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Rp-Thema Die Bürgermeister-Kandidaten
Krüger bringt Schwung in den Wahlkampf

Emmerich. David Krüger geht für die BSD ins Rennen. Der 51-Jährige ist krasser Außenseiter, traut sich das Amt des Bürgermeisters aber zu.

Für seine Wahlkampfplakate hat David Krüger die Boxhandschuhe ausgepackt, er lässt eine 24-Stunden-Uhr ticken und hat den flottesten Spruch aller Kandidaten parat: "Es geht auch Krüger", findet der Mann, der für die Bürgergemeinschaft Sozialer Demokraten (BSD) das Rathaus erobern will.

Krüger hebt sich damit deutlich von seinen Mitbewerbern ab. Das muss er auch. Denn von den vier Kandidaten, die sich am 13. September zu Wahl stellen, ist er der Unbekannteste. In der Emmericher Politik ist der 51-Jährige bislang noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten. Das Mitglied des Jugendhilfeausschusses mischt erst seit zwei Jahren bei der BSD mit. Als die Frage in dem Verein - denn das ist die BSD noch - nach einem Bürgermeisterkandidaten aufkam, stellte sich Krüger zur Verfügung. "Auch wenn meine Chancen gering sind, ist das gelebte Demokratie", sagt er.

Seine Motivation: "Es gibt viele Dinge, über die ich mich in Emmerich ärgere." Er findet: "In den letzten 30 Jahren ist hier vieles verschlafen worden." Ein Beispiel: die Betuwe. "Hier hätte für eine siedlungsferne Trasse gestimmt werden müssen. Jetzt ist das natürlich eigentlich gar nicht mehr möglich. Aber die Kosten, die durch die jetzige Planung auf uns zukommen, sind höher, als wenn entlang der Autobahn gebaut würde", argumentiert er. Und findet vor allem in Hinblick auf Elten: "Die Menschen finden kein Gehör. Aber es muss eigentlich noch was passieren, sonst kommt es zu Gleisbesetzungen, weil die Leute sonst keinen anderen Ausweg mehr sehen."

Mit der BSD, die in Emmerich vor fünf Jahren von dem ehemaligen Linken-Ratsherr Thomas Meschkapowitz gegründet wurde, verbindet er die meisten inhaltlichen Schnittmengen. "Politisch war ich schon immer interessiert. Bei der BSD konnte ich mir von Anfang an gut vorstellen, mitzuspielen."

Das Amt des Bürgermeisters traut sich Krüger zu. Wenngleich er auf eine andere Rollenverteilung im Rathaus setzt. "Um die Terminflut zu bewältigen und Themen richtig anpacken zu können, würde ich mich für eine Wiedereinführung des Stadtdirektors stark machen", sagt er.

Beruflich ist der gebürtige Duisburger, der schon seit Jahrzehnten in Emmerich lebt, in Goch als Unternehmer tätig, wo er eine kleine Firma für Trockenbau und Hausmeisterservice betreibt. Er fährt gerne Motorrad, mag handgemachte Pop- und Rock-Musik und hält sich - wenn es die Zeit zulässt - im Sportstudio fit. In Emmerich fühlt er sich wohl. Er mag den ländlichen Charakter und die Atmosphäre der Stadt, in der jeder jeden kennt.

Krüger, selbst Vater zweier mittlerweile erwachsenen Kinder, hält den Bereich Jugend und Bildung für wichtig. In Sachen Gesamtschule favorisiert er einen Neubau. "Der ist zwingend notwendig", sagt er und fühlt sich in dieser Einschätzung auch durch Gespräche mit vielen Eltern bestätigt. Für unrealistisch hält er dieses Projekt trotz der enormen Kosten nicht. "Das ist eine Investition in die Zukunft. Mögliche Fördermittel wurden von der Stadt nicht geprüft. Sie lässt hier Geld liegen", findet er.

Ein weiterer Punkt, der Krüger am Herzen liegt: der Situation in der Innenstadt. Hier ist ihm die Sauberkeit und der Zustand der Grünanlagen ein Dorn im Auge. Aber auch die Leerstände ärgern ihn. Zumal gleichzeitig bestehende Unternehmen in ihren Erweiterungswünschen von der Stadt behindert würden. "Aldi, Lidl und Kaufland haben Pläne, die sie nicht umsetzen dürfen, weil das Innenstadtkonzept dagegen spricht. Dabei ist das völlig veraltet, was Sortimentslisten und Größen anbelangt. Da muss man auf jeden Fall ran. Das muss für die Unternehmen entschärft werden", fordert er.

Auch zur Situation am Neumarkt hat er eine klare Meinung: "Das ist eine Never-ending-Story. Ich bin für klare Fristen. Entweder werden sie eingehalten oder es muss eine Neuausschreibung geben - ohne Wenn und Aber."

Auf seine Kandidatur habe er bislang viel positive Resonanz erhalten. Krüger geht davon aus, der SPD einige Stimmen abnehmen zu können, glaubt aber auch, dass er als Unternehmer für CDU-Wähler interessant sein könnte. Besonders setzt er allerdings auf junge Wähler, "denn zu Jugendlichen habe ich einen guten Draht."

Der 51-Jährige ist aber auch Realist: "Wenn ich vier oder fünf Prozent bekomme, dann können wir uns am Wahlabend ein Bierchen gönnen." Und was, wenn es deutlich mehr werden sollte? "Dann machen wir ein Fass auf."

VON MARKUS BALSER

Quelle: RP
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