehn Bands, die erst nach ihrem Durchbruch in Haldern spielten
Zehn Bands, die erst nach ihrem Durchbruch in Haldern spielten FOTO: dpa
Kleve. Am 11. August beginnt das Haldern-Pop-Festival. RP-Redakteur Sebastian Peters hat sich die aktuellen Alben der angekündigten Bands bereits angehört. Hier gibt es sein Urteil.

Walking On Cars - Everything This Way

"Emotional" ist in Bezug auf Plattenrezensionen zumeist ein sehr unpassendes Wort. Es umschreibt oft nur die Mühe des Autors, nach Worten für das zu suchen, was er da gerade hört. Die irische Band Walking On Cars ist eine Band, die man schnell mit dem Wort "emotional" zu umschreiben versucht ist. Warum? Weil die Songs auf dem Debütalbum "Everything This Way" zwar sehr schnell das Formatradio erreicht haben, allerdings von seltsamer Konturlosigkeit sind. Das Quintett kommt aus der irischen Küstenstadt Dingle, landete mit dem Album in Irland auf Platz 1 der Charts, in Deutschland mit der Single "Speeding Cars" auf Platz 18 der Singlecharts. Man kann sich das leicht erklären, wenn man die Musik hört. Das hier ist vor sich hin plätschernder Alternative-Pop, der so glattgeschliffen ist, dass er aus der Hand rutscht. Nicht jedermanns Sache.

Klingt nach: Nickelback, Maroon5, Reamon (Punkte: 2/5).

Husky - Ruckers Hill

Das australische Duo Husky könnte eine der großen Entdeckungen dieses Festivals werden. Auf ihrem Zweitwerk "Ruckers Hill" spielen die beiden Herren den Songwriter-Folk so ehrlich und charmant, wie man es seit den Fleet Foxes nicht mehr gehört hat. Wenn man mal kein Streichholz zur Hand hat, sollte dieser Sound das Lagerfeuer selbst zum Brennen bringen. Der Albumtitel ist eine Hommage an den australischen Berg, an dessen Fuß die Band wohnte. Diese Kulisse prägt: Die Songs erzählen von der Magie der Landschaft, die man vom Gipfel des Ruckers Hill aus sieht. Sänger Husky Gawenda hat eine mitreißend schöne Stimme, die Songs sind von großer Eingängigkeit - es gibt kaum Ausfälle auf diesem Album, das bereits im Oktober 2014 erschien, international aber noch viel zu wenig Beachtung fand. Natürlich erinnert hier vieles an Simon & Garfunkel, der Falsettgesang, die wohlige Kuscheligkeit in den Songs. Aber jeder Hörer kann seinen ganz eigenen Lieblingsteil Musikgeschichte entdecken.

Klingt nach: Fleet Foxes, Crosby Stills Nash & Young, Simon & Garfunkel (Punkte: 5/5).

Heisskalt - Vom Wissen und Wollen

Die 2010 gegründete Band Heisskalt aus Sindelfingen wagt sich an ein Genre, das doch eigentlich schon abgeschrieben schien. Auf ihrem Zweitwerk "Vom Wissen und Wollen" vollbringen sie jedoch das Kunststück, lupenreinen Emocore zu spielen, der dennoch Anleihen bei populären Sprechsängern wie Casper und Kraftclub nimmt. Mit ihrem Debüt "Vom Stehen und Fallen" erreichte das schwäbische Quartett Platz 29 der deutschen Charts, spielte im Vorprogramm der damals noch populären Jennifer Rostock. Doch während sich letztere in Richtung Charts orientierte, entwickelten Heisskalt einen eigenen Stil, einen hitzigen Postpunk. Songs wie "Absorber", "Angst" oder "Euphoria" sind voll von Energie, von Wut, von Leidenschaft. Heisskalt dürfen jetzt nicht aufhören, sie werden mit jedem Album weiter wachsen.

Klingt nach: Kraftclub, Casper, Rise Against (Punkte: 4/5).

Roo Panes - Paperweights

Bei Andre "Roo" Panes handelt es sich um einen britischen Songwriter, dessen eingeschobener Spitzname "Roo" deshalb zustande kam, weil Mr. Panes als kleines Kind in einen Fluss fiel - ähnlich wie der Charakter Roo in einer Winnie-The-Pooh-Geschichte. "Paperweights" ist das zweite Album des 27-Jährigen, dessen Musik nicht selten an Mumford & Sons erinnert. Getragen werden die zehn Songs von akustischer Gitarre und dieser kratzig-warmen Stimme. Überhaupt klingt hier alles mehr nach Band als nach Solokünstler. Backgroundchöre setzen ein, Banjos begleiten die Gitarre. Herausragend ist der Song "Lullaby Love". Und wenn Roo Panes "Stay With Me" singt, dann ist das nicht das weinerliche Soulflehen eines Sam Smith, sondern ein ehrliches Angebot an jeden, der diese Stimme genauso schätzt wie wir.

Klingt wie: Mumford & Sons, Ben Caplan & The Casual Smokers (Punkte 4/5).

Quelle: RP
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