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Emmerich
Joseph Beuys und die Zauberin

Emmerich: Joseph Beuys und die Zauberin
Joseph Beuys: Zauberinnen. FOTO: Gottfried Evers
Emmerich. Die nächste Ausstellung "Kunst-Bewegt" stellt das Thema Märchen in den Mittelpunkt der grafischen Ausstellung. In der Beuys-Etage geht es dazu mit starken Frauen weiter: den Zauberinnen und Druidinnen. Von Matthias Grass

Es sind wieder die starken Frauen, die die Beuys-Etage im Museum Schloss Moyland bestimmen: Jene schlanken Figuren mit ausladender Hüfte und langen Beinen, die sich auf den kleinen Blättern strecken oder wie verwunschen, wie schwebend schemenhaft auf das Blatt gesetzt wurden. Zwar steht die Ausstellung "Kunst-Bewegt" im Herbst des Jahres ganz im Zeichen von "Märchen und anderen wundersamen Geschichten", vor allem in den Etagen der Sammlung und der Grafik. Aber: "Märchen kommen bei Beuys nicht vor", sagt die künstlerische Direktorin von Museum Schloss Moyland, Dr. Bettina Paust.

Märchen nicht - aber die Figuren aus den Märchen, die Figuren aus anderen wundersamen Geschichten. Wie die "Zauberin". Oder die "Druidin". Oder die "Schamanin". Und nicht zuletzt die "Norne mit Tierkopf". Das sind die Charaktere, die sich auf den Blättern des Bildhauers wiederfinden. Es sind alles aber auch Charaktere, wie sie bei den Grimms, bei Andersen und Brentano, den romantischen Märchenerzählern und nicht zuletzt den alten Sagen auch vorkommen. Damit sind die Beuys-Blätter dem Thema nicht fremd - zumal der Untertitel ja weit gefasst ist.

FOTO: Evers, Gottfried (eve)

Für "Kunst. Bewegt. 08" hat das Museum Schloss Moyland wieder das komplette Schloss umgestaltet, den größten Teil der Bilder abgehängt und durch andere ersetzt. Unten in der Sammlung ist eine beachtliche Mappe zu Grimms-Märchen von David Hockney zu sehen, die Kurator Dr. Alexander Grönert eingerichtet hat. Man begegnet der Sagenwelt des Bildhauers Gerhard Marcks und in der grafischen Abteilung den romantisierenden Beispielen aus dem 19. Jahrhundert und der Zeit des Jugendstils, die Dr. Barbara Strieder herausgesucht hat.

"Jede neue Präsentation ist eine Herausforderung, weil wir sie unter einem gemeinsamen Titel stellen möchten", sagt Bettina Paust. Haben die Kuratoren das Thema, wie hier "Märchen und andere wundersame Geschichten", dann muss der gesamte Bestand der Sammlung auf dieses Thema hin gescannt werden. Durchgesehen zu diesem Thema wird dann auch das mehrere Tausend Zeichnungen umfassende Konvolut von Joseph Beuys aus dem Bestand des Museums.

Beuys hatte in den 50er Jahren wohl ein großes Faible für Frauendarstellungen, wie sie in "Kunst.Bewegt.07" zum Thema "Starke Frauen" auch schon zu sehen waren. "In den frühen Zeichnungen von Joseph Beuys versinnbildlichen Zauberinnen, Nornen und Nymphen den Bezug zu Mythen, vielleicht auch zu Märchen", sagt Paust. Die Frauendarstellungen in dieser Zeit seien für Beuys Ausdruck aktiver Energie sowie schöpferischer und intuitiver Kräfte. Es ist ein dankbares Thema, das sich auf den kleinen Blättern entfaltet. Die Bilder wirken in der neuen Präsentation wie leuchtend, lassen so ein wenig, die wegen der empfindlichen Zeichnungen gedimmte, schwache Beleuchtung vergessen.

"Kunst.Bewegt.08, Märchen und andere wundersame Geschichten" ist noch bis zum 31. Januar 2016 im Museum in Bedburg-Hau zu sehen.

Quelle: RP
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