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Emmerich
Haus "de Moezeköttel" ist einen Besuch wert

Emmerich: Haus "de Moezeköttel" ist einen Besuch wert
Im Zweiten Weltkrieg wurde Megchelen fast vollständig zerstört. Das Gebäude "de Moezeköttel" ist das einzige seiner Art, das noch erhalten ist. FOTO: Erwin Pottgiesser
Emmerich. Das historische Gebäude ist heute ein Museum und liegt neuerdings an der grenzüberschreitenden Route "Auf dem Weg zur Freiheit".

Das ruhige Dorf Megchelen erlebt im Zweiten Weltkrieg unruhige Zeiten. Diese gehen zu Ende, als am Morgen des 28. März 1945 englische und kanadische Stoßtruppen mit Panzern in den Ort einfahren. Ihr Ziel ist es, das niederländische Grenzdorf von den deutschen Besatzern zu befreien. Die leisten heftigen Widerstand über Stunden. Erst am Ende des Tages stellen sie ihre Kämpfe ein und geben sich geschlagen. Megchelen ist damit das erste befreite niederländische Dorf nördlich der großen Flüsse.

Der Preis für die Freiheit ist jedoch hoch. Die Befreier haben Flammenwerfer eingesetzt: Nur vier Häuser im Dorf sind intakt geblieben, 49 Gebäude beschädigt und 52 vollends zerstört. "Damit herrschte mit einem Mal Wohnungsnot bei uns", sagt Vincent Weijermars, Vorsitzender des Heimatvereins "de Moezeköttel".

"De Moezeköttel" - so heißt auch ein kleiner Bauernhof, dessen Wohnbereich nach der Befreiung durch die Alliierten in Schutt und Asche liegt - und der heute ein Museum ist. Und neuerdings an der grenzüberschreitenden Route "Auf dem Weg zur Freiheit" (Tour 12) liegt, die die Stadt Rees in ihrer Broschüre "Radtouren in und um Rees" vorstellt.

Hinterhaus, Scheune und Stall stehen im März 1945 noch. Wohnen können die Besitzer dort aber nicht mehr, finden Unterschlupf beim Nachbarn. Dieser hilft beim Wiederaufbau des Bauernhofs, der nun zu einer Notunterkunft wird. Auf beengtem Raum - das Haus misst sechs mal vier Meter - leben zeitweise zwei Erwachsene und drei Kinder. Die Toilette ist draußen, ein Gang im Haus dient als Küche, es gibt nur ein Schlafzimmer.

"Wenn die Erwachsenen ins Bett gehen wollten, holten sie die schlafenden Kinder aus dem Ehebett und legten sie auf Matratzen im Wohnzimmer", weiß Ben Rouwhorst, Schriftführer bei "de Moezeköttel". Eine Pumpe im Hinterhaus liefert Wasser, ein Kohleofen ist die einzige Heizquelle im Mini-Bauernhof, Asbroek 2. Da wundert es nicht, dass der erste Nachkriegsbewohner an Rheuma litt und oft über Schmerzen klagte.

Nachdem die letzten Bewohner 1966 ausziehen, wird das Haus als Kälberstall und Scheune genutzt und verfällt später zusehends. "Wir wussten viele Jahre von der früheren Bedeutung des Hauses als Notunterkunft", sagt Vincent Weijermars. Und es ist eine besondere Notunterkunft, nämlich die kleinste ihrer Art von insgesamt drei Typen. "Und die letzte ihrer Art", sagt Weijermars. Was ihn und Ben Rouwhorst hat aktiv werden lassen.

Sie beschließen im Sommer 2013, sich für die Restauration des Hauses stark zu machen. Sie nehmen Kontakt zu zwei örtlichen Vereinen auf, um weitere Fürsprecher für ihr Projekt zu gewinnen. Sie finden überdies mit Guido Hakvoort, André Knipping, Bennie Reintjes, Willie Rexwinkel und Nico Snelting vier Handwerker, die eineinhalb Jahre lang kostenlos das Gebäude sanieren und auch das zwischen 1951 und 1955 angebaute Kabüffchen, eine Holzhütte auf steinernem Fundament, wieder herstellen. Auch kümmern sie sich um eine möglichst originale Ausstattung des Hauses, erhalten Waschbrett, Zinkwanne, Gartengeräte, Tisch und Stühle, Kleidung und Bettwäsche und vieles mehr aus den 1940er Jahren. Und ein Doppelbett. Das stand früher im Elternhaus von "de Moezeköttel"-Schriftführer Ben Rouwhorst. Das hat er sich als Junge mit seinem Bruder geteilt.

(rau)
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