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Heimat genießen - in Emmerich
Honigmachen in der Kleingartenanlage

Heimat genießen - in Emmerich: Honigmachen in der Kleingartenanlage
Auch die Enkelkinder, der zwölfjährige Jeremias und die achtjährigen Zwillinge Jade (mit Hut in der Hand) und Josefine, interessieren sich für Opas Bienen. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. Honig von hier - das ist für Georg Maiß (74) ein Stückchen Heimat. Der pensionierte Schulleiter ist seit mehr als 30 Jahren Hobby-Imker. Dabei hatte er anfangs richtig Angst vor den Bienen. Jetzt geht er entspannt mit den Tieren um. Von Monika Hartjes

So mancher Bürger, der mitten in der Stadt wohnt, hat sich in der Kleingartenanlage am Klinkerweg ein idyllisches Gartenfleckchen geschaffen, in dem er einen Großteil seiner Freizeit verbringt. Auch Georg Maiß ist hier oft zu finden, er hat zwar keine eigene Parzelle, aber seine Bienenvölker "wohnen" in der Kleingartenanlage. "Honig von hier - das ist schon ein Stückchen Heimat", sagt der 74 Jahre alte Ruheständler. Für einheimischen Honig spricht nicht nur der Geschmack, sondern auch die Gesundheit. "Man geht davon aus, dass der Verzehr von Honig aus der 'heimischen' Region Allergien positiv beeinflusst, da im Honig ja auch Pollen aus der Umgebung enthalten sind. Bei sensiblen Allergikern wird das Immunsystem mit dem Allergen aus dem Honig in geringen Mengen vertraut gemacht und kann daher die allergischen Reaktionen abschwächen, haben mir Ärzte erzählt", erklärt Georg Maiß.

Der Ursprung für seine "Bienen-Leidenschaft" war für Maiß, der bis zu seiner Pensionierung vor fast zehn Jahren als Schulleiter der Millinger Grundschule tätig war, die Angst vor diesen Insekten. Sein Freund Heinz van der Giet, ebenfalls begeisterter Hobby-Imker, wollte ihm diese Angst nehmen. Er gab dem ängstlichen Freund einen Imker-Hut und ließ ihn mitarbeiten an den Bienenkästen. Leider ging der Schuss nach hinten los, denn um dessen ungeschützten Nacken legten sich zahlreiche Bienen wie ein Schal - einige davon stachen zu. Doch Georg Maiß hatte Blut geleckt, seine Faszination für Bienen war trotz allem geweckt. "Ich habe nur gedacht: Wenn ihr Bienen was von mir wollt, dann will ich auch was von Euch!" 1982 investierte der Lehrer rund 1200 DM, um Bienen-Holzkästen, Siebe, einen Anzug, einen Hut mit Schleier, Lederhandschuhe und weitere Ausstattungsgegenstände einzukaufen. Er schaffte sich zwei Bienenvölker an, die im heimischen Garten aufgestellt wurden. Das Grundstück grenzt direkt am Friedhof, deshalb nannte der Hobbyimker seine erste Honigernte auch "Friedhofsspätlese".

Da es in der Nachbarschaft Allergiker gab, suchte er für seine Bienenvölker eine neue Heimat und fand sie zunächst an der Straße "Hohe Sorge", wo die fleißigen Insekten für die Bestäubung der Obstbäume sorgten. Ein Jahr später stand wieder ein Umzug an, zu einem Bauernhof in Millingen, der den Eltern eines seiner Schüler gehörte. Nach seinem Ruhestand war es von Emmerich aus immer ein langer Weg, um seine Bienen zu besuchen. Als dann die Bewohner der Kleingartenanlage nachfragten, ob er seine Bienen nicht dort unterbringen wollte, sagte er gerne zu. Seit dem letzten Sommer sammeln dort die fleißigen Bienen eifrig Pollen an Raps, Obstblüten, Sommer- und Herbstblumen und Bäumen. Der Standort der sieben Bienenkästen auf einer grünen Wiese, die man durch einen kleinen Hohlweg erreicht, ist idyllisch, an einer Seite Wald, an der anderen ein Maisfeld. Fast jeden Tag kommt Georg Maiß auf seiner Nordic-Walking-Tour hier vorbei und schaut nach seinen Bienenvölkern.

Auch die Enkelkinder, der zwölfjährige Jeremias und die achtjährigen Zwillinge Jade und Josefine, interessieren sich für Opas Bienen. Als die Zwillinge im Kindergarten waren, hat Opa Georg sie da besucht und den Kindern einiges über die Bienen und die Honigherstellung erzählt. Sie haben nur etwas Respekt vor dem Stechen. "Auch ich wurde am Anfang oft gestochen", gibt der Großvater zu. "Wenn man Angst hat, gibt der Körper an der Luft einen Duftstoff ab, der die Bienen aggressiv macht. Jetzt, wo ich entspannt mit den Tieren umgehe, habe ich keine Probleme mehr mit Bienenstichen."

Die Enkel lieben es, beim Schleudern des Honigs zu helfen. Einige Tage, bevor es so weit ist, baut der Imker Bienenklappen in die Bienenkästen ein, damit der Honigraum im oberen Bereich bienenfrei wird. Geschleudert wird zuhause im Keller, dahin werden die Honigrahmen gebracht und zunächst entdeckelt. "Das macht man mit einer Art Gabel, da helfe ich besonders gerne mit", erklärt Jade. Danach kommen die Rahmen in eine elektrische Schleuder, vier Stück passen auf einmal hinein. Die Flüssigkeit fließt dann durch zwei Siebe in eine große Nirosta-Trommel und wird vor dem Umfüllen ein drittes Mal gefiltert. "Diese Art der Honigherstellung nennt sich 'kalt geschleudert". Das ist besonders schonend, alle Nährstoffe bleiben so im Honig", erklärt Inge Maiß, die ihrem Mann beim Honigmachen hilft.

Nicht nur die Enkelkinder schwärmen von dem leckeren Geschmack des Honigs, auch die anderen Familienmitglieder, Freunde, Bekannte und Nachbarn wissen den "Honig aus der Heimat" zu schätzen. "Die Gläser gehen sogar regelmäßig zu einem Bekannten, der nach München gezogen ist, und so ein Stück Heimat genießen kann", erzählt Georg Maiß.

Quelle: RP
 
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