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Emmerich
"Hier gibt es viel Potenzial"

Emmerich: "Hier gibt es viel Potenzial"
Stadtpfarrer Bernd de Baey empfing am 7. Juni 1992 in Münster die Weihe zum Priester. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. Am Sonntag feiert Stadtpfarrer Bernd de Baey sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Obwohl es auch Schwierigkeiten gibt, hat es der 52-Jährige bislang nicht bereut, vor drei Jahren seinen Dienst in St. Christophorus angetreten zu haben. Von Markus Balser

Die Einladungen, die Bernd de Baey dieser Tage verschickt hat, werden von einem ganz besonderen Bild geziert. Es zeigt eines der letzten Kirchenfenster, das von Georg Meistermann geschaffen wurde, der auch im alten Emmericher Zollamt seine Spuren hinterlassen hat. Dargestellt sind Tag und Nacht, Licht und Dunkel. Das kunstvoll gestaltete Fenster, der "Lobgesang der Schöpfung", befindet sich im Dom zu Münster, eben jener Kirche, in der de Baey am 7. Juni 1992 die Weihe zum Priester empfing.

An diesen Tag kann sich der heutige Stadtpfarrer von St. Christophorus noch sehr gut erinnern. "Wir waren 22 Diakone, die die Priesterweihe von Bischof Reinhard Lettmann erhielten", sagt der gebürtige Reeser. Ebenfalls im Gedächtnis geblieben ist dem Pfarrer auch die Frage, die ihm gestellt wurde, unmittelbar bevor er seine erste Priesterstelle im Münsteraner Stadtteil Kinderhaus antrat: Ob er sich das denn gut überlegt hätte, in den Dienst der Kirche zu treten - jetzt, wo "alles weniger wird". Denn dass es einen Umbruch geben, die Gemeindemitglieder immer älter und ihre Zahl gleichzeitig geringer werden würde, war schon damals erkennbar. "Genau das erschien mir als Herausforderung. Dass der Umbruch allerdings so groß werden würde, war mir damals noch nicht klar", sagt de Baey im Rückblick.

Nach vier Jahren in Münster wechselte er für weitere vier Jahre nach Telgte, danach für 14 Jahre nach Olfen. Und musste dann eine einschneidende Entscheidung treffen. Nämlich, ob er von Westfalen an den Niederrhein wechselt, um die Nachfolge von Carsten Weidisch in St. Christophorus anzutreten - in einer Seelsorgeeinheit, die nicht zur Ruhe zu kommen schien. Pfarrer de Baey erbat sich vom Bischof ein paar Tage Bedenkzeit und stellte fest, dass seine anfänglichen Zweifel immer geringer wurden. Er sagte schließlich zu.

Den Entschluss, nach Emmerich in die St.-Christophorus-Gemeinde zu gehen, hat er bis heute nicht bereut. Auch wenn es, wie er einräumt, immer noch hin und wieder Spannungen in der Seelsorgeeinheit gebe. "In Emmerich gibt es rascher Aufgeregtheiten als in den westfälischen Gemeinden, in denen ich vorher tätig war. Aber ich bin froh, wenn sich Menschen offen an mich wenden. Damit kann ich gut umgehen", sagt de Baey.

Kontrovers, aber auch offen miteinander sprechen - das sei etwa in den Fragen um die Zukunft der Kirchenimmobilien und weitere Nutzung der Pfarrheime nötig. "Das ist manchmal schmerzhaft, weil man von Gewohnheiten Abschied nehmen muss. Da sind Flexibilität und Einsicht gefordert. Aber auch, wenn es Belastendes gab, hat es bislang immer einen Weg gegeben", sagt der Stadtpfarrer.

Momentan sei es für die Kirche zwar ganz allgemein schwer, zeitgemäße Antworten auf drängende Fragen zu finden. So lange aber miteinander gesprochen werde, sei ihm um die Zukunft der Seelsorgeeinheit nicht bange. Auch deshalb, weil er in Emmerich viele Ansätze zum Positiven sieht.

"Hier gibt es großes Potenzial. Vieles tut sich im Kleinen, wie etwa vor kurzem, als viele Jüngere dafür sorgten, dass die Älteren das Marienbild aus Kevelaer zu sehen bekamen", erklärt de Baey. "Aber auch die rege Teilnahme bei der Firmvorbereitung stimmt mich zuversichtlich. Da wurde eine große Aufgeschlossenheit gegenüber der Kirche deutlich."

Auf den Empfang, der zu seinem Priesterjubiläum in Verbindung mit der Stadtprozession am kommenden Sonntag stattfindet, freut sich de Baey schon jetzt. Es soll ein Fest der Begegnung werden, eines an dem sich möglichst viele aus St. Johannes der Täufer und St. Christophorus beteiligen - zum Beispiel auch die eritreischen Flüchtlinge, die sich seit einiger Zeit regelmäßig zum Gottesdienst in St. Martini versammeln.

Quelle: RP
 
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