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Rees
Kullmann kocht seit 35 Jahren in Rees

Rees: Kullmann kocht seit 35 Jahren in Rees
Rees. Am 30. November 1980 wurde Volker Kullmann Küchenchef des Sport- und Freizeitcenters. 1984 übernahmen er und seine Frau Annelie den Betrieb. Ans Aufhören denken sie noch nicht, lediglich zwei Hallen möchten sie gerne verkaufen. Von Michael Scholten

Zwischen Pokalen, Wimpeln und signierten Fußbällen wirken die Grubenlampen und Kohle-Kunstwerke wie Fremdkörper. Doch Volker und Annelie Kullmann haben diese Erbstücke bewusst in die Vitrine am Eingang ihres Sport- und Freizeitcenters gestellt. Sie erinnern an ihre Wurzeln im Ruhrgebiet und an ihre Familien: Volker Kullmanns Vater Willi arbeitete auf der Zeche Matthias-Stinnes in Essen, Annelie Kullmanns Vater Lothar Kallwitz war Fahrsteiger auf der Zeche General-Blumenthal in Recklinghausen. 1946 in Essen geboren, war auch für Volker Kullmann eine Zukunft unter Tage geplant.

Doch nach dem Grubenunfall seines Bruders schien den Eltern diese Arbeit zu gefährlich. Mit 14 Jahren begann der B-Jugend-Kicker des STV Horst-Emscher deshalb eine Kochlehre. 25 Hotels und Restaurants in der Schweiz, in Frankreich, Schweden und Deutschland waren seine Arbeitgeber, bevor er am 30. November 1980 Küchenchef des neuen Sport- und Freizeitcenters in Rees wurde. Das 35-jährige Bestehen hat das Gastronomen-Paar am letzten Montag bewusst nicht gefeiert: "Das verschieben wir aufs nächste Jahr, wenn Annelie 60 wird und ich 70 werde", sagt Volker Kullmann.

1980 war das vielleicht turbulenteste Jahr im Leben der beiden Wahl-Niederrheiner: Hochzeit, Umzug nach Rees, Geburt von Tochter Bianca und schließlich neue Jobs als Küchenchef und Buffetkraft in dem von Rudi Kemkes erbauten Sport- und Freizeitcenter. "Jung- und Gesundbrunnen" nannten die lokalen Zeitungen damals die größte Anlage dieser Art am Niederrhein, die "der Reeser an sich" für völlig überdimensioniert hielt. Chefin war zunächst Sophie Kemkes, doch 1984 übernahmen die Kullmanns den Betrieb als Pächter. Das Timing war perfekt: "1985 gewann Boris Becker Wimbledon, plötzlich wollten alle Tennis spielen, unsere Plätze waren von morgens bis abends ausgebucht", sagt Volker Kullmann. Weitere Höhepunkte waren die Neujahrsempfänge des Deutschen Hotel und Gaststättenverbandes in den Jahren 2001 und 2011. "600 Leute zu bekochen und zu bedienen ist eine große Herausforderung", sagt Annelie Kullmann, "dann wird die Tennishalle zur Festhalle."

1991 konzentrierten sich die Kullmanns auf die Gastronomie an der Trabrennbahn Dinslaken, kehrten Rees vorübergehend den Rücken, 1996 wieder an den Niederrhein zurückzukehren. 2009 kauften sie dann das Sport- und Freizeitcenter aus der Konkursmasse der RBU. "Wir gehen hier nie wieder weg", sagen sie heute, "Rees ist unser Zuhause." Besonders gefällt ihnen, dass viele ihrer Gäste bereits die Enkelkinder der ersten Gäste aus den 80er-Jahren sind. Ans Aufhören denkt das Paar vorerst nicht. "Erst wenn Annelie in fünf Jahren in Rente geht, will ich aufhören", sagt Kullmann. Seine Frau will das noch nicht so ganz glauben: "Mein Mann sagt immer: Ich will am Herd tot umfallen. Er liebt das Kochen. Das ist sein Leben."

Tochter Bianca wohnt seit einigen Jahren wieder in Rees und hilft oft im Betrieb, möchte das Sport- und Freizeitcenter aber später nicht übernehmen. "Mir ist wichtiger, dass sie in ihrer Logopädie-Praxis glücklich ist, als dass sie hier unglücklich wäre", sagt Volker Kullmann und hofft auf einen externen Käufer 2020. Um schon jetzt etwas mehr Freizeit zu haben, würden sich die Kullmanns gern auf das Haupthaus mit der Gastronomie und den Kegelbahnen konzentrieren und eine Tennishalle und die Indoor-Soccer-Halle verkaufen. Ein unterschriftsreifer Vertrag mit Blau-Weiß-Rees ist vor wenigen Wochen in letzter Minute geplatzt. "Die Sache liegt auf Eis", sagt Annelie Kullmann.

Quelle: RP
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