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Emmerich
Katzenbabys wie Müll "entsorgt"

Emmerich: Katzenbabys wie Müll "entsorgt"
In dieser Plastiktüte am Fuße des Abhangs neben der Straße wurden die Katzen gefunden. FOTO: Privat
Emmerich. Eine junge Frau hat in Reeserward einen Müllbeutel gefunden, in dem sich zwei winzige Katzenkinder befanden. Unbekannte hatten die Tüte am Wegesrand einen Abhang hinunter geworfen. Jetzt sind die hilflosen Stubentiger vom Verein "Samtpfote" in Obhut genommen worden. Von Sina Zehrfeld

Katharina Thenagels ist entsetzt über diesen Fall von kaltblütiger Tierquälerei. Die 27-Jährige entdeckte am Dienstagabend gegen 18 Uhr beim Spaziergang in Reeserward, ganz in der Nähe des Cafés "Drei Raben", zwei höchstens einen Tag alte Katzenbabys. Jemand hatte die Tiere in einer Mülltüte "entsorgt". Unglaublich: Das Bündel war etwa zwei Meter tief die Böschung heruntergeworfen worden.

Dass Katharina Thenagels darauf aufmerksam wurde, war purer Zufall. Sie sah in einer Kuhle, in der sich gelegentlich Laub und weggeworfene Abfälle sammeln, eine transparente Plastiktüte, die "irgendwie komisch" aussah, erzählt sie: "Und plötzlich bewegte sich da was." Als nächstes hörte sie das klägliche Maunzen. Das erste schwarz-weiße Jungtier hatte sich aus dem Beutel gekämpft, robbte blind vorwärts und gab mit seiner dünnen Stimme Laute von sich.

"Sie haben hilflos gefiept"

Das zweite, in der Tüte verfangen, regte sich kaum. "Die Augen waren noch zu, die Katzen waren eiskalt und haben gefiept", beschreibt Katharina Thenagels die Situation: "Mir hat das Herz bis zum Hals geschlagen. Wie kann man so etwas machen?" Erst einmal wickelte sie die Kleinen in ihren Schal und brachte sie ins Warme, alarmierte den Katzenschutzverein Samtpfoten und transportierte die Kätzchen dann zu einer Tierärztin.

Jetzt sind sie in der Obhut von Stephanie Albrecht vom Verein "Samtpfote". Genauer gesagt, sie sind die meiste Zeit über in der Obhut ihrer Labrador-Hündin "Luna", die einen ausgeprägten Mutterinstinkt besitzt und sich fürsorglich um die Winzlinge kümmert. Stephanie Albrecht ist wütend über den Fall: "Es ist ein großes Stück Feigheit, sich der Tiere so zu entledigen." Sie nicht abzugeben, ihnen nicht einmal einen schnellen Tod zu gönnen: "Man nimmt billigend in Kauf, dass sie wirklich qualvoll verenden." Die Jungtiere seien vermutlich am Montag zur Welt gekommen und hätten wohl nicht ein einziges Mal Milch von der Mutter getrunken. Das Stärkere wog gestern 98, das Schwächere 89 Gramm.

Die Nacht im Freien hätten sie nicht überlebt. Auch jetzt sind sie noch lange nicht über den Berg, aber: "Sie haben auf jeden Fall eine Chance."

Die "Samtpfote" hat übrigens einen vagen Verdacht. Stephanie Albrecht erinnert sich an einen Fall im vergangenen Jahr, bei dem auf einem Bauernhof zehn Tage alte Katzenbabys in einer spontanen Aktion an Kinder verschenkt wurden. Die Tiere damals hatten Ähnlichkeit mit denen von Reeserward.

(RP/top/jco)
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