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Emmerich
In schönen Erinnerungen schwelgen

Emmerich: In schönen Erinnerungen schwelgen
Die "Ehemaligen" trafen sich am Samstag. Nach einem Besuch in der Aldegundiskirche und "Mannis kleinem Museum" ging es weiter zur Promenade. FOTO: NN
Emmerich. Viel zu erzählen hatten beim Klassentreffen die Ehemaligen, die 1950 und 1951 die Martinischule verließen. Von Monika Hartjes

Vor 65 Jahren wurden sie aus der Martinischule entlassen. Anlass genug, sich zu einem Klassentreffen zusammenzufinden und über alte Zeiten zu sprechen. Johannes Reintjes übernahm die Organisation. Diese Aufgabe hatte er von seinem älteren, inzwischen verstorbenen Bruder Leo übernommen, der bereits vorher verschiedene Treffen organisiert hatte. "Von den 55 Schülern des Doppeljahrgangs, die zusammen in unserer Klasse waren, leben noch 30. Aber wir sind inzwischen knapp 80 Jahre alt und nicht alle gesund. Deshalb sind insgesamt nur zwölf der Einladung gefolgt", sagte Reintjes.

Zunächst fand eine Führung durch die Aldegundiskirche statt, bei der der Diakon Kurt Reintjes, der jüngere Bruder des Organisators, die Fensterbilder im Chorraum erläuterte.

Anschließend trafen sich alle in Manni Ottens kleinem Museum, wo in Erinnerungen geschwelgt wurde: Nach dem Krieg waren alle Kinder zuerst in der Volksschule Liebfrauen untergebracht, die als einzige nicht zerstört war. Unterricht gab es vormittags und nachmittags, um alle Kinder bewältigen zu können. In der alten Martinischule wurden dann zwei Klassenräume hergerichtet, um die Kinder der Jahrgänge 1936, 1937 und 1938, in einer Doppelklasse zusammengefasst, dort zu unterrichten.

Der Bottich für die Schulspeise habe im Keller gestanden. Es gab im Wechsel Erbsensuppe, die nicht sehr beliebt war, weil sie meistens nicht richtig gar war, und die süße Biskuitsuppe. "Die älteren Schüler unserer Klasse wurden 1950, die jüngeren 1951 entlassen", sagte Reintjes. Die Entlassfeier fand im Gewerkschaftshaus "Hinter dem Engel" statt, wo eine weitere Klasse untergebracht war. Mit 14 bis 15 Jahren begannen die Schüler ihre Ausbildung.

Von einem Ausflug berichtete Winfried Schmitz. "Aber nicht zum Skifahren nach Österreich, sondern zu Fuß zum Johanna-Sebus-Denkmal auf der anderen Rheinseite. Als Verpflegung gab es selbst geschmierte Butterbrote." Bei einem Besuch in der Hüthumer Molkerei naschten einige von der Sahne. Die fehlten am nächsten Tag in der Schule wegen Durchfall. Der Schulhof lag an der alten Stadtmauer und dort durfte jeder Schüler ein kleines Beet anlegen. Gepflanzt wurden Blumen und Gemüse. Dort gab es auch einen alten Bunker, der zum Klettern einlud. Herrlich zum Verstecken waren die Katakomben unter der Christuskirche, erzählte Reintjes. "Die Mädchen verschwanden dort, die Jungen liefen hinterher", erinnerte er sich. In den Herbstferien wurde kein Urlaub gemacht, sondern auf den Feldern gearbeitet. Ganze Klassen sammelten Kartoffelkäfer und ernteten Kartoffeln, berichtete Ruth Nissing.

Lehrer Karl Hüsgen war recht "robust" zu seinen Schülern: Es gab auch Schläge. Mit einem Schüler namens Wanders hatte er einen Deal: "Wenn du den Kohle-Ofen heizt, brauchst du keine Hausaufgaben zu machen." Wie die ehemalige Lehrerin Hildegard Schwake am Tag nach ihrer Hochzeit zu begrüßen sei, das wurde extra geübt: "Guten Morgen, Frau Pickers." Die Lehrerin war mit dem späteren Landrat Hans Pickers verheiratet.

Fortschrittlich war man in der Schule auch schon. "Von Fräulein Krüger haben wir Englisch gelernt", so Schmitz. Hans Gödden erzählte von einem Streich. Er hatte Pastor Wilhelm Bündgens einen Fuchsschwanz hinten an das Priestergewand befestigt, der bei den Bewegungen hin- und herflog und für viel Gelächter sorgte. Die Sache flog auf, Gödden wurde bestraft.

Manfred Otten zeigte einige Filme, unter anderem "50 Jahre Rheinbrücke". Am Abend gab es ein geselliges Essen bei "Franz" an der Rheinpromenade.

Quelle: RP
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