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Emmerich
Hausen im Klever Projektraum

Emmerich: Hausen im Klever Projektraum
Sechs Augen hat der Domino-Stein, sechs Mal hat Oscar Lourens das Haus "Dom-ino" von Architektur-Ikone Le Corbusier gebaut, das den freien Grundriss feiert. Grau das Skelett des "Gebäudes", weiß der Sockel in den Umrissen des Hauses steht die Installation im "projektraum-bahnhof25". FOTO: Evers Gottfried
Emmerich. Werke von Leon Riekwell, Oscar Lourens und ein Kurzfilm von Quimu Casalprim zeigt der Klever Kunstverein seit dem Wochenende an der Bahnhofstraße. Die Ausstellung wurde von Steffen Fischer vom Museum Goch eröffnet. Von Matthias Grass

Die Kamera schwenkt über Dächer, Gassen und schmale Straßenschluchten, über eine in der Hitze dösende Ortschaft irgendwo im Nirgendwo Spaniens. Ein Storch klappert auf dem Westwerk einer Kirche. Die Kamera zeigt eine Frau, allein in ihrem Haus. Still, ernst blickt sie ins Bild.

Der 1977 in Katalonien geborene Regisseur Quimu Casalprim schildert in ruhigen Bildern und längeren Einstellungen das stille Leben dieser Frau hinter den zugezogenen Vorhängen ihres Hauses. Wie sie durch die Räume streift, die Blumen zupft, sich sonnt. Ein Leben voller Melancholie, wie's scheint. Bis dumpfe Trommelschläge die Prozession ankündigen, sie die Kutte und die spitze Haube für die Prozession der Büßer in der Semana Santa der Osterzeit aus der Kommode holt. Die Frau im Gewand der Büßer.

"Hausen" hat Casalprim seinen knapp zehnminütigen Kurzfilm genannt. Nach einem Gedicht von Christoph Wenzel "im nichts hausen", den die Frau rezitiert. "Hausen" läuft ab Samstag beim Kunstverein "projektraum-bahnhof25" an der Klever Bahnhofstraße in einer Endlosschleife. Dafür haben Elisabeth Schink und Dirk Knickhoff das Kabinett des Kunstvereins abgedunkelt und laden ein zu einem sehenswerten Kurzfilm, den Knickhoff als Juror bei Kurzfilmtagen gesehen hat. "Ich wollte ihn zeigen, auch, um die Form des Kurzfilms zu unterstützen, ihm eine Plattform zu bieten", sagt er.

Quimu Casalprims "Hausen", angekündigt durch ein Foto einer Bruderschaft, die das schwere Abbild der Muttergottes trägt, ist Teil der neuen Ausstellung des Kunstvereins, die am Samstag von Steffen Fischer (Museum Goch) eröffnet wurde. Wieder sind es drei Künstler, die sich die kleinen Ausstellungssäle des Projektraums teilen. Neben dem Katalanen sind Werke der Niederländer Leon Riekwell und Oscar Lourens zu sehen.

Lourens Architekturen gehen von einem Foto aus, das er in Griechenland von einer Bauruine machte: Ein Beton-Ständerbau - einige Stützen tragen die Gebäudedecken, die Treppe ist gebaut, aber alles andere fehlt - verrottet am Straßenrand vor sich hin. Man hat ihn nicht fertig bauen können oder fängt irgendwann vielleicht an, auch Wände einzuziehen, aus dem Skelett ein Haus zu machen. Lourens, der in den Niederlanden Kunst und Architektur studierte, hat das Foto vom Haus-Skelett als Schwarz-weiß-Druck auf blauem Grund abgezogen. Unterschiedlich dicke Linien zeichnen das Haus nach. Es ist Teil einer ganzen Serie von Fotos dieser Häuser. Sie alle erinnern auch an die Experimente der Architektur-Ikone Le Corbusier, dessen "Dom-ino Haus" den freien Grundriss feierte mit den Stützen am Rand, die die Decken tragen, außenliegenden Treppenhäusern. Es gibt keine tragenden Wände, man kann die Räume aufteilen, wie's beliebt. 2014 baute der Münchner Architektur-Professor Valentin Bontjes van Beek für die Biennale in Venedig Corbusiers Entwurf eins zu eins, Lourens ließ sich von den Augen auf Domino-Steinen inspirieren und setzte sechs Modelle der Corbusier-Skelette in Reihe. Der Grundriss mit anhängendem Treppenhaus in Grau verwachsen mit den weißen Sockeln als abstraktes Bild vom Haus.

Gleich hinter dem Eingang empfangen die Werke von Leon Riekwell, orangefarbene Quadrate, schwarz glänzende Rechtecke, deren Farbe dick auf Blei oder Leinwand gemalt wurde, den Besucher des Projektraums. Andere Bilder wirken wie gespachtelt. Hier und da hat der Maler Löcher in die Leinwand oder das Blei gebohrt, die aus der Ferne wie schwarze Punkte wirken. Die zähe Farbe erinnert an Rostschutz-Mennige.

Riekwells Atelier liegt in einem ehemaligen Industriebau in Vlissingen, sagt Knickhoff. Es ist die alte Industrie, die der Niederländer auf seine abstrakten Bilder holt: "Das industrielle Produkt ist eine wichtige Quelle für meine Inspiration", sagt er. Er verwende industrielle Lackfarben für seinen Malprozess, die je nach Temperatur unterschiedlich trocknen, tropfen, Fäden ziehen oder sich kräuseln, als habe der Maler Rosen abbilden wollen.

Quelle: RP
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