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Emmerich
Kornnatter in der Hetter ausgesetzt

Emmerich. Wenn man in der Hetter spazieren geht, rechnet man mit vielen Tieren, aber nicht gerade mit Schlangen. So war Gerda Preuth bei ihrem Sonntagsspaziergang erstaunt, als vor ihr eine knapp ein Meter lange Natter lag. Sie tat das Richtige: Sie rief Sascha Hartmann an, weil sie wusste, dass dieser sich mit allem auskennt, was Reptilien betrifft. Von Monika Hartjes

"Wenn man nicht weiß, um was für ein Tier es sich handelt, ob es beispielsweise giftig ist oder nicht, dann sollte man es nicht berühren, sondern gleich fachkundige Hilfe holen", erklärt der 39-jährige Emmericher. Ordnungsamt, Polizei und Feuerwehr hätten da entsprechende Adressen

Sascha Hartmann konnte gleich Entwarnung geben: Bei der Schlange handelt es sich um eine Kornnatter, und die ist ungiftig. Sie ist in Nordamerika beheimatet. Die "Korni" gehört zu den Würgeschlangen, aber mit einer Länge von bis zu 1,20 Meter und einem Gewicht von wenigen hundert Gramm kann sie Menschen nicht gefährlich werden. "Eigentlich sind Kornnattern sehr entspannt", weiß Hartmann, der sich seit vielen Jahren mit Terraristik beschäftigt und selber drei Schlangen, darunter eine 3,50 Meter lange Tigerpython und zwei Boas, Spinnen und Eidechsen besitzt. Aber so eine kleine Natter kann anderweitig unangenehm werden. Sie kann ihre Analdrüsen entleeren, das erzeugt einen fiesen Geruch. Oder auch mit den kleinen Zähnen, je neun bis zwölf Stück oben und unten, zubeißen. Eigentlich dienen sie dazu, die Beute wie Mäuse, Vögel oder kleine Nagetiere, festzuhalten. Außerdem bringt die Kornnatter ihre Feinde zum Fürchten, wenn sie eine Klapperschlange imitiert, indem sie den Schwanz hin- und herbewegt. Wenn sie das im trockenen Laub tut, ähnelt das Geräusch dem Rasseln der gefährlichen Klapperschlange.

Doch diese Kornnatter lag friedlich zusammengerollt auf der Erde. "Das sind wechselwarme Tiere. Schlangen bewegen sich nicht viel, das würde einen zu hohen Energieverbrauch bedeuten", erklärt Sascha Hartmann, der beruflich im Bereich "Heimtierbedarf" tätig ist.

Nur wenn die Kornnattern Hunger haben, werden sie aktiv. "Deshalb ist es naheliegend, dass diese Natter kaum selbst in die Hetter gekrochen ist", sagt er. Er könne es nicht verstehen, wenn Leute so ihre Tiere "entsorgen", zumal es genügend Anlaufstellen gibt, wo Tiere aller Art aufgenommen werden. Da brauche man nur im Internet nachzuschauen, wo man die Adressen von Tierheimen, Auffangstationen oder beispielsweise dem Terrazoo in Rheinberg findet.

"Man kann auch auf privatem Weg suchen, so Hartmann. Und man dürfe sich auch gerne bei ihm melden unter 0157-72684047, er habe bereits Dutzende von "Kornis" vermittelt. "Das sind wunderbare Haustiere, sie sind robust und brauchen nur wenig Pflege. Füttern muss man sie nur alle 14 Tage, dann bekommen sie auf Körpertemperatur aufgewärmte Tiefkühlmäuse. Da kann man beruhigt mal zwei Wochen in Urlaub fahren", erzählt er.

Die Fund-Natter darf zunächst bei ihm bleiben. Zurzeit liegt sie in einer Quarantäne-Kiste. "Die Natter könnte Parasiten haben oder eventuell auch an einer Lungenentzündung erkrankt sein von ihrem Aufenthalt draußen." Danach darf sie in ein Hochterrarium mit Ästen, denn Kornnatter lieben Bäume.

Quelle: RP
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