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Kommentar
Jugendheim-Diskussion sachlich führen

Emmerich. In Speelberg ist die Diskussion um den geplanten Verkauf des St.-Michaelheims in vollem Gange. Wenn die Kuh vom Eis soll, helfen nur sachliche Argumente weiter.

Die Diskussion, die derzeit in Speelberg aufflammt, erinnert stark an jene, die seit einiger Zeit in Haldern geführt wird. Auch dort will die Kirche ein alteingesessenes, von vielen Gruppen genutztes Jugendheim veräußern. Und auch dort regt sich Widerstand an der Basis.

Im Unterschied zu Haldern jedoch, wo eine weitere Nutzung in den nächsten Jahren noch möglich ist und privates Engagement zum Fortbestand des Hauses führen könnte, gäbe es beim St.-Michaelheim im Falle eines Verkaufs an die Stadt wohl kein Zurück mehr. Denn hier ist ja ein Umbau für Flüchtlingsfamilien von der Stadtverwaltung vorgesehen.

Der Protest, der jetzt in Briefen oder oder auch wie bei der KAB-Veranstaltung mit Bürgermeister Peter Hinze geäußert wird, hat übrigens nichts mit Vorbehalten gegen Flüchtlinge zu tun. Vielmehr geht es um den Erhalt einer Einrichtung, die das Quartier Speelberg über Jahrzehnte geprägt hat und dort tief verwurzelt ist. Pfarrer Bernd de Baey hat deshalb die Entscheidung zum Verkauf als "schmerzhaft", aber auch als christliche Geste bezeichnet.

An seinem Vorgehen gibt es nun Kritik. Dabei hat er keine Entscheidung vorab oder im Alleingang getroffen, sondern zu allererst mit den Nutzern über die Lage gesprochen. Und die stimmten einem Verkauf zu. Auch der für Speelberg zuständige Kirchausschuss gab grünes Licht, ebenso der Kirchenvorstand.

Ganz nebenbei bemerkt: Es war der ehemalige Bürgermeister Johannes Diks, der die Kirche konkret auf das Michaelheim angesprochen hatte. Das hat er jetzt auch noch einmal gegenüber der Rheinischen Post bestätigt. Es war also nicht so, dass die Kirche die Einrichtung der Stadt feil geboten hätte, wie ab und an behauptet wird.

Dass sich jetzt Speelberger dennoch für den Erhalt des Hauses einsetzen, ist vollkommen legitim. Dabei sollte sich die Diskussion aber auf sachlicher und weniger auf emotionaler Ebene abspielen. Die Fragen, die beantwortet werden müssen: Gibt es adäquaten Ersatz für alle im Jugendhaus untergebrachten Gruppen? In welchem Rahmen kann das Speelberger Pfarrfest künftig noch stattfinden? Und: Kann das Heim tatsächlich für die genannten 100.000 Euro von der Stadt für die Flüchtlingsfamilien umgebaut werden, beziehungsweise ist das Haus für eine Unterbringung von Familien überhaupt geeignet?

Quelle: RP
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