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Emmerich
Kinder versuchen sich als Steinmetze

Emmerich. Jungen und Mädchen aus Isselburg haben an einem Domworkshop "Kleiner Steinmetz" in Münster teilgenommen. In wenigen Wochen empfangen sie die erste Heilige Kommunion. Der Kursus war Teil der Vorbereitung.

Bennet Schnelting prüft noch einmal, ob die Schutzbrille sitzt. Dann nimmt er den Knüpfel in die rechte und das Eisen in die linke Hand. Und hämmert los. Immer wieder saust der Knüpfel in Richtung des vor ihm liegenden Steinblocks. Das Bild eines Kreuzes, das er im Kopf hat, möchte Bennet aus diesem Baumberger Sandstein schlagen. Wie ein Steinmetz also. Und das, obwohl Bennet erst acht Jahre alt ist. In wenigen Wochen empfängt er die erste Heilige Kommunion in Isselburg. Zusammen mit zehn Jungen und zwei Mädchen aus seiner Pfarrei nimmt er für die Erstkommunionvorbereitung an dem Domworkshop "Kleiner Steinmetz" in Münster teil.

Seit dem Domjubiläum im Jahr 2014 organisiert Mario Schröer von der Dompädagogik zweistündige Kurse für Kinder am St.-Paulus-Dom. Ob als Goldschmied, Glaskünstler oder eben Steinmetz - bei allen Angeboten können sich die Mädchen und Jungen in traditionsreichen Handwerken versuchen, mit denen schon die alten Baumeister dem Dom sein heutiges Aussehen verliehen haben. In diesem Jahr werden die Workshops erstmals speziell für Kommuniongruppen angeboten. Jeder Kursus beginnt zunächst je nach Schwerpunkt mit einem Gang durch die Domkammer, den Kreuzweg oder den Dom. Anschließend dürfen die Kinder selbst aktiv werden.

"Der Blick der Kinder für Kunst wird viel intensiver geschärft, wenn sie mit ihren eigenen Händen etwas erschaffen", erklärt Schröer. Dabei gehe es nicht darum, das perfekte Kunstwerk zu kreieren, im Mittelpunkt stünden die liturgischen Inhalte. Dass die Brüder Elias und Noah Roßmüller das intuitiv verstanden haben, zeigen ihre Kunstwerke. Auf Elias Stein zeichnet sich eine Schale ab, auf dem seines Bruders ein Kelch. "Das gehört ja beides zusammen", erklärt Elias und setzt noch einmal das Schleifpapier an seinen Stein an.

So weit ist Levin Rautenstrauch noch nicht. Der Neunjährige hämmert mit seinem Knüpfel auf das Eisen, um der Hand aus Stein die richtige Form zu geben. Das Motiv hat er in Anlehnung an das Michelangelo-Gemälde "Die Erschaffung Adams" gewählt. Dabei hat er nicht geahnt, dass die Arbeit als Steinmetz so anstrengend ist. "Das ist ganz schön viel Arbeit", sagt er und holt tief Luft. "Wenn ich dann an die ganzen Skulpturen und Wände aus Stein hier im Dom denke, das muss ja ewig gedauert haben."

Christoph Otto Hetzel ist mit Levins Arbeit schon sehr zufrieden. Der Bildhauer ist an diesem Nachmittag immer an der Seite der jungen Künstler, um sie zu unterstützen. "Aber wirklich nur unterstützen", wie er betont. "Ich sage den Kindern immer: Ihr seid die Künstler, die bin nur euer kleiner Helfer." Nur im Selbertun könnten die Mädchen und Jungen nachspüren, was es bedeutet, ein Bauwerk zu schaffen. "Vor allem vor dem Hintergrund damaliger Bedingungen", fügt er hinzu.

(pbm)
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