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Emmerich
Herzmassage mit nur einer Hand

Emmerich: Herzmassage mit nur einer Hand
Ärztin Petra Wundschock, Moderator Stefan Derks und Chefarzt Jochen Rübo FOTO: Markus van Offern
Emmerich. "Wie reagieren Eltern im Notfall richtig?", hieß es bei der dritten Veranstaltung im Klever Kolpinghaus, die die "Gesundheitsexperten" von Karl-Leisner-Klinikum und RP gemeinsam veranstalteten. Von Matthias Grass

Jede Hilfe ist besser als keine Hilfe: Wenn ein Kind wegen einer Krankheit oder eines Unfalls nicht ansprechbar ist, sollten Ersthelfer, meistens sind das Eltern oder die Großeltern, das Kind in die Seitenlage bringen, Hilfe holen und regelmäßig die Atmung kontrollieren. Wenn die Atmung aussetzt, sollte man sich nicht scheuen, das Kind zu beatmen oder eine Herz-Massage zu beginnen. Dabei drückt der Helfer auf das Brustbein. "Bei Säuglingen mit zwei Fingern, bei Kleinkindern mit einer Hand", sagt Jochen Rübo, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Klever St.-Antonius-Hospital. Eindringlich machte der Arzt für Kinderheilkunde klar, dass jede Hilfe zählt, die man einem kranken oder verunfallten Kind zukommen lässt. "Haben Sie keine Angst, die 112 zu wählen. Und: Achten Sie auf ihre eigene Sicherheit, auf den Verkehr, achten Sie darauf, dass das Kind nicht mehr mit der Stromquelle verbunden ist, wenn es einen Stromschlag bekommen hat", sagt er.

Wenn das Kind länger hustet oder schaumigen Auswurf beim Husten hat: ab zum Arzt. Rübo zeigte die Röntgenaufnahme eines abgebrochenen Stücks einer Radio-Antenne, das in einer Kinderlunge steckte. Tags darauf konnte das Kind aus dem Krankenhaus entlassen werden. Manchmal passiert es, dass ein Kind die Schlaftablette aus Omas Medikamenten-Döschen schluckt und in einen komatösen Schlaf fällt. Dann gilt: das Kind ansprechen, auf die Atmung achten und 112 wählen. "Diese Tabletten sind auf 70 Kilogramm für einen Erwachsenen berechnet, ein Kind wiegt zehn Kilogramm - man kann ahnen, wie die Wirkung ist", erklärt Rübo.

Rund 7000 Notfälle behandelt das Krankenhaus im Jahr, die Männer und Frauen am Notfalltelefon sind speziell ausgebildet. Es gilt: Ruhe bewahren und Notarzt rufen. "Wenn Sie helfen, atmen Sie erst tief durch, um sich selbst zu beruhigen", sagt er. Ein Rat, den auch junge Ärzte bekommen. Dann sollte man sich die W-Fragen merken: Wo ist es passiert, was ist passiert, wie viele Verletzte haben welche Verletzung? Und auf Rückfragen warten.

Was tun in Notfällen mit Kindern, hieß der dritte Abend der Gesundheitsexperten, den das Katholische-Karl-Leisner-Klinikum in Zusammenarbeit mit der Rheinischen Post organisiert hatte. Es ging um die Notfall-Medizin und um Kinder, die mit Auffälligkeitssyndromen wie ADHS zu kämpfen haben oder mit Schwächen wie LRS. Hier stand Petra Wundschock, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin mit den Schwerpunkten Allgemeine Pädiatrie, Neuropädiatrie und Sozialpädiatrie, Rede und Antwort. "Ich habe den Menschen und sein soziales Umfeld im Blick", sagte Wundschock, die das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) des Karl-Leisner-Klinikums vorstellte. Und beruhigte: "Nur vier bis fünf Prozent der Kinder haben eine solche Schwäche", sagt sie. Eine Schwäche, die aber zur Beeinträchtigung des Kindeswohls führen kann, wenn sich der Betroffene stets zurückgesetzt fühlt. Das zu attestieren müsse einerseits wohl überlegt sein, andererseits helfe es, wenn es um finanzielle Hilfen geht.

Im SPZ stellen die Ärzte, Psychologen und Therapeuten vor allem eine Diagnose. "Wir sind ein Diagnostikzentrum. Die Therapie übernehmen die niedergelassenen Ärzte und Therapeuten", sagte Wundschock. Der Weg ins SPZ führt über die Kinder- und Jugendärzte. Im SPZ werden die Kinder untersucht - vom Arzt, Motopäden oder Psychologen. Zuvor müssen die Eltern einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen, es wird unter anderem eine Intelligenzdiagnostik gemacht. "Wir wollen ja wissen, ob das Kind über- oder unterfordert ist", sagt sie.

Das SPZ hat aber auch eine Schreiambulanz, wenn das Kind keine Ruhe gibt und die Eltern sagen müssen: "Ich kann nicht mehr". Es gibt zudem eine Kopfschmerzambulanz und natürlich die Frühgeborenen-Nachsorge.

Quelle: RP
 
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