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Rees
Hilfe aus Haffen fürs Krippen-Projekt

Rees: Hilfe aus Haffen fürs Krippen-Projekt
Oben: Marcus Meyer bei der Arbeit an der Ochsenfigur. Auch die Rohfassung des Josef nimmt schon Gestalt an. Unten: Tischlermeister Thomas Heweling (l.) unterstützt den Kieler Künstler Marcus Meyer (M.) bei der Arbeit an einer Massivholzkrippe. Teile davon entstanden in Michael Biesemanns Schreinerei in Wesel. FOTO: M. Scholten
Rees. Der Haffener Tischler Thomas Heweling unterstützt den Kieler Künstler Marcus Meyer beim Bau einer Massivholzkrippe. Von Michael Scholten

"Gibt es in Kiel keine Schreinerei?" Diese Frage musste der Kieler Künstler Marcus Meyer öfter beantworten, als er seinen Arbeitsort jetzt für eine Woche nach Wesel verlegte. Dafür sprachen gleich mehrere Gründe: Zum einen ließ Seniorchef Michael Biesemann den kreativen Kieler auch jenseits der üblichen Öffnungszeiten an allen Maschinen arbeiten, zum anderen konnte Meyer auf die Hilfe des Haffener Tischlermeisters Thomas Heweling setzen. Mit ihm realisierte er schon von 2007 bis 2009 große gemeinsame Projekte, bevor Heweling in Detmold Innenarchitektur und Raumkunst studierte und sich einen Namen als freischaffender Designer machte.

Ein Auftrag aus Schleswig-Holstein brachte die beiden Holzkünstler jetzt wieder zusammen: Marcus Meyer entwirft und fertigt für die evangelische Kirchengemeinde in Brügge eine Krippe aus Massivholz. Sie wird 115 mal 90 Zentimeter groß und 65 Zentimeter hoch. Zum Ersten Advent sollen die Geburtsgrotte und die Figuren fertig sein. "Die Krippe wird über Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte in der Kirche bleiben", sagt Marcus Meyer, "deshalb ist mir wichtig, ihr ein zeitloses Design zu geben."

Die Arbeitsbereiche sind klar verteilt: Der Künstler hat Visionen, Thomas Heweling hilft ihm bei der Umsetzung. "Ich gehe los und organisiere die richtigen Maschinen, damit Marcus nicht aus dem kreativen Prozess herausgerissen wird", sagt der Haffener und ergänzt: "Im Grunde bin ich sein Werkzeug, aber ich mache das gern, weil wir uns blind verstehen." In Wesel entstand unter anderem das Podest, auf dem die Krippe später im Altarbereich der Kirche direkt über dem Taufbecken stehen soll. Die Feinarbeiten an der Geburtsgrotte und den Holzfiguren leistet Marcus Meyer in Kiel. Dabei wird kein Tropfen Farbe zum Einsatz kommen. Vielmehr werden die polierten Oberflächen die Maserungen der Holzarten betonen. "Der neugeborene Jesus und der Engel sind aus sehr hellem Riegel-Ahorn, für Maria und Josef habe ich die Ulme gewählt, die für den Glauben an die Heilige Schrift steht", sagt Meyer. Für die Krippe verwenden er und Thomas Heweling Mooreiche und Esche. "Man öffnet einen Baumstamm und schafft ganz neue Oberflächen, das ist wie Zauberei", schwärmt der Künstler.

Die Liebe zum Holz sollen auch die Besucher der Kirche in Brügge neu entdecken. Denn die Krippenfiguren dürfen ausdrücklich angefasst werden. "Die Haptik ist ein wichtiger Aspekt", sagt Thomas Heweling. "Vor allem Kinder dürfen an die Krippe herangehen, deshalb bauen wir das Podest trittfest." Die Kirchengemeinde in Brügge, ein Nachbarort der Gemeinde Reesdorf, finanziert die neue Krippe durch Spendenaufrufe. "Es haben sich Paten für fast alle Figuren gefunden, nur der Ochse hat noch keine Lobby", sagt Marcus Meyer. Mit Hilfe einiger Fotos, die er von der Rohfassung des Tieres veröffentlichen will, soll diese Finanzierungslücke geschlossen werden.

Der Esel, vier Schafe und ihre Schäfer, dazu drei Könige, die jeweils ein Tier tragen, und die Heilige Familie haben ihre Förderer gefunden. Das Jesuskind wird nur zirka zehn Zentimeter groß sein. Maria kniet neben ihm, Josef wirkt leicht distanziert. "In der Adventsgeschichte ist er nicht der leibliche Vater, aber dennoch eine Vaterfigur", sagt Marcus Meyer. "Ich stelle ihn so dar, dass er sich leicht abwendet, aber dennoch Kontakt zu Maria aufnimmt." Da Marias Holzfigur noch hergestellt werden muss, ist Josefs Arm zurzeit sehr massiv. "Ich passe ihn erst später an Marias Holzfigur an", erklärt der Künstler. "Was einmal weg ist, kann ich bei der Arbeit mit Holz später nicht mehr wieder holen."

Quelle: RP
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