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Emmerich
Jetzt wird nach dem "Chef" gefahndet

Emmerich: Jetzt wird nach dem "Chef" gefahndet
Im Juli durchsuchte eine Hundertschaft ein Rapsfeld nahe der Spielhalle an der Rudolf-Diesel-Straße in Emmerich nach Beweismitteln. FOTO: privat
Emmerich. Landgericht: Überraschende Geständnisse gab es jetzt beim Prozess um die Bande, die mit Vorschlaghämmern Spielcasinos in Emmerich, Rees und Kevelaer überfallen haben soll. Ein 31 Jahre alter Rumäne soll Drahtzieher sein.

Fürs Gericht kam die Erklärung dann doch überraschend: Einer der drei Angeklagten, der zur Vorschlaghammer-Bande gehört, die bis zur ihrer Festnahme am 13. Juli Spielhallen unter anderem in Emmerich, Rees und Kevelaer überfallen haben soll, wollte im Prozess auf der Schwanenburg "die Wahrheit sagen" , wie es seine Anwältin formulierte. An zwei der sechs zur Last gelegten Überfälle hätte er teilgenommen, wie er einräumte, und zwar in Borken am 8. Juni 2015 und am 13. Juli in Emmerich. Dort war die Bande in die Polizei-Falle getappt und festgenommen worden.

Zu Prozess-Beginn vor dem Landgericht Anfang Januar, wo sich die drei Rumänen wegen schweren Bandendiebstahls in sechs Fällen verantworten müssen, hatten zunächst zwei der drei keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht. Der dritte im Bunde hatte zwei Beteiligungen an den Raubzügen gestanden, u.a. an dem, wo die Einbrecher von der Polizei erwischt wurden.

Dann die nächste Überraschung nach der Pause des zweiten Verhandlungstages, an dem Vorsitzender Richter Gerhard van Gemmeren 18 Zeugen geladen hatte. Wie unter Zugzwang kündigte die Anwältin des dritten Angeklagten an, dass auch ihr Mandant zu den Vorwürfen aussagen wollte. Auch er, übersetzte die Dolmetscherin, hätte bei zwei Raubzügen mitgemacht, in Tönisvorst am 29. April und eben am besagten Aufgriff-Tag am 13. Juli in Emmerich.

Der geständige erste Rumäne, der wie seine beiden Mitangeklagten in Handschellen und in Begleitung von vier Justizvollzugsbeamten in den Schwurgerichtssaal begleitet wurde, räumte zwar ein, in Borken dabei gewesen zu sein, natürlich auch in Emmerich. Nicht aber in Rees, wo ebenso wie bei anderen Überfallen mit Vorschlaghämmern blitzschnell und gewaltsam in die Spielhalle eingedrungen worden war und dort mit Brachialgewalt Automaten zerstört und erheblicher Sachschaden angerichtet wurde.

Es gebe gesundheitliche Probleme mit seiner Familie in Rumänien, begründete der zuletzt geständige junge Mann seine Teilnahme an dem Beutezug. Der übrigens, was auch die beiden anderen bestätigten, immer von einem 31-jährigen Rumänen, den sie den "Chef" nannten, organisiert worden sein soll. "Für die Tat in Tönisvorst habe ich nur 100 Euro vom ,Chef' bekommen", sagte er, "deshalb wollte ich nicht mehr mitmachen". Doch die Not war wohl zu groß.

Alle drei Angeklagten hätten sich in einem Café in Duisburg-Ruhrort getroffen, wo die Tat in Emmerich besprochen worden sei. Einmütig wurde geschildert, mit welchem Wagen man nachts zum Spielcasino gefahren sei, um es auf die üblich rauhe Art zu überfallen. Auch der "Chef" sei dabei gewesen, dessen Identität mittlerweile bekannt ist. Erwischt wurde er noch nicht, die Fahndung läuft.

Als Zeugen gehört wurden zahlreiche Polizisten, die entweder nach den Überfällen vor Ort waren oder die Bande in Emmerich gefasst hatten, aber auch Mitarbeiter der Spielcasinos.

Der Prozess wird Donnerstag um 9 Uhr am Landgericht fortgesetzt.

(rey)
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